Jules Bianchi hat einen steilen Aufstieg hingelegt. 2008 wechselte er aus der Formel Renault in die Formel 3 Euro Serie und holte noch in seiner Premiere-Saison den ersten Sieg. Gemeinsam mit dem französischen Top-Team ART Grand Prix ließ Bianchi 2009 nichts anbrennen: scheinbar mühelos fuhr der Franzose zu seinem bisher größten Karriere-Erfolg, sein Vorsprung auf den Vizemeister Christian Vietoris war am Ende beruhigend groß.
Mit dem ersten Saisonerfolg musste Bianchi zwar bis zum dritten Rennen auf dem EuroSpeedway Lausitz warten, danach ging es jedoch Schlag auf Schlag - im wahrsten Sinne des Wortes. Auf dem Norisring folgte der zweite Streich, doch Bianchi musste auch einstecken. Nach der Siegerehrung bekam er von Konkurrent Stefano Coletti ein blaues Auge verpasst - Sportlichkeit sieht anders aus.
Faustschlag von Coletti

Sein Freund und Landsmann Adrien Tambay wollte sich nicht in den Konflikt einmischen, bezog aber deutlich Stellung. "Jules, der für mich nicht nur Teamkollege, sondern auch ein Freund ist, hat mir die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt. Da ich nicht selbst dabei war, kann ich nur folgendes sagen: eine der ersten Sachen, die man als Sportler lernt, ist die Kontrolle über sich selbst", so der Rookie und Sohn von Grand-Prix-Sieger Patrick Tambay. "Eigentlich sollte so etwas gar nicht passieren, egal ob Beleidigungen oder Schläge. So etwas gehört nicht ins Fahrerlager, wir kämpfen höchstens auf der Strecke und im Auto gegeneinander."
Der Zwischenfall in Nürnberg und die konstanten Leistungen von Christian Vietoris schreckten Bianchi jedoch nicht ab. Das wohl beste Wochenende erlebte der junge Franzose, der erst kürzlich für Ferrari einen Formel-1-Test absolvieren durfte, in Zandvoort. Er holte sich nicht nur die Pole, sondern auch beide Rennsiege - vor ihm schaffte das lediglich Sebastian Vettel.
Strafenhagel in Oschersleben
"Unser Auto hat an diesem Wochenende einfach perfekt funktioniert und wir hatten die beste Symbiose zwischen Fahrer und Wagen", berichtete der spätere Meister damals, hatte seine Gegner aber weiterhin fest im Blick. "Bottas darf man nie unterschätzen, auch Merhi ist normalerweise sehr gut, er war nur an diesem Wochenende etwas schwächer. Und die beiden Mücke-Fahrer Vietoris und Bird sind immer für ein tolles Ergebnis gut."

Abgesehen von einer Nullrunde in Brands Hatch punktete Bianchi in der Folge in allen Rennen. Insgesamt gewann der 20-Jährige im Laufe der Saison neun von 20 Rennen.
Das kurioseste Rennen erlebte die Formel 3 Euro Serie wohl in Oschersleben. "In 36 Jahren Motorsport habe ich so etwa noch nicht erlebt. Wir dachten erst, dass die Zeitentabelle spinnt", erinnerte sich Teamchef Peter Mücke, dessen Schützling Christian Vietoris völlig überraschend gewann, nachdem fast alle Gegner eine Durchfahrtsstrafe kassierten. Letztlich wurde der Gerolsteiner immerhin mit der Vizemeisterschaft belohnt, direkt hinter ihm landete Valtteri Bottas, der außerdem die Rookie-Wertung für sich entschied.

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