Trotz eines andere als optimalen Autos - Punkte wären für Bruno Senna in Valencia wieder möglich gewesen, dank des Wetters und einer erst einmal gewagten, aber richtigen Strategieentscheidung: "Es fing zwar in der Startaufstellung wieder an leicht zu regnen, aber vom 18. Starttplatz aus, mit den immer noch nicht wirklich behobenen Bremsproblemen, die wir ja schon im Qualifying hatten, wusste ich, dass ich unter normalen Umständen sowieso nicht viele Chancen haben würde. Also habe ich gepokert - bin auf Slicks gestartet und das hat richtig gut funktioniert." Nach der ersten Runde war der Brasilianer Elfter, nach der vierten schon Sechster, die Strecke schien eher weiter abzutrocknen, "ich habe die Leute reihenweise überholt, es war, als würde ich an Formel-3-Autos vorbeifahren."

Immerhin hatte Senn ein hübsches Grid-Girl, Foto: Sutton
Immerhin hatte Senn ein hübsches Grid-Girl, Foto: Sutton

Doch als es dann zwischenzeitlich wieder ein bisschen stärker anfing zu regnen, passierte das folgenschwere Missverständnis, dass einen möglichen Platz in den Punkten verhinderte: "Unser Funk hat mal wieder nicht richtig funktioniert, ich habe nur viel Krach gehört, ich dachte, die wollen mich an die Box holen... Ich war unsicher, weil ich das Gefühl hatte, mit den Slicks furchtbar langsam zu sein, ich habe ja in dem Moment keinen Überblick über die Zeiten. Ich habe versucht, zurückzufragen, bekam aber keine Antwort. Ich kam dann also rein, dann fragte mich mein Ingenieur Mick Cook: 'Regenreifen?'" Sennas Schlussfolgerung: "Ich dachte, das Team hätte im Zeitenvergleich gesehen, dass das besser ist, und habe gesagt, 'okay'." Doch er merkte sofort, dass das ein massiver Fehler gewesen war. "Ich bin nur herumgerutscht, auch gleich in der ersten Kurve geradeaus gefahren, das war völlig unmöglich, das ging überhaupt nicht. Nach zwei Runden musste ich wieder reinkommen und mir wieder Slicks holen." Womit natürlich alle Chancen dahin waren...

Was keiner verstand - wie man bei Arden überhaupt auf die Regenreifen-Idee hatte kommen können, da zu diesem Zeitpunkt die Rundenzeiten mit Slicks allgemein immer noch mindestens zwei bis drei Sekunden schneller waren. Nicht nur Bruno Senna war da der Meinung, dass der Renningenieur am Zeitencomputer da eigentlich den Überblick haben müsste, "ich selbst weiß ja nicht, was die anderen fahren, ich hatte keinen Vergleich, vor allem, weil in dem Moment niemand direkt vor oder hinter mir war", so Senna gegenüber motorsport-magazin.com. Kein Wunder, dass es nachher in der Arden-Box eine etwas heftigere Diskussion gab...

"Ich habe danach zwar noch versucht, wenigstens so viel wie möglich aufzuholen, aber wenn man mit solchen Bremsen versucht, wirklich zu attackieren, dann ist das Risiko halt sehr hoch," erklärte Senna seinen Dreher in der 24. Runde, der das endgültige Aus bedeutete. Beim Anbremsen war mal wieder - sogar mit freiem Auge sichtbar - das Heck des Arden ausgebrochen.

Die gleichen Bremsprobleme machten auch Sennas neuem Teamkollegen, Felipe Albuquerque, der für den in der A1-GP-Serie beschäftigten Adrian Zaugg in den Arden gestiegen war, zunächst schwer zu schaffen: "Im Qualifying war es katastrophal, im Rennen dann besser", meinte der Portugiese, der vom 25. Startplatz immerhin noch Zehnter wurde. Er hatte die klassische Variante gewählt, war auf Regenreifen gestartet und wechselte dann ungefähr zu dem Zeitpunkt, als das Team Senna die Regenreifen verpasste, auf Slicks… "Am Ende hätte ich sogar fast Aleshin noch erwischt, der immer langsamer wurde."