Ich muss ehrlich sagen, ich war ein bisschen überrascht auf dem Nürburgring. Zwar kenne ich die Strecke sehr gut, aber das Wochenende hat schon in den freien Trainings sehr gut für mich begonnen. Ich habe gleich mit einer Bestzeit angefangen und eineinhalb Zehntel Vorsprung gehabt. Das Auto hat sich gleich sehr gut angefühlt und damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet. Anscheinend hat das Team in den drei Wochen Pause einiges gefunden und am Setup verändert. Ich konnte gleich ans Limit gehen und über das Training haben wir dann noch ein paar Kleinigkeiten am Auto umgestellt. Das Auto war besser als noch vor drei Wochen. Das spricht schon dafür, dass wir ein gutes Basissetup gefunden haben. Das Team und ich, wir lernen zwar immer noch dazu, aber jetzt scheinen wir konkurrenzfähig zu sein. Ein oder zwei Zehntel sind vielleicht noch zu finden. Ich bin gut dabei und ich bin zuversichtlich, dass es vielleicht noch ein bisschen besser wird.
Es hat einfach Spaß gemacht und im zweiten freien Training waren wir mit zwei Zehnteln vorne. Deswegen war ich für das Qualifying auch positiv gestimmt und vielleicht waren wir da schon ein bisschen zu cool. Wir haben die Hälfte der Zeit verstreichen lassen und sind erst dann hinaus gefahren. Auf meiner ersten schnellen Runde habe ich die Schikane etwas zu stark geschnitten und innen einen Poller getroffen, der dort für die LKW stand. Dabei ging mir der Frontflügel verloren und ich musste zurück an die Box. Da dachte ich schon, es sei gelaufen, aber mein Team hat wirklich sehr schnelle Arbeit geleistet und es waren schließlich noch zwei Minuten auf der Uhr, weswegen ich noch eine schnelle Runde fahren konnte. Da habe ich dann alles zusammengenommen, mich voll konzentriert und es hat für die Pole Position gereicht.
Leider gab es dann ein kleines Hickhack deswegen. So hieß es nach eineinhalb Stunden von der Rennleitung, ich hätte meine Runde unter gelb gefahren, womit ich die Pole zunächst wieder los war. Später konnten wir aber nachweisen, dass die Gelbphase kurz vor meiner Fahrt wieder aufgehoben wurde. Dadurch hatte ich die Pole dann wieder.

Im ersten Rennen kam mir leider wieder die Schikane in den Weg. Ich hatte einen guten Start und konnte meine Spitzenposition verteidigen. Ich war nach einer Runde auch schon 0,7 Sekunden vorne, wollte in der zweiten aber noch eins drauf setzen und habe in der Schikane den gleichen Bremspunkt wie im Qualifying gewählt. Der hat mit den noch nicht ganz warmen Reifen aber nicht gepasst. Durch einen Blick in den Spiegel habe ich mich auch noch ablenken lassen und es hat leider nicht hingehauen. Ich musste mich drehen, das aber gleich um 360 Grad, das hat nicht allzu viel Zeit gekostet. Ich musste nur zwei Gänge runterschalten und bin sofort weitergefahren. Da es aber noch so früh im Rennen war und das Feld noch eng beisammen lag, bin ich auf Position fünf durchgereicht worden. Von dort konnte ich nicht mehr viel gutmachen, weil man in der Formel 3 in den schnellen Kurven nicht so dicht auffahren kann. Da ist gleich viel vom Abtrieb weg und man hat Untersteuern.
Der fünfte Platz war natürlich schade. Ich hätte gerne mehr herausgeholt, vor allem für das Team, das wirklich tolle Arbeit geleistet hat. Der Sieg wäre wohl drin gewesen, das Podest ziemlich sicher. Am Sonntag habe ich deswegen noch einmal Gas gegeben und das Auto hat sich wirklich super angefühlt. Im Qualifying hatte ich auch eine sehr gute Runde und dachte, die passt, aber der Carlo van Dam hat noch ein bisschen mehr rausgequetscht. Wir waren aber sieben Zehntel vor dem Dritten, weswegen man sagen kann, dass wir beide dem Rest des Feldes schon etwas voraus waren. Im Qualifying ist Carlo nur sehr schwer zu packen. Auf die eine Runde ist er nahezu unschlagbar. Meine Ausgangsposition war trotzdem gut.
Da ich wusste, wie schwer es ist, zu überholen, wollte ich gleich am Anfang meine Chance suchen. Geglückt ist es mir sofort am Start. Ich hatte meine Reifen gut warm gefahren, hatte eine gute Reaktion und konnte mich sofort an die Spitze setzen. Von da an, habe ich das Rennen nachhause fahren können. Nach vier Rennen auf dem Dallara kann ich deswegen eine sehr positive Bilanz ziehen. Drei Mal war ich auf dem Podium, ein Mal konnte ich den Sieg holen - vielleicht wäre das ohne den Dreher sogar zwei Mal möglich gewesen. In der Meisterschaft ist für mich trotz der 29 Punkte Rückstand auf van Dam noch alles drin. Wir haben noch nicht einmal die Hälfte der Saison hinter uns. Es kann noch viel gesehen und wie wir gesehen haben, ist Carlo van Dam auch nur ein Mensch. Am vorigen Nürburgring-Wochenende hat er auch einen Fehler gemacht und in einem Rennen nur einen Punkt geholt. Noch so ein Fehler und dann könnten mir nur mehr 20 Punkte fehlen.
Wir haben jetzt auch ein gutes Auto, bei dem das Setup mehr oder weniger steht und mir wäre es am liebsten, wenn die Rennen auf dem Lausitzring schon nächste Woche sind, aber leider sind drei Wochen Pause. In der Zwischenzeit werde ich trainieren und habe auch Testmöglichkeiten. So werde ich im BMW Pitlane Park im Rahmen der Formel 1 auf dem Nürburgring unterwegs sein, dann habe ich einen Fitness-Test und auch bei der Speed-Academy gibt es was zu tun. Lieber würde ich aber im Auto sitzen.

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