Sie mussten zurück an die Strecke kommen, nachdem Sie Ihre Fehler aussortiert haben. Es funktioniert einfach nicht so richtig wenn sie nicht dabei sind oder?
Paul Jackson: Naja, ich glaube, das stimmt nicht unbedingt, Sie sprechen offensichtlich über Dubai. Was soll ich sagen, es ist einfach alles falsch gelaufen, was falsch laufen konnte. Probleme mit der Kommunikation, Missverständnisse und einige andere Faktoren waren für das negative Abschneiden an diesem Rennwochenende verantwortlich. Doch am Ende des Tages muss man sagen können, wir haben Fehler gemacht aber wir haben daraus gelernt und werden dieselben Fehler nicht noch einmal machen.

Bruno Senna schreitet in seinem Reifeprozess sehr schnell voran., Foto: Sutton
Bruno Senna schreitet in seinem Reifeprozess sehr schnell voran., Foto: Sutton

Die Frage ist, welche Konsequenzen Sie daraus gezogen haben. Was unternehmen Sie um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden?
Paul Jackson: Was wir als größtes Problem heraus filtern konnten ist das Funk-System. Wenn eine Person spricht ist alles ok, wenn zwei Personen sprechen, hören manche Leute die erste Konversation, während andere die zweite hören. Genau das war das Problem, während die einen Mechaniker den Fahrer sagen hörten, er wolle die vorderen Reifen wechseln, hörten andere den Ingenieur sagen, er wolle etwas anderes tun. Seitdem haben wir das System dahingehend geändert, dass die Mechaniker den Fahrer nicht mehr hören können sondern nur mehr den Ingenieur. So führen die Mechaniker von nun an die Befehle des Ingenieurs aus. Außerdem haben wir eine neue Regel eingeführt. Alle Diskussionen müssen beim zweiten Sektor beendet sein, so haben wir zwischen 30 und 40 Sekunden Zeit, die Reifen und die Mechaniker vorzubereiten.

Das Team scheint in guter Form zu sein denn, der Test mit dem neuen Auto verlief anscheinend gut.
Paul Jackson: Ja, der Test verlief gut aber es ist bei den Tests immer schwer zu wissen, wer, welches Testprogramm absolviert. Ob die Konkurrenz gerade Rennsimulationen oder Qualifying-Runs fährt oder ob gerade jemand einfach neue Reifen testet. Unsere Rennsimulation verlief hier sehr viel versprechend. Auch die neuen Reifen funktionierten bei uns ausgezeichnet. Es hatte einfach jeder Zeit die Daten vom Test zu analysieren und auszuwerten. Eine Sache die ich garantieren kann ist, dass es diese Saison wirklich sehr eng wird. Die besten Zehn oder Zwölf Fahrer werden sehr knapp beieinander sein. Die Reihenfolge innerhalb dieser Fahrer kann sich sehr leicht verändern. Dadurch kann es passieren, dass man an einem Wochenende auf Pole steht und am nächsten nur mehr auf dem 10. Platz landet.

Denken Sie, dass sich daran während der Saison etwas ändern wird, sodass ein paar der besseren Teams sich etablieren können?
Paul Jackson: Ich weiß es nicht genau. Es kommt darauf an wie schnell sich die Teams an das neue Auto gewöhnen und es verstehen lernen. Vielleicht findet das ein oder andere Team einen kleinen Vorteil von dem wir jetzt noch nichts wissen.

Sind Sie optimistisch den Titel dieses Jahr erneut zu holen?
Paul Jackson: Ja, ich bin optimistisch. Es wird natürlich niemals einfach sein, wobei es so aussieht, als würde dieses Jahr eines der härtesten werden. Letztes Jahr spielte sich der Titelkampf ja hauptsächlich zwischen Timo und di Grassi ab, doch dieses Jahr denke ich, dass wir mindestens 4 oder 5 Fahrer haben, die um die Spitze kämpfen werden. Die Reihenfolge wird sich dabei ständig ändern.

Waren Sie besorgt über einige Dinge in der GP2 Asia Serie, die vor allem rund im Romain Grosjean etwas merkwürdig anmuteten?
Paul Jackson: Ich mache mir darüber nicht allzu große Sorgen. Ich denke es gibt ein paar gute Gründe, warum es in der GP2 Asia Series so kam, wie es kam. Es ist eher unwahrscheinlich, dass so etwas in der Hauptserie geschieht.

Denken Sie also, dass ihr Team eine faire Chance bekommt?
Paul Jackson: Ja ich denke schon. Bruno [Senna] hat es in Dubai wieder gezeigt. Wenn er in einem Zweikampf mit Grosjean steckt, kann er daraus als Sieger hervorgehen. An anderen Tagen schafft es wiederum Grosjean das Rennen für sich zu entscheiden. Was ich aber nicht denke ist, dass Grosjean soviel schneller ist als alle anderen. Die ganze Sache in Asien it auf verschiedenste Umstände zurückzuführen. Es geht dabei auch darum wie die Motoren geregelt wurden, die Drehzahlen sind limitiert worden und das hatte einen anderen Effekt als ich es in Europa erwarte.

Dass Senna sein Team nicht anschwärzt, wird ihm hoch angerechnet., Foto: Sutton
Dass Senna sein Team nicht anschwärzt, wird ihm hoch angerechnet., Foto: Sutton

Was unterscheidet Timo Glock von Bruno Senna voneinander wenn man die beiden vergleicht?
Paul Jackson: Ich denke, es ist zu früh darüber etwas zu sagen. Eine Sache die man bei Bruno sehr stark bemerkt ist, dass er sehr schnell reift. Das hat auch das Problem beim Boxenstop in Dubai gezeigt. Bruno ist damit sehr ruhig und professionell umgegangen. Er hat das Team nicht beschuldigt oder bloßgestellt sondern hat akzeptiert, dass ein Fehler passiert ist. Das zeigt seinen Level an Reife und Professionalismus. Für mich ist das ein großer Pluspunkt, denn das zeigt, dass er auch mit schwierigen Situationen gut umgehen kann. So einen Charakter braucht man in dieser Serie, denn es ist klar, dass wir nicht 10 Wochenenden haben werden, bei denen alles gut geht. Für den Fall, dass alles nach Plan läuft, muss er die Chance nutzen und versuchen das Rennen zu gewinnen, wenn die ein oder andere Sache aber nicht so gut funktioniert, muss er ruhig bleiben und das Beste daraus machen um noch Punkte zu holen. Der mentale Faktor ist bei Bruno wirklich sehr vielversprechend, aber für einen direkten Vergleich mit Timo ist es einfach noch zu früh.

Zwischen Timo und Ihnen gab es immer eine spezielle Beziehung, denken Sie, dass diese Stufe auch mit Bruno erreicht werden kann?
Paul Jackson: Ja natürlich. Aber wir haben auch jetzt noch eine sehr spezielle Beziehung zu Timo. Bereits heute war er einige Stunden hier. Aber auch Bruno hat bereits viel Zeit mit uns verbracht und wir kommen uns auf zwischenmenschlicher Ebene immer näher. Bruno ist ein wirklich guter Junge, es wäre sehr einfach für ihn ein Superstar mit einem großen Namen zu sein, aber das will er gar nicht. Selbst auf seinen Reisedokumenten benutzt er den Namen Senna nicht. Er will alles aus eigener Kraft erreichen.