Er hat das Roadbook und die Karte und weiß so wo es langgeht – jedenfalls meistens. Außerdem können vier Hände manchmal mehr bewirken als zwei. Das gilt vor allem, wenn sich das Rennfahrzeug mal eingesandet hat und schaufeln angesagt ist. Oder der noch schlimmere Fall, wenn es einen Schaden am Auto gibt und der Reifen oder ein Ersatzteil gewechselt werden muss. Das macht den Beifahrer zum beinahe unersetzlichen Begleiter.
Ein großer Unterschied zur Straßen-Rallye. Das bestätigt auch Tina Thörner die Beifahrerin von Jutta Kleinschmidt auf ihrer Internetseite: "Der Unterschied ist folgender: In einer Rallye muss man den richtigen Grad jeder Kurve aufzeichnen und zusehen, dass die Maße zwischen den Kurven stimmen. Fährt man einen Rallye-Wagen in einem Wüstenrennen, ist es von größter Bedeutung, zu wissen, wo man ist und dann dem nächsten Punkt auf der Karte zuzusteuern." Sonst hat man sich schnell verfahren oder bleibt im Sand stecken.

Doch der Job des Beifahrers bei der Dakar erfordert viel Vorbereitung. Sobald die Dakar-Organisation die ersten Informationen herausgibt, setzen sich die Co-Piloten zu einer teaminternen Navigationswoche zusammen und versuchen den spärlichen Informationen und Gerüchten auf einer Karte ein Gesicht zu geben. Dabei fließen auch Erfahrungen und vorhandene Daten aus den vergangenen Jahren mit ein. Das hilft nicht nur den Co-Piloten, sich ein erstes Bild von der Rallye zu machen, sondern auch dem Rest des Teams. "Das machen wir, um den Fahrer darauf vorzubereiten, was ihn erwarten könnte", erklärt Dirk von Zitzewitz: "Vor allem auch, um dem Team eine Idee zu geben und damit die Möglichkeit zu planen. Wie viel Diesel wir brauchen, wie viel Reserveräder an welchen Tagen?"
Die Co-Piloten schwelgen bei diesen Sitzungen auch in Erinnerungen, um sich Streckenteile und dortige Probleme wieder ins Gedächtnis zu rufen. Von Zitzewitz überlegt dann: "Wo bist du da damals langgefahren, an dem Tag hattest du die und die Schwierigkeiten. Da habe ich den Weg nicht richtig gefunden. Weißt du noch Michel [Perin], Dakar 97, die und die Etappe. - Ja, weiß ich, da und da bin ich falsch gefahren, da musst du so und so fahren." Kurz vor Weihnachten aktualisiert die Dakar-Organisation die Texte und Karten im Internet und gibt dabei weitere Informationen preis. Daraufhin setzten sich im neuen Jahr die Co-Piloten erneut zusammen.

Diese Vorbereitungen helfen den Beifahrern auch während der Rallye einige Stunden Zeit zu sparen. Sie bekommen erst am Abend jedes Rallyetages das Roadbook und damit die genaue Route für den nächsten Tag. Damit wird vor Ort die Karte aktualisiert, die bereits Zuhause vorbereitet wurde. Eine große Erleichterung für die Beifahrer, die eh schon Stunden an der Vorbereitung und Individualisierung des Roadbooks sitzen. Die Individualisierung ist bei jedem Beifahrer anders. Je nachdem welche Informationen für ihn wichtig sind und wie ausführlich sein eigenes System ist. So spielt auch die Vermittlung der Informationen an den Fahrer eine große Rolle. Welche Infos braucht er überhaupt? Darüber müssen sich die Co-Piloten schon im Vorfeld Gedanken machen, um auf den Etappen keine Zeit zu verlieren. Auch hier gibt es unterschiedliche Herangehensweisen: Bei dem Duo Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz geht der Beifahrer alleine das Roadbook durch. "Es gibt Stellen, an denen du in kurzer Zeit sehr viele Informationen hast und die übe ich wie ich sie meinem Fahrer erzähle, um zu merken, mit welchen Formulierungen ich ein Problem habe und was vielleicht missverständlich sein kann", so der Co-Pilot aus dem Team Volkswagen Motorsport: "Es muss simpel sein und er muss es einfach verstehen." Jutta Kleinschmidt und Tina Thörner setzen sich hingegen jeden Abend zusammen. "Wir sprechen viele Sachen ab, von denen ich glaube, dass sie wichtig sind und von denen sie glaubt, dass sie wichtig sind", erklärt Kleinschmidt: "Wenn irgendwelche Unklarheiten schon im Roadbook sind, was Zeichen und anderes angeht, ist es gut, dass man darüber schon vorher gesprochen hat und nicht erst im Auto."
Nicht nur auf den Etappen verlässt sich der Fahrer voll und ganz auf den Beifahrer. "Wir haben einen festen Zeitplan und ich muss sehen, dass wir den einhalten", erzählt Dirk von Zitzewitz, Beifahrer von Giniel de Villiers: "Ich muss dann auch meinen Fahrer suchen und ihn antreiben, dass er auch wirklich rechtzeitig fertig ist. Die Fahrer verlassen sich da voll auf die Beifahrer, die gucken nicht auf die Uhr." Die Beifahrer sind während der Etappen auch nicht nur für die Navigation zuständig. Gibt es Probleme mit dem Rallyefahrzeug, wie zum Beispiel Motoraussetzer und unbekannte Geräusche, werden diese im Roadbook notiert. Nach der Ankunft in Biwak geht er dies zusammen mit den Technikern und Fahrern noch mal durch. Zudem essen Fahrer und Beifahrer auch über den Tag. "Ich habe eine Tasche neben meinem Sitz mit einigen "Power-Sachen" drin", erzählt Dirk von Zitzewitz.

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