Natürlich blicken die Motorsport-Fans derzeit auf den Titel-Schlagabtausch in der Formel 1. Aber auch in der Formel 3 EuroSeries geht es in den kommenden Wochen um die Wurst - und dabei mindestens genauso eng und spannend zu wie zwischen Michael Schumacher und Fernando Alonso.

"Auch wenn das Sonntagsrennen schlecht war, hat Sebastian Vettel an diesem Wochenende acht Punkte aufgeholt", sieht motorsport-magazin.com-Experte Sven Heidfeld das Barcelona-Wochenende nicht als Niederlage für den deutschen Titelanwärter. "Bei ausstehenden vier Läufen sind vier Punkte Rückstand nicht weltbewegend - da ist noch alles drin", betont Sven.

Dennoch kann Sebastian mit dem zweiten Lauf auf der Kurzanbindung in Barcelona nicht zufrieden sein. "Am Samstag hat er einen super Job gemacht." Und das auch aus eigener Kraft. Bei seiner letzten Regenaufholjagd in Zandvoort assistierte ihm seine goldrichtige Reifenwahl - diesmal waren es seine fahrerischen Qualitäten, die ihm den Sieg einbrachten. "Er hätte auch gewonnen, wenn Paul di Resta nicht für seinen Frühstart bestraft worden wäre", analysiert Sven, der allerdings auch hinzufügt: "In der Wiederholung sah es nicht wie ein Fehlstart aus, aber dafür gibt es ja die Elektronik. Für Vettel war das auf jeden Fall Gold wert. Am Sonntag hatte er dann aber Pech mit dem Crash - das kann passieren."

Insgesamt sieht sich Sven mittlerweile fest in seiner Vorhersage bestätigt: "Die Formel 3 EuroSeries ist in diesem Jahr härter als im letzten Jahr." Gab es damals mit Lewis Hamilton einen Überflieger und vielleicht noch ein, zwei Top-Fahrer, seien es jetzt deren sieben oder sogar noch mehr. Am Ende kämpfen jedoch nur zwei um den Titel - nur Kohei Hirate hat noch theoretische Chancen. Aus Sicht von Sven ist der Titelgewinn für Sebastian Vettel aber nicht alles entscheidend. "Wichtig ist für mich, dass Sebastian im Trockenen und Nassen Rennen gewinnt und unter die besten Drei kommt", so Sven. "Dann hat er die Saison mit Bravour abgeschlossen."

In den kommenden sechs Wochen stehen für ihn ganze sechs Rennwochenenden auf dem Programm - also Reisestress pur! "Dabei kann er sich schon einmal an den Stress gewöhnen, wenn er eines Tages F1 fahren sollte, dann gibt es noch mehr Reisestress mit Tests nach den Überseerennen und so weiter", sagt Sven. "Aber er sagt ja selbst: Es ist positiver Stress."

Wohin das führen kann, sahen wir in der letzten Woche bei den Testfahrten in Silverstone: Mit Alex Premat, Adrian Valles, Lewis Hamilton, Nelson Piquet jr und Heikki Kovalainen waren gleich fünf GP2-Sprößlinge aktiv. Hinzu kommen im aktuellen Fahrerfeld noch Nico Rosberg, Michael Ammermüller, Neel Jani, Scott Speed & Co. "Wann gab es zuletzt fast 10 Formel 3000-Fahrer als Stamm- oder Testfahrer in der Formel 1?", fragt Sven und weist damit auf den erhöhten Stellwert der neuen Nachwuchskategorie Nummer 1 hin. Allerdings spinnt er den Faden noch weiter - und lobt damit auch die Formel 3 EuroSeries: "Es ist Wahnsinn, wie viele GP2-Fahrer letzte Woche in Silverstone gefahren sind, aber wenn wir noch weiter gehen, dann sind das auch lauter Ex-Formel 3-Fahrer."