Der Name Stuck ist nicht nur im deutschen Motorsport eine Institution. Timo Glock kennen viele Motorsport-Freunde aus seiner Zeit bei Jordan in der Formel 1, von seinen ChampCar Rennen in den USA oder aktuell aus der GP2 Serie. Und wer einmal am Fernseher in die Boxengasse der Formel 1 geschaut hat, wird an Kai Ebel kaum vorbei gekommen sein. So unterschiedlich diese drei Rennsport-Galionsfiguren auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Zusammen starten sie jetzt für den deutschen Motorsport-Nachwuchs durch.
Als Jury-Mitglieder der Speed Academy, der Nachwuchsförderung der Deutschen Post, bewerten sie auch 2006 wieder sechs deutsche Rennfahrer-Talente. Daumen rauf, Daumen runter - wer bekommt wie viel von den insgesamt 240.000 Euro Speed Academy Preisgeld. Das Programm ist anspruchsvoll. Das Rennen macht nur, wer auf der Rennstrecke genauso überzeugend agiert wie beim Medientraining und bei weiteren so genannten Sonderprüfungen der Akademie. Unterstützung erhalten die drei bei ihrer Arbeit von Leopold Wieland Redaktionsleiter der Auto Bild Motorsport, Premiere Moderator Peter Lauterbach und Porsche Supercup Pilot Christian Menzel, die das Sextett komplettieren.

Was die viel beschäftigten Motorsport-Insider antreibt, einen Teil ihrer knapp bemessenen Zeit dem Nachwuchs zu widmen? Hans-Joachim Stuck: "Der Rennsport von heute ist kompliziert. Technik-Meetings, Rennen, Interviews, Fernsehauftritte. Da wird es immer wichtiger, dass die jungen Burschen frühzeitig fit gemacht werden für ihren Beruf. Und dazu möchte ich etwas beitragen."
Timo Glock denkt in erster Linie an seine eigene, noch gar nicht so lange zurückliegende Zeit als Rennsport-Anfänger: "Es macht sehr viel Spaß, den Jungs in der Speed Academy zu helfen, nach vorne zu kommen. Ich hätte früher auch gerne eine solche umfassende Unterstützung gehabt. Außerdem fördert die Deutsche Post meine Karriere schon seit dem Jahr 2000. Dafür bin ich sehr dankbar, denn hiervon habe ich viel profitiert. Nun versuche ich den Nachwuchsfahrern selbst zu helfen."
Und Formel 1 Paradiesvogel Kai Ebel hat seine ganz eigenen Beweggründe, dabei zu sein. "Speed Academy macht für mich vor allem deswegen Sinn, weil ich die Karriere des Michael Schumacher so ziemlich von Anfang an bis heute verfolgt habe. Jetzt will ich natürlich wissen: Wer sind demnächst Schumis Erben... besonders im eigenen Land. Und wenn man da noch ein bisschen mithelfen kann, dass die Formel 1 weiter deutsch spricht, ist das eine klasse Sache."
Der erste Schritt in diese Richtung ist übrigens bereits getan. Mit dem Münchner Adrian Sutil hat sich einer der Speed Academy Förderkandidaten des letzten Jahres für 2006 ein Testfahrer-Cockpit beim Midland Formel 1 Team sichern können.
Wann die prominenten Juroren das erste Mal eine Frau als Speed Academy Förderkandidatin begrüßen können? Hans-Joachim Stuck dazu: "Ich hoffe bald. Der körperliche Unterschied in Punkto Kraft und Ausdauer ist bei den modernen Rennern längst durch Technik ausgeglichen worden. Damit gibt es keinen Grund mehr, warum Frauen nicht genau so erfolgreich im Motorsport fahren können wie Männer."
Die Jury im Portrait
Hans Joachim Stuck Rennfahrerlegende (BMW-Markenbotschafter, Premiere Motorsport-Experte) Mit ordentlich Respekt sei gesagt: Hans-Joachim Stuck ist ein Urgestein des deutschen Motorsports. Schließlich brachte es "Strietzel" Stuck bis zum Formel 1-Fahrer mit mehr als 70 Grand Prix Einsätzen. Auch heute ist der 55jährige als BMW-Werksfahrer noch bei Langstreckenrennen aktiv. Seinen Vertrag mit BMW hat er vor kurzem bis 2008 verlängert. Glorreich war sein insgesamt dritter Sieg im Jahr 2004 nach 1970 und ‘98 beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife. "Das war fast mein physisch härtestes Rennen", sagt Stuck. 2005 wurde er Zweiter bei der Langstreckenmeisterschaft.

Der Langstrecken-WM-Titel 1985, zwei Siege beim 24-Stunden-Klassiker in Le Mans (1986 und ‘87), der DTM-Titel 1990 und die Trophäe als US-IMSA-Supercar-Sieger 1993 sind weitere herausragende historische Erfolge. Neben den Langstreckenrennen ist er in dieser Saison mit weiteren alten Hasen des Rennsports auch wieder in der GP Masters unterwegs. Außerhalb der Rennstrecke ist der Haudegen mit feinen Analysen und seiner ihm eigenen Schlagfertigkeit als Motorsport-Experte im Fernsehen und als Zeitungskolumnist stark gefragt. Stuck ist es ein besonderes Anliegen, mit der Speed Academy junge Piloten an die Hand zu nehmen, um sie langfristig im Top-Motorsport zu etablieren: "Wir müssen heute auch an die Zeit nach Michael Schumacher denken."
Timo Glock Rennfahrer (GP2 Series) In nur vier Jahren stieg der heute 24jährige Timo Glock vom Kartsport zum Formel 1-Test- und Einsatzfahrer auf. Und gleich bei seinem ersten Grand Prix in Montreal 2004 fuhr er für das Jordan-Team zwei WM-Punkte ein. Eine weitere tolle Chance nutze Timo Glock in der letzten Saison: Er startete für Rocketsports Racing von Team- und Serieninhaber Paul Gentilozzi in der Champ Car World Serie. Das ist die Formel 1 der USA mit weiteren Rennen in Kanada, Mexiko und Australien. Auf Anhieb holte sich Timo den Titel "Rookie of the Year".

In der Saison 2006 geht Timo nun in der GP2 Series im Rahmenprogramm der Formel 1-Rennen für das spanische Team BCN Competicion ins Rennen. "Da kann ich mich mit Sicherheit fahrerisch weiterentwickeln", sagt der sympathische Odenwälder. "Außerdem bin ich wieder näher an der Formel 1, die nach wie vor mein großes Ziel ist." Eben dieses Potential und die Zielstrebigkeit erwartet Timo auch von den Kandidaten der Speed Academy in dieser Saison. "Die Nachwuchsförderung der Deutschen Post hat mir als Jury-Mitglied in den vergangenen zwei Jahren viel gegeben, da freue ich mich neben der GP2 wieder auf viele schöne Stunden mit den jungen Kollegen." Klare Sache: Timo Glock ist einer der Sympathieträger der Speed Academy.
Christian Menzel Rennfahrer, Instruktor (Porsche Michelin Supercup und Porsche Carrera Cup) Rennfahrer und Instruktor Christian Menzel gilt in der Rennsport-Szene als Vollprofi mit großem Vorbildcharakter auf und außerhalb der Rennstrecke. Der 34jährige war bereits Werksfahrer für BMW, Opel und Porsche. Er startete in der Formel 3, STW, DTM mit zahlreichen Erfolgen wie dem legendären Sieg beim 24-Stunden-Rennen 1992 auf der Nordschleife und in Porsche Markenpokalen 2005 holte sich Menzel den Titel im Porsche Carrera Cup. Aktuell fährt er im Porsche Michelin Supercup.

Die Speed Academy betrachtet Menzel als konsequente Motorsport-Nachwuchsförderung, die es auch Talenten mit dünnem finanziellem Polster ermöglicht, nach oben zu kommen. "Ich bin von dem Konzept der Speed Academy total begeistert", sagt Menzel. "Damit bringen wir die Kandidaten dazu, auch außerhalb der Rennstrecke immer besser zu werden." Zu einem professionellen Rennfahrer gehört für Menzel, dass "er nicht der Coolste im Fahrerlager ist, sondern teamfähig und mit guten Umgangsformen auf Teamchefs, Fans sowie Journalisten zugehen kann". Und Christian Menzel wäre froh gewesen, wenn es bei ihm früher eine ähnliche Nachwuchsförderung gegeben hätte: "Ich musste mir noch alles selbst erarbeiten."
Kai Ebel Sportmoderator (RTL Formel 1) Als "Mister Formel 1 in der Boxengasse" ist Kai Ebel bei Millionen von Motorsportfans in Deutschland bekannt. Bereits seit 1993 zieht der Wahl-Kölner mit dem Formel 1-Zirkus von Ort zu Ort und berichtet als RTL-Reporter aus der Welt der PS-Matadoren. Interviews mit Schumi und Co., Reifenwechsel und Tankstopps: der ehemalige Amateurboxer ist immer hautnah am Geschehen und inzwischen selbst zu einem Star der Motorsport-Szene geworden, ohne dass er dem allerdings zustimmen würde. Auch von wilden Partys im Anschluss an die Grand Prix Spektakel will er nichts wissen.

Kai Ebel, der früher noch mit seinem Mönchengladbacher Freund Heinz-Harald Frentzen "um die Häuser gezogen ist", berichtet als Insider: "Professionalität und Fitness ist bei der jungen Motorsport-Generation wie bei mir angesagt", so Ebel, der dieses Credo auch auf die Kandidaten der Speed Academy bezieht. Und der gelernte Karosserie- und Fahrzeugbauer will es wissen: "Natürlich interessiert es mich, wer zukünftig der Nachfolger von Michael Schumacher wird."
Peter Lauterbach Sportmoderator Premiere (Formel 1), Film- und TV Produzent. Seit inzwischen 6 Jahren ist Moderator Peter Lauterbach hautnah dran, an der Formel 1. Neben den "Alt-Stars" wie Michael oder Ralf Schumacher hat er dabei auch immer wieder die jungen Piloten vor dem Mikrofon. Gerade deshalb hat sich Lauterbach auch gerne bereit erklärt, der Jury der Deutsche Post Speed Academy beizutreten: "Die Academy ist einzigartig. Außer dem Engagement der Deutschen Post gibt es keine Nachwuchsförderung, die über den einzelnen Serien steht. Hier bekommen junge Talente die Chance, groß raus zu kommen - egal, wie viel Geld sie mitbringen."

Peter Lauterbach folgt dem Formel 1-Zirkus zu jedem Rennen. Ob als Moderator oder Boxengassen-Reporter: er ist immer mittendrin. "Nur durch den permanenten Kontakt mit den Stars, kann man eine wirkliche Nähe aufbauen. Nur darf man niemals glauben, ein Teil des Ganzen zu sein." Mit dieser "distanzierten Nähe" hat Lauterbach nun seit Jahren Erfolg. Im übrigen genau so, wie mit seiner Film- und TV Produktion in München und Hamburg. Auch die Deutsche Post Speed Academy will Lauterbach jetzt im TV nach vorne bringen: "Diese einzigartige Nachwuchsförderung hat extrem viel Potential. Ich hoffe sehr, der Academy mit meiner Erfahrung im Kommunikations-Bereich weiter helfen zu können!"
Leopold Wieland Redaktionsleiter (Auto Bild Motorsport) Der Fachjournalist Leopold Wieland schreibt seit mehr als 20 Jahren über Autos und den Motorsport. Für den 44jährigen Redaktionsleiter von Auto Bild Motorsport ist "Köpfchen" der Schlüssel zur Rennfa hrerkarriere. Entsprechend begabte Fahrer zu finden, darin sieht der Wahl-Hamburger eine wesentliche Herausforderung in der Speed Academy, die er als eine der "wichtigsten Motorsportförderungen" in Deutschland ansieht. "Es geht um 240.000 Euro Preisgeld, damit werden die Kandidaten der Speed Academy toll unterstützt", sagt Wieland.
Der studierte Sprachwissenschaftler war von 1985 bis 1989 freiberuflicher Formel 1-Journalist für Die Welt. Im Jahr darauf war er Pressesprecher für das Formel 1-Team Zakspeed. Von 1990 an drückte er zwei Jahre die Journalistenschulbank der Axel Springer AG und wurde dann bei Auto Bild erst Test- und später Motorsport-Redakteur. Seit 2001 ist Leopold Wieland Redaktionsleiter bei Auto Bild Motorsport, dem Partner der Deutsche Post Speed Academy.



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