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GT World Challenge / Rennbericht

Dominantes Huracan-Debüt - BES - Grasser Racing triumphiert in Monza

Fast zu schön, um wahr zu sein: Der neue Lamborghini Huracán siegte bei seinem internationalen Renndebüt - und dies beim italienischen Heimspiel in Monza.
von Fabian Stein

Motorsport-Magazin.com - Schnell, zuverlässig und fehlerlos. Mehr braucht es nicht, um die Fahrt des von Grasser Racing eingesetzten Lamborghini Huracán von Fabio Babini, Andrew Palmer und Jeroen Mul beim ersten Rennen der Blancpain-Endurance-Serie (BES) in Monza zu beschreiben. Der brandneue GT3-Renner aus den Werkshallen in Sant‘Agata Bolognese erlangte früh im dreistündigen Rennen die Führung und fuhr dem 58 Fahrzeuge umfassenden Feld davon. Nur eine späte Safety-Car-Phase ließ die Konkurrenz kurz Hoffnung schöpfen.

Lamborghini und Gelbphase ruinieren Ferrari-Feier

Die Trainings- und Qualifikationssessions gehörten auf dem schnellen Traditionskurs der Ferrari-Meute, die stets mehr als 50% der Top-Ten ausmachte. Da jedoch keiner der 16 Ferrari 458 Italia in der Pro-Kategorie gemeldet war, erwartete kaum jemand überragende Platzierungen im Gesamtklassement. Doch wäre nicht eine halbe Stunde vor Rennende eine Safety-Car-Phase nötig geworden, so hätte es wohl ein rein italienisches Podium gegeben.

Doch es kam anders, als das Feld zusammengestaucht wurde. Rinat Salikhov konnte immerhin noch den Rinaldi-Ferrari nach einer tadellosen Leistung als Zweiter ins Ziel retten. Norbert Siedler hatte den Wagen am Morgen auf die Poleposition gestellt. Ein zweiter Gesamtrang und der Sieg in der Pro-Am-Wertung waren der verdiente Lohn. Die 458 Italia von AF Corse (Griffin/ Cameron) und Kessel (Broniszewski/Lyons/ Bonacini) wurde noch von Pro-Fahrzeugen abgefangen. Das Pro-Am-Podium gehörte aber immerhin gänzlich den springenden Pferden aus Maranello.

Audi, Bentley und Nissan beste Verfolger

Wenn es WRT an Geschwindigkeit fehlt, dann löst das Meisterteam die Situation mit Raffinesse: Der Audi mit der Startnummer 1 (Vernay/Frijns/Vanthoor) lauerte stets in der erweiterten Spitzengruppe und verbesserte sich nach der späten Gelbphase durch individuellen Fahrerklasse und Entschlossenheit auf den dritten Rang. Der neue R8 LMS von Ortelli/Müller/Stippler wurde immerhin noch Sechster, während der Saintéloc-Altwagen von Mortara/Sandström/Guilvert sich auf Platz neun schadlos hielt.

Die Bentley-Armada brachte lediglich einen fünften Platz für Kane/Meyrick/Smith ins Ziel. Der zweite Continental von M-Sport (Buhk/Soulet/Soucek) verlor nach der Gelbphase im Getümmel ein Top-Ten-Ergebnis, während der HTP-Bentley durch einen Unfall ausschied. Bittersüß war das Rennen auch für Nissan. Buncombe/Reip/Chiyo wurden nach harten Duellen mit den Bentley Achte. Der Schwesterwagen fiel mit Problemen beim Ölkreislauf aus. Die deutsche MRS-Mannschaft mit Dolby/Walkinshaw/Plowman konnte mit einem zwölften Rang zufrieden sein - schließlich kam die Kombination von Team, Fahrern und Fahrzeug in diesem Jahr erst neu zusammen.

McLaren ohne Speed und Rennglück, Jaguar mit Kurzauftritt

Der Rowe-Mercedes von Dusseldorp/Graf/Bastian verfehlt als Elfter die Top-Ten nur knapp. Allerdings überholte der Flügeltürer unter Gelb und büßte durch die folgende Strafe an Zeit ein. Die Teamkollegen in der Startnummer 99 liefen vier Positionen dahinter ein. Weder den Mercedes noch den BMW lag der Kurs: Der beste Z4 von Bueno/Fraga/Jimenez wurde lediglich als 18. gewertet. Bereits in der Anfangsphase des Rennens waren drei weitere BMW in Zwischenfälle verwickelt.

Entgegen der Hoffnungen, dass der Rennverlauf die lahmenden McLaren nach vorne spülen würde, wurde es kaum besser. Der beste Von-Ryan-Wagen (Bell/Estre/Van Gisbergen) wurde farbloser Sechzehnter. Álvaro Parente im Schwesterwagen wurde im ersten Renndrittel gedreht und von da verbesserte sich der neue 650S nicht mehr.

Schlimmer erging es Attempto Racing. Während der Pro-Wagen unter anderem durch eine Strafe wegen Überholens unter Geld bestraft wurde, zerstörte Yoshiharu Mori seinen McLaren beim Anbremsen der Parabolica durch einen harten Einschlag in die inneren Leitplanken - und riss den unschuldigen HTP-Bentley (Abril/Primat/Parisy) mit ins Verderben bzw. ins Kiesbett. Dies war der Auslöser für die entscheidende Gelbphase. Der Frey-Jaguar schaffte nicht einmal 15 Minuten und verschwand rauchend in der Box.

Die nächste Veranstaltung BES wird am 23. und 24. Mai auf dem Traditionskurs in Silverstone ausgetragen. Die Blancpain-Sprint-Serie (BSS) wird zwei Wochen zuvor in England gastieren: vom 9. bis 10. Mai in Brands Hatch.


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