Der erste GP2-Sieg liegt hinter Timo Glock. Jetzt hat sich der 24-jährige Deutsche gleich noch mehr vorgenommen: "Ich will achtmal auf dem Podium stehen. Von acht Siegen zu reden wäre vermessen. Aber acht Podestplätze müssen drin sein", bleibt er dennoch auf dem Asphaltboden. "Das wird mit Sicherheit nicht einfach. Aber andere haben es auch nicht leicht. Und ich traue mir und meinem Team zu, dass wir solch eine Ausbeute packen können."
Der Teamwechsel von BCN zu iSport war Balsam für die Seele des Jungtalents. "Ich habe jetzt ein Auto, von dem ich weiß, dass ich damit jederzeit gewinnen kann. Da macht das Fahren natürlich gleich viel mehr Spaß, und man geht auch mit einer ganz anderen Motivation an die Wochenenden heran." Magny-Cours stand dafür als bestes Beispiel. "Nach unserem erfolgreichen Test in Le Castellet habe ich in den eineinhalb Wochen vor dem Rennen von Magny-Cours immer auf das Rennen hingefiebert. Es verging kein Morgen, an dem ich nicht mit dem Gedanken aufgewacht, am Samstag dieses Rennen starten zu können", gewährt Timo Einblick in sein Seelenleben.
Zu seinem Heimspiel in Hockenheim reiste Timo in zwei Etappen an: "Am Mittwoch fuhr ich zu meinen Eltern, am Donnerstag ging es dann weiter an die Strecke. Meine Eltern wohnen zwar nur 50 Minuten von Hockenheim entfernt. Aber trotzdem wohne ich am Rennwochenende lieber im Hotel vor Ort - zum einen, weil sich zweimal 50 Minuten Fahrtzeit pro Tag auch summieren, wenn man da einen Job zu erledigen hat, zum anderen aber auch, weil man rund um Hockenheim am Grand-Prix-Wochenende immer mit heftigen Staus rechnen muss. Da bin ich lieber schon nahe am Gelände, anstatt da Nerven und Zeit im Stau zu lassen."
Den Hockenheimring kennt Timo noch in seinen beiden Varianten - den alten mit seinen langen Waldgeraden befuhr der Odenwälder ebenso wie die neue Version, die für die Formel 1 grundlegend umgebaut worden war. "Beide Strecken haben ihre Reize. Die alte war natürlich eine Wahnsinnsstrecke, weil du da ewig lange in den Wald rausgedonnert bist. Die neue ist der Moderne angepasst worden. Aber sie ihren Reiz behalten. Man muss einen Kompromiss finden. Das ist auf der neuen Strecke schwieriger als bei der alten. Fahrerisch ist neue nicht mehr so reizvoll, aber der technische Teil dafür umso mehr."Schon für die alte Strecke an der Badischen Spargelstraße galt: Der enge Teil im Motodrom braucht steilere Flügeleinstellungen, als die langen Waldgeraden vertragen. "Aber früher hat es immer einen klaren Schritt in eine Richtung gegeben", relativiert Glock. "Man hat den flachsten Flügel draufgeschraubt, den man hatte, das Auto blank geputzt - und dann ging's raus in den Wald. Durchs Motodrom bist du damals immer irgendwie durchgekommen. Jetzt ist der Kompromiss viel schwieriger zu erreichen. Du brauchst immer noch Topspeed, denn auf der langen Geraden runter zur Parabolica darfst du nicht stehen. Aber es gibt mehr mittelschnelle Kurven als auf der alten Strecke, sodass der aerodynamische Abtrieb wichtiger ist als früher. Das macht es kniffliger, den richtigen Flügelwinkel, die richtige Fahrzeughöhe und die passende Fahrwerksabstimmung zu treffen. Außerdem sind auch die Bremsen stark gefordert. Vor der Haarnadel und der Mercedes-Tribüne geht man richtig hart in die Anker. Entscheidend ist sicher auch die zweite Kurve, bevor es wieder auf die Gegengerade geht. Da brauchst du Traktion." Genau am letzteren Punkt hat das iSport-Team seit dem letzten Rennen in Magny-Cours gearbeitet - nachdem Glock am Sonntag zu wenig Vorwärtskommen moniert hatte.
Hockenheim weist als moderne Rennstrecke asphaltierte Auslaufzonen statt Kiesbetten auf. Das verleitete in den letzten Jahren viele Fahrer - von der DTM bis hin zur Formel 1 - die Auslaufzonen mit in die Ideallinie einzubeziehen, anstatt sie zu meiden. Auch in der GP2 hat sich diese Unsitte eingebürgert. Timo warnt davor: "Nach so einem Ausflug musst du unweigerlich irgendwann wieder zurück auf die Strecke. Dabei überfährst du Absätze am Straßenrand, im ungünstigsten Fall sogar die Randsteine. Dabei versetzt das Auto, und es kann sogar passieren, dass du dir dabei den Unterboden beschädigst."
Für sein Heimspiel erwartet Glock "genau dasselbe wie in Magny-Cours" - also mindestens einen Sieg und eine Top-Platzierung, möglichst zwei Besuche auf dem Treppchen. "Ich habe in Hockenheim schon ein paar Rennen gewonnen. Ich müsste also wissen, wo es da am schnellsten langgeht und wie es funktioniert. Obwohl: Wenn man wieder von neuem an eine Strecke kommt, stellt das immer wieder eine neue Herausforderung dar - egal, wie gut man die Piste eigentlich auch schon kennen mag..."



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