Formel 1 - Darum testete Ferrari mit Räikkönen und Giovinazzi

Zwei Extra-Testtage in Fiorano

Ferrari testete vergangene Woche zwei Tage lang in Fiorano - trotz Testverbot und obwohl das neue Auto noch längst nicht da ist. Was wurde getestet?
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Motorsport-Magazin.com - Vergangene Woche zeigten sich wohl viele Formel-1-Fans überrascht, als plötzlich Bilder von Kimi Räikkönen und Ferraris Neuzugang Antonio Giovinazzi im Netz auftauchten. Räikkönen und Giovinazzi testeten in einem Ferrari-F1-Boliden in Fiorano. Trotz Testverbot und obwohl das neue Auto noch längst nicht da ist.

Gefahren wurde mit einem SF15-T - dem Boliden aus der Saison 2015. Somit fällt der Test unter die sogenannte TPC-Regel. TPC steht für Testing of Previous Cars und regelt, unter welchen Voraussetzungen mit älteren Formel-1-Boliden gefahren werden darf.

Antonio Giovinazzi nahm zum ersten Mal in einem Formel-1-Auto Platz - Foto: Ferrari

2017 fallen die Jahrgänge 2013, 2014 und 2015 unter das TPC-Reglement. Fahrten mit dem Auto der abgelaufenen Saison fallen noch unter die TCC-Regeln (Testing of Current Cars) und sind erheblich eingeschränkt. Abgesehen von den offiziellen Teamtests und Reifentests für Pirelli dürfen Autos nach den Reglements von 2016, 2017 und 2018 außerhalb der Rennwochenenden nur an zwei Filmtagen pro Kalenderjahr bewegt werden.

Die TPC-Regeln sind deutlich weicher. Solange die FIA mindestens 72 Stunden im Voraus über Fahrzeuge, Fahrer, Strecke, Dauer und Zweck des Tests informiert wird, darf uneingeschränkt gefahren werden. Änderungen an der ursprünglichen Spezifikation dürfen dabei allerdings nicht vorgenommen werden, außerdem stehen nur spezielle Testreifen von Pirelli zur Verfügung.

Am Donnerstag drehte Giovinazzi seine Runden im SF15-T in Fiorano, am Freitag übergab er das Auto am Nachmittag an Räikkönen. Allerdings konnte der Iceman sein Programm nur bei schlechtem Wetter abspulen. Ein FIA-Beobachter kontrollierte das Ferrari-Programm vor Ort.

Grund des Ferrari-Tests ist die Korrelation zwischen Simulator und Strecke. Dazu wurden auf der Hausstrecke nahe des Werks in Maranello auch verschiedene Streckenvarianten genutzt. Noch immer scheinen die Driver-in-the-Loop-Simulationen - also Simulationen, bei denen der Fahrer auch tatsächlich im Simulator sitzt - eine Schwachstelle bei Ferrari zu sein.

Im Januar 2015 spulte Vettel einen ähnlichen Test aus diesem Grund ab. Obwohl Ferrari 2014 eine neue Simulator-Software erhielt, scheint die Scuderia auf diesem Gebiet noch Defizite zu haben. Teamchef Maurizio Arrivabene stellte im vergangenen Jahr sogar ein Simulator-Verbot in den Raum - wohl nicht ganz ohne Hintergedanken.


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