24 h von Le Mans

24h Le Mans 2017: Die Brennpunkte

Die 24 Stunden von Le Mans sind eine Herausforderung für Mensch und Material. Diese Brennpunkte gibt es vor dem Rennstart 2017:
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Die Trainings sind abgeschlossen, die Ausgangslage steht für alle Protagonisten fest. Jetzt heißt es: Warten. Warten auf den Startschuss zum größten Rennen der Sportwagen-Welt. Am Samstag Nachmittag um 15:00 Uhr gibt Formel-1-Boss Chase Carey das Startsignal für das 85. 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Dann werden sich auch endgültig alle Fragen klären. Wir beleuchten vor dem Start schon mal die wichtigsten Brennpunkte:

Brennpunkt 1: Der Kampf um den Gesamtsieg

24h Le Mans 2017: So hat Porsche die Trainings erlebt: (02:17 Min.)

Toyota gegen Porsche, Porsche gegen Toyota. Nach dem Ausstieg von Audi sind noch zwei Hersteller in der Königsklasse LMP1 übrig geblieben. Besonders die Japaner haben mit Le Mans noch eine Rechnung offen, denkt man an das unbeschreiblich dramatische Finish aus dem Vorjahr. Aus diesem Grund hat man auch die Schlagzahl erhöht: Drei statt zwei TS050 Hybrid stehen 2017 am Start. "2014 und 2016 hätten wir gewinnen können. In beiden Fällen brachten wir aber das entsprechende Auto nicht ins Ziel. Um dieses Risiko zu minimieren, brauchen wir den dritten Boliden", erklärte Technikdirektor Pascal Vasselon gegenüber Motorsport-Magazin.com.

Die Anstrengungen scheinen sich auszuzahlen. Schon beim Vortest hatte Toyota die bessere Pace, und das obwohl Porsche bereits in den beiden vorangegangenen WEC-Rennen mit dem Low-Downforce-Kit fuhr und so entsprechend eine Menge Daten sammeln konnte. Auch in den Trainings gehörten die Schlagzeilen Toyota. Nur in der freien Session am Mittwoch Nachmittag hatte Porsche die Nase vorn, im 2. Qualifying am Freitag zerstörte Toyota-Fahrer Kamui Kobayashi mit seiner 3:14.791 den bisherigen Rundenrekord. Kobayashi weiß aber auch: "Wir haben nun ein 24-Stunden-Rennen vor uns, und da zählt nur das Endergebnis, und darauf konzentrieren wir uns nun."

Brennpunkt 2: Rekord-Pace in allen Klassen

3:14.791! Toyota-Pilot Kobayashi zerstört Streckenrekord in Le Mans: (03:46 Min.)

Doch nicht nur in der LMP1-Klasse war man in den Trainings verflixt schnell unterwegs. Im Laufe der drei Qualifying-Sessions wurde auch in allen anderen Klassen der Pole-Rekord teils deutlich geknackt. Vor allem die neuen LMP2-Boliden legten im Vergleich zu den Vorgängermodellen gleich mehrere Bricketts drauf. 3:25.352 fuhr G-Drive-Pilot Alex Lynn im 3. Qualifying-Abschnitt, damit wäre er 2011 vor allen LMP1-Boliden auf der Pole gestanden. Zum Vergleich: 2016 umrundete der schnellste LMP2-Bolide den Kurs in 3:36.605. René Rast zeichnete dafür verantwortlich.

Auch die GT-Klassen sind in Le Mans schnell wie noch nie unterwegs gewesen im Qualifying. Aston Martin sicherte sich in der Pro-Klasse die Pole-Position. Man war dabei der erste Hersteller, der in den Bereich von 3:50 Minuten vordringen konnte. Darren Turner im Auto #97 knallte eine 3:50.837 gegen Ende des 3. Qualifyings hin. Bei den Amateuren fuhr Fernando Rees auf der Larbre-Corvette #50 einen neuen Rundenrekord mit 3:52.843. Le Mans war in diesem Jahr also zumindest im Training so schnell wie nie. Das könnte im Rennen ähnlich verlaufen, was uns zum nächsten Brennpunkt bringt.

Brennpunkt 3: Das Wetter

Es ist ungewöhnlich heiß in Le Mans - Foto: Ferrari

Denn in der Rennwoche herrscht in Le Mans Kaiserwetter. Die Wetterfrösche haben keinen Regen vorhergesagt, der ja den ganzen Rennverlauf auf den Kopf stellen und ausgeklügelte Strategien über den Haufen werfen konnte. Dennoch könnte das Wetter am Ende das Zünglein an der Waage sein, denn Fahrer, Teams und Material müssen mit der für Le Mans ungewöhnlichen Hitze von über 30 Grad erst einmal über 24 Stunden klar kommen.

Brennpunkt 4: Prominente Rookies

Rookie Rubens Barrichello fährt zusammen mit Jan Lammers in der LMP2 - Foto: Speedpictures

Le Mans wäre nichts ohne seine Rookies, und dazu zählen in diesem Jahr zwei besonders prominente Namen: Rubens Barrichello und Tony Kanaan. Während TK den verletzten Sebastien Bourdais bei Ford ersetzt, war Barrichello vor vorn herein als Stammfahrer im Racing Team Nederland vorgesehen. Im Qualifying schwärmte Barrichello bereits vom Tempo der LMP2-Autos. 340 Sachen wäre er bei seinem letzten Formel-1-Rennen nicht gefahren, so Rubinho.

Kuriosum am Rande: Zusammen mit Kanaan und Barrichello musste auch Barrichellos Teamkollege Jan Lammers beim Rookie-Test anrücken. Grund: Der Le-Mans-Sieger von 1988 hat das Rennen schon seit vielen Jahren nicht mehr bestritten und wird daher als Rookie eingestuft.

Brennpunkt 5: Harter Fünfkampf in der GTE-Pro

Aston Martin steht auf Pole, Ford ist die große Unbekannte - Foto: Aston Martin

Trotz des heißen LMP1-Fights: Der härteste Kampf um den Gesamtsieg dürfte uns in der GTE-Pro-Kategorie erwarten. Hier kämpfen Aston Martin, Ferrari, Ford, Porsche und die Gaststarter von Corvette auf Augenhöhe. Die Regelhüter haben ihrerseits in diesem Jahr die Balance of Performance recht gut getroffen, sodass es auf jeden Fall ausgeglichener als 2016 zugehen wird. In den Trainings lagen zwar meist Aston Martin und Ferrari vorne, doch gerade auf Ford sollte man nach der Leistung im Vorjahr achten.

Die BoP der GTE-Pro-Klasse in Le Mans 2017:

Mindestgewicht Luftmengenbegrenzer Ladedruck Tankinhalt
Ferrari 488 GTE 1.268 kg - 1,67 bar 91 Liter
Ford GT 1.268 kg - 1,42 bar 97 Liter
Porsche 911 RSR 1.258 kg 30,1 mm - 100 Liter
Aston Martin Vantage 1.193 kg 29,8 mm - 103 Liter
Corvette C7.R 1.243 kg 29,5 mm - 96 Liter

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