Mehr Sportwagen - Nach 2016er-Farce: GT-Weltcup in Macau wackelt

Rennen legt grundlegende Probleme offen

Der FIA GT Weltcup in Macau anno 2016 verkam zu einer Farce. Bei Porsche hat man offenbar genug. Zwei Dinge müssen sich ändern, damit das Event eine Zukunft hat
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Motorsport-Magazin.com - Das Rennen zum FIA GT World Cup 2016 im Leitplanken-Dschungel von Macau hätte kaum kurioser verlaufen können. 18 Runden standen ursprünglich auf dem Plan, doch schon nach zwei Umläufen musste erstmals das Rennen unterbrochen werden. Als Sieger Laurens Vanthoor schließlich kurz nach dem Neustart im Mandarin-Knick spektakulär abflog und mit seinem Überschlag endgültig für das vorzeitige Ende sorgte, war das Chaos perfekt. Der GT-Sport hat sich mit dieser Farce nicht gerade mit Ruhm bekleckert, und das könnte nun auch langfristige Folgen haben.

Wenn das GT-Rennen schon den Status eines FIA-Weltcups hat, dann sollte auch klar sein, dass es zum Hauptact wird und wir genügend Zeit haben.
Dr. Frank-Steffen Walliser, Porsche GT-Chef

Denn die Zukunft des erst 2015 aus der Taufe gehobenen GT-Weltcups ist nun in der Schwebe. Besonders viel Gegenwind erhält das Event aus dem Porsche-Lager. "Das Rennen in Macau ist ein spezielles Event in einem interessanten Markt, mit vielen Zuschauern und hohem Medien-Interesse. Es hat eine lange Geschichte und Stadtrennen gehören auch zum GT-Sport dazu. Aber wenn es schon den Status eines FIA-Weltcups hat, dann sollte auch klar sein, dass es zum Hauptact wird und wir genügend Zeit haben, um alles Notwendige zu erledigen", kritisiert nun Porsches GT-Chef Dr. Frank-Steffen Walliser im Gespräch mit Sportscar365.

Porsche-Chef: Macau-Zeitplan nicht eines GT-Weltcups würdig

Macau 2016: Die Highlights vom GT-Rennen: (01:59 Min.)

Dr. Walliser spielt hier auf den eng gestrickten Zeitplan in Macau an. 90 Minuten waren für den GT-Weltcup vorgesehen, doch diese Zeitspanne erreichte man bereits zum Zeitpunkt der zweiten Rotphase, weshalb man das Rennen nach gerade einmal vier Runden komplett abbrach. Die Zeit drängte, denn auch das Formel-3-Rennen musste noch über die Bühne gebracht werden. "Wenn Sie mich fragen, ist das nicht professionell genug", polterte Dr. Walliser weiter. "Derartige Zwischenfälle können in einem solchen Rennen passieren, das sollte doch bekannt sein. Die Ansetzung des Zeitplans war einfach nicht angemessen."

Doch diese Problematik scheint sich 2017 noch zu verschärfen. Dann nämlich kehrt auch die WTCC wieder in die chinesische Sonderverwaltungszone zurück, womit sich ein drittes Rennen ins Rampenlicht drängt. 2015 und 2016 wurde als Ersatz ein TCR-Rennen abgehalten, das sich problemlos ins Rahmenprogramm verdrängen ließ. Doch die Tourenwagen-WM wird auch in Macau ihre Rennen am Sonntag abhalten wollen, was den Zeitplan noch engmaschiger werden lässt. Dr. Walliser stellt daher unmissverständlich klar: "Unter diesen Umständen werden wir nicht in Macau fahren!"

Terminkollision Macau vs. WEC ein weiteres Problem

Eine Terminkollision mit der WEC in Bahrain nimmt Porsche nicht hin - Foto: Porsche

Doch nicht nur der enge Zeitplan sorgt für Ärger bei Dr. Walliser. Auch die Terminkollision mit dem WEC-Finale in Bahrain geht ihm gegen den Strich. Vor allem, da Porsche 2017 wieder werksseitigen GT-Sport in der Langstrecken-WM betreiben wird. Dann in einem möglicherweise alles entscheidenden Finale die Kräfte und Ressourcen auf zwei Rennen an zwei unterschiedlichen Schauplätzen aufteilen zu müssen - ein nicht akzeptabler Umstand für Dr. Walliser.

Wenn die WEC am gleichen Wochenende in Bahrain fährt, dann können wir nicht Beides tun.
Dr. Frank-Steffen Walliser, Porsche GT-Chef

Zumal die GTE-Klassen innerhalb der WEC nun auch einen WM-Status erhalten haben. "Wenn die WEC am gleichen Wochenende in Bahrain fährt, dann können wir nicht Beides tun. Es würde nicht funktionieren. Das ist die zweite Sache, die es zu lösen gilt", unterstreicht Dr. Walliser und schiebt gleichzeitig der WEC den Ball zu: "Bei Macau ist es bekannt, dass das Rennen seit 35 Jahren am gleichen Datum stattfindet, für die WEC hingegen ist das kein traditioneller Termin."

Die Argumentation der Macau-Befürworter

Für Stéphane Ratel ist Macau als Austragungsort alternativlos - Foto: SRO/Dirk Bogaerts

Doch es gibt auch Befürworter, die den GT-Weltcup in der Zockermetropole Macau halten wollen. Zu ihnen zählt Audis Kundensport-Leiter Chris Reinke. Reinke ist sich um der Bedeutung des Marktes für seine Marke bewusst. "So wie unser lokaler Importeur in Hong Kong das Event nutzt, um unsere Marke zu promoten, zeigt, wie wichtig das Rennen ist." Doch nicht nur deshalb sieht die andere Seite den GT-Weltcup gut in Macau aufgehoben. Auch die große Tradition dieses Rennens und der einzigartige Charakter der Strecke sprechen für sich.

Ich sehe keinen anderen Ort, an dem wir das durchführen könnten.
Stéphane Ratel

"Für ein besonderes Event wie den GT-Weltcup braucht man eine besondere Strecke und es besteht kein Zweifel, dass Macau besonders ist. Das ist ein Kurs mit eigener DNA, so wie etwa die Nordschleife oder Bathurst", gibt Reinke zu verstehen. Zustimmung erfährt Reinke von GT-Promoter Stéphane Ratel, der mit seiner SRO auch den GT-Weltcup organisierte. "Ich sehe keinen anderen Ort, an dem wir das durchführen könnten. Vielleicht findet ja die FIA einen Ersatz. Aber Macau ist der richtige Ort in Sachen Event." Nach der 2016er-Ausgabe sieht das offenbar nicht mehr jeder so. Es besteht auf jeden Fall Rede- und Handlungs-Bedarf, um die Zukunft des GT-Weltcups zu sichern.


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