Sie fanden den Formel 1 Grand Prix am Sonntag spannend? Dann hätten Sie das GP2-Sprintrennen einige Stunden zuvor vergöttert! Der drittletzte Lauf dieser Saison strotzte nur so vor Überholmanövern, Zweikämpfen und Spannung.
"Am Samstag hat Piquet dominiert, also konnte man erwarten, dass es am Sonntag ähnlich läuft", meint motorsport-magazin.com-Experte Sven Heidfeld. Aber dann ging es im Rennen Schlag auf Schlag: Zunächst drehte sich der Meisterschaftsführende Lewis Hamilton und fiel weit zurück, danach hatte er eine Berührung mit dem iSport-Piloten Ernesto Viso und dann schlug seine große Stunde.
"Bei ART war zuletzt der Speed nicht mehr so überragend wie noch zu Saisonbeginn und Hamilton machte auch einige kleinere Fehler. Aber seine Aufholjagd in Istanbul war phänomenal", berauscht sich Sven noch immer am Rennen. "Er ist durch das Feld gepflügt und hat eine schnellste Runde nach der anderen gefahren. Er fuhr wie aus einer anderen Liga."
Dabei gab Lewis in seinem eigenen Worten zu Folge "besten Rennen" seiner Karriere niemals auf. Das bescherte ihm in der drittletzten Kurve sogar noch Rang 2, den er sich scheinbar spielend von Adam Carroll holte. "Das war schon beeindruckend", gesteht Sven. "Er hat nicht mehr PS als die anderen, aber er nimmt viel mehr Speed aus der Kurve heraus. Wie deprimierend das für die anderen ist, zeigte Carroll, der nach dem Rennen sichtbar richtig angefressen war."

Der Brite floh regelrecht vom Podium und schwänzte das Siegerfoto mit Andreas Zuber und Lewis Hamilton. "Zuber hat übrigens einen fehlerfreien Job abgeliefert und sich erstmals richtig in Szene gesetzt", lobt Sven. "Das war eine starke Leistung." Aber auch der Österreicher hätte gegen Hamilton keine Chance gehabt, er wurde quasi von der schwarz-weiß karierten Flagge gerettet. Ansonsten hätte er wohl den gleichen Frust schieben müssen wie Carroll: "Er hat rundenlang gepusht und dann kam von ganz hinten einer angefahren und fährt in der letzten Runde einfach so an ihm vorbei, als ob es nichts Leichteres geben würde."
Der einzige Pilot an dem selbst Überholmeister Hamilton zu knabbern hatte, war Timo Glock. "Das war für ihn das schwierigste Duell", betont Sven. "Da sieht man, dass Timo alles aus dem Auto herausgeholt hat. Denn sein Wagen hat nicht perfekt gelegen und war eindeutig langsamer." Die Zweikämpfe mit Hamilton und zuvor Piquet beurteilt Sven als regelkonform. "Es war nicht unfair, aber absolut am Limit. Ein super Duell."
Genauso gestaltete sich das direkte Duell zwischen den beiden Titelkandidaten. "Alle gingen hart, aber fair miteinander um. In anderen Serien sind sich die Führenden in den letzten Jahren schon einmal gegenseitig in die Karre gefahren, so etwas gab es hier Gott sei Dank nicht - es herrschte Respekt zwischen den Titelkandidaten."
Vor dem Finalwochenende in Monza scheint der Titel aber fast schon vergeben zu sein. "Mit 10 Punkten Vorsprung ist es sehr unwahrscheinlich, dass Piquet noch Meister wird", glaubt Sven. "Rückblickend gab es in dieser Saison mit Piquet und Glock zwei große Herausforderer, die mindestens auf dem gleichen Niveau wie Hamilton waren, dies aber aufgrund von technischen Problemen und Pech einfach nicht immer beweisen konnten."
Das beste Beispiel dafür ist Glock. "Für Timo begann die Saison bekanntlich erst mit dem Teamwechsel vor Silverstone - dabei scheint er übrigens das Glück des zweiten Deutschen Michael Ammermüller mitgenommen und diesem sein Pech in doppelter Form rüber geschoben zu haben. Denn bei Michael läuft seit einigen Rennen nichts mehr rund."



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