Wenn die Temperaturen fallen, beginnt für Autofahrer die wohl anspruchsvollste Zeit des Jahres. Rutschige Straßen, Frost, Schnee und Salz fordern nicht nur die Nerven, sondern auch das Fahrzeug. Wer sein Auto rechtzeitig auf die kalte Jahreszeit vorbereitet, spart nicht nur Ärger, sondern auch bares Geld. Ein Leitfaden, wie Sie ohne böse Überraschungen durch den Winter kommen.
Winterreifen: Pflicht oder Empfehlung?
In vielen Ländern Europas gelten klare Regeln. Österreich schreibt beispielsweise ab dem 1. November bis 15. April eine situative Winterreifenpflicht vor, in Skandinavien sind die Vorschriften oft noch strenger. In Deutschland hingegen gilt: Winterreifen sind nur bei winterlichen Straßenverhältnissen vorgeschrieben. Wer mit Sommerreifen auf Schnee oder Eis erwischt wird, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern auch Punkte in Flensburg – und im schlimmsten Fall Probleme mit der Versicherung.
Ein häufiger Fehler: zu langes Warten mit dem Wechsel. Eine Faustregel lautet „von O bis O“ – also von Oktober bis Ostern. Winterreifen bieten dank spezieller Gummimischung mehr Grip bei Kälte und verkürzen die Bremswege erheblich. Wichtig: Profiltiefe regelmäßig kontrollieren (mindestens 1,6 mm sind vorgeschrieben, empfohlen werden 4 mm) und den Reifendruck anpassen.
Moderne Winterreifen müssen mit dem „Schneeflockensymbol“ (Alpine-Symbol) gekennzeichnet sein. Das alte M+S-Zeichen reicht seit 2018 nicht mehr aus; in Deutschland läuft die Übergangsfrist dafür Ende 2024/25 aus.
Wer im Winter ins Ausland fährt, sollte sich genau informieren: In Italien gilt in Regionen wie Südtirol Winterreifenpflicht, in Frankreich schreibt die „Loi Montagne“ seit 2021 Winterausrüstung in vielen Bergregionen vor. In der Schweiz gibt es keine explizite Pflicht – allerdings riskieren Fahrer bei einem Unfall mit Sommerreifen Teilschuld.
Frostschutz: Lebensversicherung für Motor und Sicht
Ein zu niedriger Kühlmittelstand kann zum Motorschaden führen. Deshalb unbedingt prüfen, ob der Schutz bis mindestens -25 Grad Celsius reicht. Gleiches gilt für die Scheibenwaschanlage: Frostschutzmittel verhindert, dass Pumpen und Düsen einfrieren und sorgt dafür, dass man auch bei Salz und Schneematsch freie Sicht behält.
Türdichtungen & Schlösser: Kleine Pflege, große Wirkung
Vereiste Autotüren am Morgen sind kein Vergnügen. Mit Gummipflegemitteln bleiben Türdichtungen geschmeidig und frieren nicht fest. Wichtig: Keine Vaseline verwenden – sie schädigt den Gummi. Für Schlösser gibt es spezielle Enteiser, die besser in der Jackentasche als im Handschuhfach aufbewahrt werden.
Batterie im Winter: Schwachpunkt Nummer eins
Die Starterbatterie gehört zu den häufigsten Pannenursachen in der kalten Jahreszeit. Bei Minusgraden sinkt ihre Leistungsfähigkeit drastisch. Springt der Motor schon bei Plusgraden schwer an, sollte man die Batterie rechtzeitig in der Werkstatt prüfen lassen. Tipp: Wer viel Kurzstrecke fährt, kann die Batterie durch gelegentliches längeres Fahren oder Nachladen schonen.
Salz, Schnee und Schmutz: Warum Autowaschen Pflicht bleibt
Viele Autofahrer meiden die Waschstraße im Winter – ein Fehler. Gerade jetzt setzen Salz und Matsch dem Lack zu. Besonders anfällig sind Stellen mit kleinen Kratzern oder Steinschlägen, wo Rost schneller ansetzen kann. Bei starkem Frost gilt Vorsicht: Unter -10 Grad Ceslius besser warten, denn der Temperaturunterschied kann zu Materialschäden führen.
Assistenzsysteme nicht vergessen
Viele moderne Fahrzeuge sind mit Notbrems-, Spurhalte- oder Abstandsassistenten ausgestattet. Im Winter können Kameras und Sensoren durch Schnee, Schmutz oder Eis blockiert sein, mit der Folge, dass die Systeme fehlerhaft arbeiten oder komplett ausfallen. Ein kurzer Check und das Reinigen der Abdeckungen gehören daher genauso zur Winterroutine wie das Eiskratzen.
Winterausrüstung: Die kleine Notfallkiste
Neben Technik und Pflege ist eine Grundausstattung im Auto unverzichtbar. Dazu gehören: Eiskratzer und Handbesen, Starthilfekabel, Schneeketten (vor allem für Fahrten in Bergregionen), eine Decke und wasserfeste Handschuhe, eine Abdeckfolie für die Frontscheibe.
Improvisieren mit alten CDs oder Küchenutensilien? Bitte nicht – das zerkratzt die Scheiben dauerhaft.
Langzeitlagerung der Sommerreifen
Nach dem Wechsel werden die Sommerreifen oft lieblos in der Garage oder im Keller verstaut. Besser: kühl, dunkel und trocken lagern. Wer Platz hat, legt die Reifen ohne Felgen stehend ab; Reifen mit Felgen sollten liegend oder aufgehängt gelagert werden. So behalten sie länger ihre Form und Haltbarkeit.
Ergänzende Tipps für Profis:
Reifendruck im Winter etwas erhöhen: Kälte lässt den Druck sinken.
Klimaanlage nutzen: Auch im Winter eingeschaltet verhindert sie beschlagene Scheiben.
Mechanische Handbremse bei Frost möglichst nicht anziehen, sie könnte festfrieren.
Tank nie leer fahren: Ein halbvoller Tank verhindert Kondenswasserbildung und Startprobleme.

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