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Dakar Rallye

Französische Regierung sprach sich für Dakar-Abbruch aus

Die Rallye Dakar wird einmal mehr zum Politikum. Frankreich will sich nach einer Explosion selbst ein Bild von der Lage machen.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Die französische Politik könnte bei der Rallye Dakar intervenieren. Kurz vor Neujahr ereignete sich im Startort Jeddah eine Explosion bei einem Begleitfahrzeug, bei der Dakar-Teilnehmer Philippe Boutron schwer verletzt wurde. Die Regierung Frankreichs will einen Terroranschlag nach wie vor nicht ausschließen, weshalb man nun Ermittler nach Saudi-Arabien schicken will.

Der französische Dakar-Veranstalter ASO und die saudische Regierung hatten zuletzt betont, dass es keine Hinweise auf einen Anschlag gebe. Davon will sich Frankreich nun aber selbst überzeugen, wie Außenminister Jean-Yves Le Drian im TV-Sender BFM betonte: "Wir verlangen so viel Transparenz wie möglich. Deshalb wurde die Sache der nationalen Anti-Terror-Behörde übergeben. Die Situation ist, dass es womöglich eine Terrorattacke gegen die Dakar gegeben hat."

In Gesprächen mit der ASO soll Frankreichs Politik sogar auf einen Abbruch der Rallye gedrängt haben, wie der Außenminister zugibt: "Der Veranstalter hat sich dazu entschieden weiterzumachen. Aber die Frage liegt noch immer auf dem Tisch." Wie die Offiziellen in Zusammenarbeit mit FIA und den saudischen Behörden bereits vor einigen Tagen bekanntgaben, wurden allerdings die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Dakar-Tross erhöht. "Es gab schon früher in Saudi-Arabien Terrorattacken gegen französische Interessen", goss der Außenminister Öl ins Feuer.

ASO zwischen den Stühlen

Für Veranstalter ASO ist diese Auflage der Rallye Dakar eine der wichtigsten der Geschichte, bildet sie doch den Auftakt einer engeren Zusammenarbeit mit dem Automobil-Weltverband FIA und dem Motorrad-Weltverband FIM. Die Dakar ist zum ersten Mal Teil der jeweiligen Rallye-Raid-Meisterschaften, die zum ersten Mal als "World Rally Raid Championship" sogar das WM-Prädikat bekommen. Zuvor war die Rallye Dakar stets nur ein Einzelevent, das zu keiner Meisterschaft zählte.

Im Konflikt zwischen französischen und saudischen Behörden sitzt die ASO zwischen den Stühlen. Einerseits spült Saudi-Arabien für die Austragungsrechte jede Menge Geld in die Kassen des Veranstalters, andererseits muss sich die ASO auch um ein ausgezeichnetes Verhältnis zur französischen Politik bemühen. Denn neben der Dakar richtet die ASO die Tour de France sowie weitere wichtige Radrennen in dem Land aus.

Die Rallye Dakar wird dadurch wieder einmal zum Politikum.