Formel 1 - Hamilton-Ärger: Zu wenig Freiheit bei Social Media

Rechte-Debakel abgewendet

Lewis Hamilton bringt Mercedes beim Auto-Launch in die Bredouille. Dann versagt zum Glück die Technik. Kritik an Fahrer-Freiheiten auf Facebook und Co.
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Motorsport-Magazin.com - Live-Video mit Lewis Hamilton? Da kann die Kommunikationsabteilung schon mal ins Schwitzen geraten... So geschehen mal wieder während der Vorstellung des neuen Silberpfeils in Silverstone. Fans konnten dem Briten während einer Live-Session alle möglichen Fragen schicken. Eigentlich harmlos. Nicht aber, als einer der Fans fragte, welche Musik Hamilton denn im Rennauto hören würde, wenn er es könnte. Hamilton - ganz interaktiv - wollte es nicht nur verbal erklären...

"Moment, das kann ich euch sogar direkt vorspielen", sagte er, während er in der Hosentasche nach seinem Handy mit besagten Liedern darauf nestelte. Der Moment, in dem bei Mercedes die Alarmglocken schrillten! "Oh, oh, ich weiß nicht, ob wir das hier abspielen dürfen wegen den Rechten", sagte die Mercedes-Moderatorin, während sich erste Schweißperlen auf ihrer Stirn bildeten.

Hamilton war entgeistert. Da wollte er den Fans doch nur einen Gefallen tun und seine Playlist auf dem Handy verraten - und dann sowas. "Was, Rechte im Social Media?!", schaute er die nette Moderatorin ungläubig an. Und ließ sich nicht davon abhalten, sein Handy nach den Lieblingsliedern zu durchsuchen. Panik bei Mercedes! "Sag uns doch einfach den Namen von dem Song", suchte Hamiltons Inteviewpartnerin nach einem letzten Ausweg aus dem nahenden Lizenzrecht-Debakel; wohl wissend, dass sich ein Lewis Hamilton sowieso nicht darauf einlassen würde.

Als schon alle Hoffnung verloren schien, muss sich der Allmächtige selbst eingeschaltet haben. "Oh, funktioniert leider nicht", stellte Hamilton fest, als er den Play-Button betätigte. Puh, die Rettung in letzter Sekunde. Eine potenzielle Millionen-Klage vom Musiklabel erfolgreich abgewendet.

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Fußball macht es so viel besser

Eine lustige Anekdote, gleichzeitig aber sinnbildlich für die Situation in der Formel 1. Social Media, ja bitte - tolle Videos und Musik? Lieber nicht. Nun muss man erwähnen, dass sich Mercedes wirklich alle Mühe gibt, die eigenen Fans auf diversen Kanälen zu unterhalten. Nicht umsonst verfolgen mehr als 10 Millionen Fans das Treiben der Silberpfeile auf deren offizieller Facebook-Seite. Doch Highlights wie Bewegtbilder von Rennen müssen wegen der Rechtelage leider draußen bleiben.

In der Formel 1 zum Beispiel, wenn ich da ein Bild oder ein Video posten würde, würde ich eine Verwarnung von der FIA bekommen.
Lewis Hamilton

Hier kommt Mr. Social Media ins Spiel, Hamilton himself. Der dreifache Weltmeister sprach ganz offen aus, was vermutlich viele Fahrer denken: "Wenn man sich den Fußball anschaut, da ist Social Media so viel größer. Sie nutzen Social Media im Fußball, der NBA und der NFL viel besser. In der Formel 1 zum Beispiel, wenn ich da ein Bild oder ein Video posten würde, würde ich eine Verwarnung von der FIA bekommen oder eine Nachricht, dass ich es runternehmen soll. Ich hoffe, dass sie dieses Jahr die Regeln ändern und Social Media erlauben."

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Nicht nur die Formel 1 hat ein Problem

Dabei sei erwähnt, dass die Fahrer in Sachen Videos direkt aus dem Fahrerlager nicht nur in der Formel 1 eingeschränkt sind. Das Rechte-Dilemma zieht sich durch so ziemlich alle Rennserien, auch die nationalen in Deutschland. Einfach ausgedrückt gilt: Videos aus dem Fahrerlager sind tabu, fahrende Autos dürfen erst recht nicht gezeigt werden. Eine angenehme Ausnahme bildet hier die Formel E, in der Fahrer und Medien so frei sind wie in keiner anderen Rennserie.

"Social Media ist eine unglaubliche Plattform für die Welt, um zu kommunizieren", sagte Hamilton, der sogar während des Mercedes-Launches live auf Instagram mitfilmte. "Es ist ein total einfaches und kostenloses Werkzeug für den Sport - und wir können es teilen, um die Leute einzubinden." Und genau da ist der Haken an dieser vermeintlich schönen neuen Welt. TV-Sender zahlen jährlich Millionenbeträge, um die Formel-1-Rennen zu übertragen. Kostenloses Material über Facebook und Co. würde den Wert drastisch verringern.

Immerhin haben die neuen Besitzer der Formel 1, Liberty Media, bereits angekündigt, in den sozialen Netzwerken künftig mehr Gas geben zu wollen. Doch es gibt laufende Verträge, an die auch die innovativen US-Amerikaner gebunden sind. Erste Ansätze mit Live-Streaming und Co. gibt es immerhin.

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Hamilton: Blöde Regel

Hamilton kann man sicherlich nicht vorwerfen, nicht genügend Werbung für die Formel 1 zu machen. Der Silberpfeil-Pilot ließ erst kürzlich die Fans über das Design seines Rennhelms entscheiden. Mehr Interaktion geht kaum, vor allem angesichts der Tatsache, dass die Fahrer ihr Helmdesign während der Saison mit einer Ausnahme nicht verändern dürfen. Ein weiterer Punkt auf der Ärgernis-Liste des Lewis H.

Hamilton: "Es ist eine blöde Regel, dass man das Design nur einmal ändern darf. Ich versuche, die Regeln zu pushen, sodass wir es ein paar Mal öfter wechseln können. Denn es hat mich beeindruckt zu sehen, wie kreativ die Leute da draußen sind. Ich wollte den Fans einfach die Möglichkeit geben, ein Teil des Ganzen zu sein."

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Langweile bei Testfahrten

Und was noch? Ach ja, Hamiltons Lieblingsmusik! Vorspielen durfte und konnte er sie nicht, aber wir wissen es. Lewis' aktueller Ohrwurm ist der Track 'Shining' von Beoncé, Jay Z und DJ Khaled.

Und weil es schon mit dem Lied spielen nicht klappte, haute er zum Abschluss noch einen raus: "Ich muss meine Ingenieure fragen, ob ich während der Testfahrten auf einem Ohrhörer Musik hören darf. Weißt du, wenn du beim Test manchmal einfach 20 Runden am Stück fährst, überlegst du schon mal, was du abends essen kannst oder was du nächste Woche unternehmen wirst." Das wird Mercedes auch nicht gerne hören...


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