Es ist zwar nicht der "Große Preis von Deutschland" - sondern jener "von Europa". Doch ungeachtet des kindischen Funktionärsstreits zwischen den Bürokraten vom ADAC und AvD um Namensrechte ist das Kräftemessen am Nürburgring das Heimrennen auch für Timo Glock.

Der Odenwälder freut schon auf das Kräftemessen in der Eifel. "Ein Heimrennen ist immer etwas Besonderes", sagt Timo. "Allein schon deshalb, weil ich nur zwei Stunden für die Anreise brauche. Ich kenne die Strecke aus der Formel 3 und der Formel BMW sehr gut; sie liegt mir. Ich weiß auch, dass einige Bekannte an den Ring kommen und mir die Daumen drücken werden."

Die letzten beiden Jahre in Silverstone haben gezeigt, dass auch die GP2-Piloten von patriotischen Fans auf den Rängen frenetisch angefeuert werden. Letztes Jahr brach nach dem Sieg von Lewis Hamilton ein Jubelsturm der Begeisterung los, 2007 beklatschten die Briten den Erfolg von Adam Carroll nur unwesentlich weniger begeistert als die Pole von Hamilton in der Formel 1-Qualifikation. "Ich weiß nicht, ob es bei einem guten Resultat von mir auf dem Nürburgring ähnlich abgehen würde oder ob die deutschen Fans doch mehr auf die Formel 1 fokussiert sind", rätselt Timo.

"Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich für Begeisterung auf den Rängen sorgen könnte. Aber ob dann auch nackte Frauen über die Strecke rennen würden, weiß ich nicht. Obwohl ich sicher nichts dagegen hätte. Auch wenn das letzten Endes immer auf die Frau ankommt..." Trotz der Vorfreude auf das Heimspiel beteuert Timo: "Ich werde meine Taktik nicht ändern. Ich will möglichst beide Rennen gewinnen. Nach den schlechten Ergebnissen bei den letzten beiden Veranstaltungen wird das auch höchste Zeit. Und wenn mir zwei gescheite Rennen gelingen, bei denen mir mal keiner hinten übers Auto und meinem Wagen auch kein Getriebe und keine Lichtmaschine um die Ohren fliegt - dann ist auf dem Ring für mich mit Sicherheit alles drin. Und dann wollen wir doch mal gucken, wie die Zuschauer das dann aufnehmen."

Nach dem Hin und Her von Silverstone kriegt Timo Glock für die Eifel-Rundfahrt wieder einen eigenen Motor. In Silverstone hatte er nach seinem Lichtmaschinenschaden am Sonnabend für den Sonntagssprint noch das V8-Aggregat von Nicolas Lapierre einbauen lassen müssen. "Den Motor kriegt Lapierre jetzt wieder", sagt Timo. "Ich erhalte einen ganz neuen. Aber das hat mit Silverstone nichts mehr zu tun, sondern war ohnehin so geplant. Denn am Nürburgring hätte mein Motor die Grenze seiner maximalen Laufleistung überschritten. Also war von vornherein klar, dass die Mechaniker am Mittwoch oder Donnerstag ein neues Triebwerk installieren müssen."

Der Nürburgring ist laut Timo "eine sehr flüssige Strecke, aber auch eine sehr gesunde Mischung aus verschiedenen Kurven. In der Mercedes-Arena, also dem ersten Streckenabschnitt, und im letzten Sektor mit seiner engen Schikane muss das Auto in langsamen Kurven gut sein und größtmögliche Traktion liefern. Im mittleren Streckenabschnitt hat man dagegen viele flüssige Kurven, wo das Auto sehr gut ausbalanciert sein muss. Die Strecke liegt mir - aber auch dem Charakter unserer Fahrwerksabstimmung. Ich rechne fest mit einem Ende der Pechsträhne und will den Ring auch als GP2-Tabellenführer mit vergrößertem Vorsprung wieder verlassen."