Nach seinem zweiten Platz im Samstagsrennen ließ der 24-Jährige im Sprint am Sonntagmorgen mit einer furiosen Aufholjagd erneut aufhorchen. Glock hätte das Rennen von der siebten Position aus in Angriff nehmen sollen. Doch vor ihm würgte Alexandre Premat auf dem Startplatz seinen Dallara-Mécachrome ab. "Ich hatte meine Hinterreifen in der Einführungsrunde extrem warm gemacht, weil ich am Sonnabend nicht genügend Druck auf den Rädern und beim Start deswegen zu viel Wheelspin hatte. Als dann Premat vor mir stehen blieb und ich in die zweite Einführungsrunde losfahren wollte, klebten meine Reifen schon auf dem Asphalt fest. Ich habe die Haftkraft unterschätzt und das Auto abgewürgt."
Timo musste sich von den Streckenposten anschieben lassen und dem Feld hinterher hecheln. Das Reglement lässt zwar das Einnehmen der ursprünglichen Startposition in solch einem Fall wieder zu. "Aber nur, wenn man das Feld bis zu einer gewissen Linie wieder eingeholt hat. Und diese Linie ist hier sehr früh; sie liegt schon im ersten Sektor. Deswegen musste ich vom letzten Platz starten." Schon in der ersten Ecke überholte Timo sechs Autos. Er kehrte als 15. aus der Startrunde zurück, pflügte sich in der Folge einen Gegner nach dem anderen und arbeitete sich bis auf die sechste Stelle nach vorn. "Links, rechts, oben, unten - ich bin überall an den anderen vorbei gefahren. Das hat richtig Spaß gemacht."
Sein Manager Hans-Bernd Kamps kam an der iSport-Box aus dem Strahlen nicht mehr raus. "In diesem Rennen hat sich die Amerika-Erfahrung von Timo voll bezahlt gemacht", verweist er auf die Saison 2005, als Glock in der ChampCar-Serie fuhr. "Dort hat er Überholen gelernt. Das konnte er heute voll ausspielen. Ein richtig guter Fahrer zeichnet sich dadurch aus, dass er sich auch nach Rückschlägen wieder berappelt und das Beste aus seinen Möglichkeiten macht. Das hat Timo optimal umgesetzt. Was er heute mental aus sich rausgeholt hat, war vom Feinsten."
Im letzten Rennviertel hing Glock hinter Giorgio Pantano, der der letzte Wagen eines D-Zugs von drei Autos war. "Pantano hat einen irrsinnigen Windschatten geschmissen, was bedeutet, dass er mit viel Flügel unterwegs war", fiel Timo auf. "Das hat es nicht einfach gemacht, hinter ihm zu fahren und eine Attacke vorzubereiten. Deswegen bin ich hinter ihm einmal ins Untersteuern geraten. Dann hat die Vorderachse auf einmal wieder gepackt, und das Heck ging schlagartig weg."
Der Dreher warf Glock wieder auf Platz 9 zurück. "Er hat im ersten Sektor fünf Sekunden verloren", zählte tolimit-Renningenieur Frank Rohwer an der Box mit. Doch Timo rappelte sich ein weiteres Mal wieder auf - und arbeitete sich erneut auf den sechsten Platz nach vorn. Den brachte er auch nach Hause. "In der Schlussphase war ich 1,5 Sekunden pro Runde schneller als die Spitze. Ich hätte mit Lewis Hamilton um den Sieg mitkämpfen können; davon bin ich absolut überzeugt. Auf der einen Seite ist es schade, dass mir diese Chance verwehrt blieb. Andererseits habe ich aber nach dem Rennen mitgekriegt, dass vielen Leuten aufgefallen ist, was ich für eine Aufholjagd hingelegt habe. Und das kann mir auch nicht schaden."



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