Hätte Thierry Sabine im Dezember 1978 einen kurzen Blick in die Zukunft erheischen dürfen, er hätte diese wilde Rallye von Paris nach Dakar, die er da gerade veranstaltete, wohl nicht einfach "Paris-Dakar" genannt. Vielleicht hätte er sie eher "wilde Rallye" getauft oder vielleicht ein bischen mystisch "Das letzte echte Abenteuer". Auch gut gepasst hätte "Kreuz und Quer Durch Afrika". In jedem Fall hätte der Name der Rallye bis heute beibehalten werden können, ohne dass es zu Missverständnissen gekommen wäre. Denn weder Paris noch Dakar gehörten in der Folge immer zu den Etappenorten der wilden Rallye beziehungsweise des letzten Abenteuers.
Die ersten dreizehn Jahre verlief noch alles in geordneten Bahnen - so weit man das von einer wilden Rallye über knapp 10.000 km fernab von so etwas wie Zivilisation überhaupt sagen kann. Doch zumindest starteten die Piloten in Paris. Von der französischen Mittelmeerküste ging es dann mit der Fähre nach Algerien, später nach Tunesien oder Syrien. In Afrika angekommen, fing das letzte echte Abenteuer erst richtig an: durch die Sahara in Richtung Südwesten mit dem Ziel, irgendwie bis zur senegalesischen Hauptstadt durchzukommen. Paris-Dakar eben.

Doch Anfang der 90er stagnierte die wilde Rallye. Die Teilnehmerzahlen sanken kontinuierlich und mit ihnen das Interesse der Medien. Etwas neues musste her. Und so verlegte man das Ziel 1992 kurzerhand an die Südspitze Afrikas. Aus Paris-Dakar wurde Paris-Kapstadt. Der Weg führte auf einmal nicht mehr wie üblich durch den Nordwesten Afrikas. Stattdessen mussten die Teilnehmer den riesigen Kontinent komplett durchqueren. Der Gegensatz zwischen Saharawüste im Norden sowie Tropen und Subtropen im Süden verliehen dieser Dakar ohne Dakar eine besondere Note. Mit der zentralafrikanischen Republik, Kamerun, Gabun, Kongo, Angola, Namibia und dem Zielland Südafrika wurden sieben Länder erstmals Zeuge der wilden Rallye – und auch das einzige Mal. Denn motorsportlich war der Trip ans Kap der guten Hoffnung eher enttäuschend. Auf den engen Pisten im Süden konnte kaum überholt werden.
So kehrte die wilde Rallye im folgenden Jahr wieder zu ihrer klassischen Route mit Ziel in Dakar zurück. Allerdings ging es nun nicht mehr über Algerien oder Tunesien sondern via Spanien und Marokko in Richtung Senegal. 1995 traf es dann den Ort, von dem ausgehend alles begann. Anstelle von Paris startete die wilde Rallye in Granada. Und der Verzicht auf die französische Hauptstadt sollte von nun an eher die Regel als die Ausnahme werden. Bis heute startete der Tross nur noch vier Mal von hier in die Wüste. 2003 wurde sogar weder Dakar noch Paris angesteuert. Stattdessen machte man sich über Spanien und Tunesien auf ins ägyptische Scharm-El-Scheich an der Grenze zu Arabien.
Abgesehen von dieser Ausnahme wurde Dakar jedoch weitgehend verschont. 1997 war die senegalesische Hauptstadt sogar Start- und Zielort. Auch 2000 wurde die wilde Rallye in Dakar gestartet, allerdings musste die Sahara diesmal in Richtung Osten bis nach Kairo durchquert werden. Der Bedeutungsverlust von Paris wurde dagegen auch im offiziellen Namen der wilden Rallye spürbar. Mittlerweile wird nur noch von der "Rallye Dakar" gesprochen.
Bis heute war das Rennen schon in 21 von 53 afrikanischen Ländern zu Gast. Dieses Jahr wird übrigens eine sehr klassische Route gefahren. Marokko, Mauretanien und Mali sind allesamt alte Bekannte der Rallye Paris-Dakar, beziehungsweise der Dakar. Doch egal wo die wilde Rallye Station machte - für die Piloten wurde sie jedes Mal aufs Neue zum letzten echten Abenteuer.

diese Dakar Rallye Hintergrund