Ohne das Roadbook wären die Teilnehmer verloren. Schließlich gibt es bei der Dakar keine abgesperrten Straßen und technische Hilfsmittel sind auch nicht erlaubt. Auch das Roadbook gibt es erst abends vor der nächsten Etappe. Damit ist ein "Training" wie bei den Straßenrallyes nicht möglich. Dabei haben es die Fahrer von Rennfahrzeugen und Trucks noch einfach, da sie diese Aufgabe an ihren Beifahrer abgeben können. Die Motorradpiloten müssen fahren und gleichzeitig noch das Roadbook beachten.
Einen Monat sitzen die Organisatoren an der Erstellung des neuen Roadbooks. Jedes Jahr im Oktober wird ein zehn Mann starkes Team in die Wüste geschickt. Wüsten- und Enduro-Experten sind in vier Autos, einem Truck und einem Motorrad unterwegs. Der erste Wagen fährt die Route ab, während der zweite Pkw ein bis zwei Kilometer dahinter folgt. Die Insassen schreiben sich die nötigen Informationen auf, um das Roadbook später zu erstellen. Ein Fahrzeug kümmert sich um die Route der Servicefahrzeuge.
Doch das Roadbook liest sich nicht wie ein normaler Roman. Es enthält Distanz- und Richtungsangaben und Orientierungspunkte, wodurch die Fahrer wissen, welchen Weg sie nehmen müssen. Diese Punkte bestehen allerdings gerne auch mal aus zufällig erscheinenden Gegenständen oder Naturzuständen, zum Beispiel "am halb eingegrabenen Reifen links". Das Roadbook wird von einem Experten von der Dakar-Organisation einige Zeit vor der Dakar angefertigt, wodurch sich bis zur Rallye auch noch Änderungen ergeben können. "In unserem Roadbook war an einer Stelle eine Brücke eingezeichnet. Doch als wir dort ankamen, sahen wir nur noch die Trümmer im ausgetrockneten Flussbett liegen", erzählt Jutta Kleinschmidt. "Dann mussten wir eben den Umweg durch das Flussbett nehmen."

Die Co-Piloten sitzen während der Rallye jeden Abend mehrere Stunden zusammen und individualisieren sich ihr Roadbook. Sie versuchen sich dadurch die Informationen schneller lesbar zu machen. "Du versuchst rauszulesen, welche Informationen besonders wichtig sind. Welche mehr für dich wichtig sind, welche weniger für den Fahrer und du überlegst, was du ihm erzählst und was nicht", erklärt Dirk von Zitzewitz. Dabei hat jeder Beifahrer sein eigenes System. "Ich benutze bis zu vier Farben", so Von Zitzewitz weiter. "Ich glaube, mein Kollege Michel, der spielt mit bis zu acht Farben rum. Da hat auch jeder seine eigenen Prioritäten. Ich würde sagen, ich habe da ein simpleres System." Trotzdem sitzt der Beifahrer von Giniel De Villiers immer noch vier bis fünf Stunden über dem Roadbook.
Zudem versuchen die Beifahrer, die Informationen, die sie aus dem Roadbook herauslesen, auf einer Karte sichtbar zumachen. Diese Karte haben sie bereits zuhause vorgearbeitet und optimieren sie vor Ort. Die Co-Piloten versuchen das Roadbook schon vorab zu "lesen", um dann auf der Strecke nicht ins Stocken zu geraten.
Die Rennfahrzeuge haben zwar ein eingebautes GPS-System, das ist aber eher ein technisches Hilfsmittel für die Rennleitung, die damit die Teilnehmer kontrolliert. Besonders Temposündern in Ortschaften versucht man damit auf die Schliche zu kommen. Lediglich wenn ein anzufahrender versteckter Wegpunkt bis auf drei Kilometer erreicht wird, zeigt ein Pfeil die zu fahrende Richtung an. Wird der Wegpunkt bis auf 200 Meter – in Ortschaften 90 Meter – erreicht, zeigt das Display eine Bestätigung und die Anzeige erlischt. Zwischen den Wegpunkten dient das GPS-System lediglich als Kompass.
Dieses Jahr wurden neue zusätzliche "Way Point Eclipse" eingeführt, die den Teilnehmern auf besonders schwierigen Etappen die Navigation erleichtern sollen. Sie zeigen ab einem korrekt erreichten Wegpunkt zumindest die Richtung zum nächsten versteckten Punkt an. "Eine richtige Entscheidung", erklärt Michel Périn, Beifahrer aus dem Team Volkswagen Motorsport. "An sehr schweren Tagen vermeidet dieser zusätzliche Anhaltspunkt, dass die Teilnehmer lange in der Wüste herumirren, um einen versteckten Wegpunkt zu finden." Sollte sich ein Pilot wirklich komplett verfahren haben, gibt es einen Code, der das GPS freigibt und den Fahrer nach Hause lotst. Natürlich ereilt diesen Fahrer eine harte Strafe, die bis zum Ausschluss führen kann.
Zudem eignet sich das Roadbook auch hervorragend als Notizblock. Auffälligkeiten oder Probleme während den Etappen werden von den Co-Piloten notiert. Dadurch können bei einem späteren Briefing Schwierigkeiten standortgenau wiedergegeben werden.

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