Irgendwie hat man darauf gewartet, dass gleich etwas schief geht. Soucek führte das Sprintrennen an und direkt dahinter hing ihm der viel schnellere Karun Chandhock im Heck. Das ist in der GP2 eigentlich der Stoff, aus dem Kollisionen sind. Doch dieses Mal ging alles gut. Mit einem fabelhaften Überraschungsmanöver kurz nach der Eau Rouge passierte der Inder Chandhock den Österreich-Spanier Soucek, ohne dass es zu einer Kollision kam. "Es war aufregend. Ich habe in der Eau Rouge entschieden, direkt hinter ihm zu bleiben, obwohl man dort den Abtrieb verliert, wenn man keinen Abstand lässt. So ist das Auto etwas ausgebrochen, aber ich konnte hinter ihm im Windschatten bleiben", erzählte ein euphorisierter Chandhok hinterher. "Dann habe ich es zuerst auf der Innenseite versucht, aber er machte die Tür zu, also bin ich links vorbei und dann musste ich nur noch mutig auf der Bremse sein."

Gerade unter Berücksichtigung der bisherigen GP2-Saison war das sicherlich ein waghalsiges Manöver, zumal auch Chandhok selbst erst vor einigen Wochen in der Türkei in einen Crash beim Kampf um Platz eins verwickelt wurde. "Wer nicht wagt der nicht gewinnt", sagte der Inder. Im übrigen sei der Unfall in der Türkei nicht seine Schuld gewesen. "Das war Nakajima, der verrückt war. Andy [Soucek] ist da umsichtiger, und ich muss ihm wirklich Respekt zollen. Er ist der fairste Racer im Feld", findet Chandhok.

Doch bevor der Inder, der auf ein Cockpit in der Formel 1 bei Spyker spekuliert, zu seinem Manöver ansetzte, lauerte er lange auf seine Chance. "Nach Runde drei habe ich gemerkt, dass ich eine Chance habe. Andy Soucek ist zwar weggezogen, dabei habe ich aber schon gesehen, dass er zu viel gepusht hat. Er rutschte sehr viel und hat so seine Reifen zerstört", beobachtete Chandhok. "Ich habe hingegen gewartet, bis meine Reifen gekommen sind und ab der fünften Runde wusste ich, dass ich ihn kriege, weil ich viel schneller war als er. Ich musste nur geduldig sein und auf meine Chance warten, ohne Dummheiten zu machen." Das hat er dieses Mal geschaft.