Es ist nicht leicht, nach oben zu kommen. Wenn es einem dann aber auf der Zwischenstation auch noch zusätzlich schwer gemacht wird, dann ist es doppelt schwer. Dominik Schraml hat mitten in der Saison den Sprung von der deutschen Formel 3 Meisterschaft in die F3 EuroSeries gewagt und darf nun die Wirren so eines Wechsels erleben. Nachdem er zuvor noch in einem aktuellen Formel-3-Boliden unterwegs war, muss er nun mit einem Auto der vorherigen Entwicklungsstufe starten, mit dem er in der Trophy-Wertung der EuroSeries um Siege fährt.
"Das ist schwierig, weil ich das Auto nicht kenne und keinen Test gehabt habe", sagt Schraml. Denn zwischen den Rennen herrscht Testverbot, außer es gibt eine spezielle Genehmigung. Seit seinem Einstieg in die prestigeträchtige Nachwuchsserie waren die Abstände zwischen den Läufen aber zu kurz, um überhaupt an das Testen zu denken. Zwar ist sein Wagen den aktuellen Fahrzeugen sehr ähnlich, doch ein neues Gefährt braucht eben immer auch eine Phase des Kennenlernens, um das Limit auszutesten.
Vom technischen Verständnis her ist das für den jungen Bayern kein Problem, denn da hat er ausreichende Kenntnisse. So erzählt er auch gleich, was an seinem Wagen zu beachten ist. Besonders wichtig ist dabei einmal das Lenkrad, wo er auf einem Display Informationen wie Drehzahl, Gang und Rundenzeiten ablesen kann. "Da kann ich immer gleich sehen, ob eine Runde gut oder schlecht ist und kann sie nötigenfalls abbrechen, um die Reifen abzukühlen", meint Schraml.
Mittels eines sequenziellen Sechsgang-Getriebes schaltet er rauf und runter. Dadurch kann er beim Raufschalten ständig voll auf dem Gas bleiben und muss sich nur mittels Zündunterbrecher beim Schalten für eine kurze Zeit etwas Vortrieb nehmen. "Die Kupplung brauchen wir nur generell zum Losfahren, beim Start und an der Box", erzählt der junge Fahrer.
Knapp oberhalb des Schalthebels findet sich der Bremskraftversteller, der eigentlich vor jeder Kurve bedient werden kann, um richtig in den Turn hineinzukommen. Denn nicht immer ist ein harter Bremsvorgang auch der richtige. Sollte doch einmal etwas schief gehen, sich der Wagen drehen und vielleicht der Motor ausgehen, dann haben die Formel-3-Autos eine eigene Zündung an Bord. "Mit der Batterie, die wir an Bord haben, kann man bis zu drei Mal starten. Normalerweise wird der Wagen aber per Fremdstart angelassen. Wir haben die Batterie aber verpflichtend mit, damit wir das Auto wieder anlassen können, falls etwas passiert", sagt Schraml. Das zusätzliche Gewicht der Batterie ist übrigens kein Problem, da ohnehin ein Mindestgewicht von 550 Kilogramm vorgeschrieben ist.
Angetrieben wird die ganze Last von einem zwei Liter Opel Motor mit 220 PS. Dazu sagt Schraml: "Es gibt zwei Varianten des Motors. Einen langen schweren und einen kleinen leichten. Wir haben den kleinen und leichten, weil der vom Fahrzeugverhalten besser ist. Er hat weniger Gewicht und einen tieferen Schwerpunkt." Die nötige Luft erhält die Maschine durch die Airbox, die in der Formel 3 an der Seite des Fahrzeuges angebracht ist und wie ein kleines Düsentriebwerk aussieht. Die Größe des Lufteinlasses ist streng reglementiert, damit niemand einen Vorteil hat.
Auch streng vorgeschrieben ist das Rücklicht. Das ist aber nicht in der Leistung der Fahrzeuge begründet. "Wir haben so viel Downforce, dass es im Regen eine riesige Gischt hinter den Fahrzeugen gibt", nennt Schraml den Grund für das Rücklicht. Der Abtrieb sorgt aber nicht nur für Gischt, sondern auch für wahnsinnige Kurvengeschwindigkeiten, an die man sich erst gewöhnen muss. "Das war am Anfang eine schwierige Umstellung. Wenn ich da mit 174 km/h durch eine Kurve bin und am Limit war, dann hat man mir gesagt, ich soll noch schneller durch, weil das Auto dann besser liegt", erzählt Dominik Schraml von seinen ersten Erfahrungen in einem Formel-3- Rennwagen.
Auch von der Sicht ist so ein Rennwagen gewöhnungsbedürftig. "Wenn man drinsitzt, dann sieht man den Vorderreifen, das reicht. Die Schnauze sieht man gar nicht. Das hat man im Gefühl - oder auch nicht. Das sieht man, wenn es kracht", weiß Schraml.
Er hat es bislang ganz gut im Gefühl gehabt, sonst wäre er nicht bis in die Formel 3 EuroSerie gekommen. An diesem Wochenende zeigte er auf dem Norisring, dass er nicht nur den Touch, sondern auch den Speed hat. Am Samstag hatte er im ersten Rennen eigentlich den Sieg in der Trophy-Wertung eingefahren, wurde aber nachträglich disqualifiziert. Die Gründe: Weil er über eine Bodenwelle gefahren war, hatte sich ein Teil an der Unterseite des Autos verformt und passte um einen Millimeter nicht mehr in das Messinstrument der Stewards. Außerdem soll er falsches Benzin im Tank gehabt haben. Eigentlich waren aber nur ein paar Tropfen eines anderen Sprits im Tank verblieben, weil ein anderer Fahrer eine Woche zuvor in einem anderen Bewerb mit dem Wagen unterwegs war. Diese Kleinigkeit reichte aber schon, um bei der Spritkontrolle durchzufallen. Im zweiten Rennen musste Schraml dann vorzeitig mit einem Problem in den Boxen aufgeben. Bis dahin hatte er sich aber schon wieder ein paar Plätze im Feld nach vorne gearbeitet.
Damit ist für den jungern Bayern der Zug in der Trophy-Wertung leider schon abgefahren. Das wird ihn aber nicht daran hindern, auch weiter Gas zu geben. Schließlich kann er auch mit guten Ergebnissen zeigen, dass ihn die Wirren des Wechsels nicht langsamer gemacht haben.

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