Ein zerfetztes Hemd, blutverschmiert, klaffende Kopfwunden und ein starrer Blick - so kennt der geneigte Filmfan Bruce Willis, einen der Vorzeigehelden Hollywoods. Ganz so schlimm mussten sich die GP2-Helden am Sonntag nicht zurichten lassen, aber unbeschadet kam keiner von ihnen ins Ziel.

Den ersten Knacks bekamen sie bekanntlich alle schon am Samstag mit. Am schlimmsten erwischte es Michael Ammermüller. Er verletzte sich bei einem Zusammenstoß mit Kazuki Nakajima das Handgelenk. Lange war unklar, ob er überhaupt starten würde und ob er das Rennen bis zum Ende durchstehen könnte. Aber ein echter Held kämpft sich in Bruce Willis-Manier durch das Rennen. Normalerweise müsste man meinen, dass die Safety-Car-Phasen zu Beginn für ihn eine Hilfe, eine Art Ausruhphase waren. Aber Pustekuchen: "Ich konnte meine Reifen nicht richtig aufwärmen, weil ich nicht gescheit lenken konnte. Es tat beim Lenken brutal weh", sagte uns der wackere Kämpfer.

Am Ende sollte ihm ausgerechnet der Übeltäter vom Vortag, Kazuki Nakajima, den sechsten Platz und damit den verdienten letzten Punkt wegschnappen. "Nakajima hat sich vor mich reingebremst", beschrieb Ammermüller das Überholmanöver. "Ich musste ihm ausweichen und konnte nicht mehr kontern." Damit war sein Traum vom ersten Punktgewinn in dieser Saison geplatzt. Einen möglichen fünften Platz verlor er zuvor an Mike Conway. "Da habe ich einen Fehler gemacht", gestand er. "Hoffen wir, dass Barcelona besser wird."

Das gilt auch für den zweiten tapferen Recken. Andreas Zuber kam nur bis zur ersten Kurve. "Ehrlich gesagt: Ich habe nur Bruno gesehen und zu wenig auf di Grassi geschaut", gab Zuber zu. Die folgende Kettenreaktion zwischen Senna, Zuber und di Grassi beförderte den Österreicher ins Aus. "Beim Bremsen habe ich einen kleinen Hit rechts gespürt, aber di Grassi hätte ich sowieso berührt, vielleicht nicht ganz so hart." Sein Fazit in bester Bruce Willis-Art: "Es war eine Kettenreaktion, da kannst du nichts machen."

Der strahlende Held des Tages sollte wiederum Timo Glock sein. Aber auch er bekam gleich am Anfang des Rennens sein Fett weg. "Ich habe es wieder außen herum versucht", sagte er motorsport-magazin.com. "Aber diesmal hat es nicht ganz so gut funktioniert." Als er versuchte dem Startunfall zu entgehen, wich er über die Auslauffläche aus. "Ich bin hart über den Kerb drüber gefahren, was wahrscheinlich später das Hauptproblem war", berichtete er. "Laut Bridgestone hat der hintere rechte Reifen einen Schnitt über die ganze Flanke fast bis auf den Grund durch."

Normalerweise hätte Glocks Rennen damit beendet sein müssen. "Sie sagten, dass es überhaupt ein Wunder wäre, dass ich das Rennen durchfahren konnte." So habe sich das Auto auch angefühlt. "Es war extrem nervös auf der Hinterachse, speziell in den Linkskurven. Anfangs konnte ich es noch relativ gut handeln und ein paar Jungs außen überholen." Aber als er auf Lapierre aufholte endete seine Jagd urplötzlich. "Das Auto war plötzlich so schlecht zu fahren, die letzten drei Runden musste ich kämpfen, dass ich das Auto überhaupt auf der strecke halten konnte." Aber das ist eben das harte Los echter Helden.