Formel 1 - Projekt Super Bowl: Die Zukunft der F1?

1,3 Milliarden Chicken Wings...

... und hunderte Millionen Zuschauer am Fernsehen: Der Super Bowl ist ein Event der Superlative. Wäre ein solches Mega-Projekt auch in der Formel 1 möglich?
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Motorsport-Magazin.com - Super Bowl. Sport-Ereignis der Superlative. Das größte Event in den USA, der Super Sunday! Auch ein paar Millionen Deutsche schlugen sich am Sonntag die Nacht um die Ohren, um den unglaublichen Overtime-Sieg der New England Patriots gegen die Atlanta Falcons mitzuerleben. Deutsche Büromenschen am Montag im Halbschlaf, doch für einen kurzen Plausch über die unfassbaren Leistungen des großen Quarterback Tom Brady reichte es noch. Es war mal wieder eine super-kurze Nacht.

Wann haben Zuschauer in Deutschland eigentlich zum letzten Mal die Nächte durchgemacht, als die Formel 1 in Kanada, den USA oder Mexiko gastierte? "Wir haben 21 Rennen - wir sollten 21 Super Bowls haben", kündigte der neue F1-Besitzer Chase Carey bei der Übernahme des Business vollmundig an. Dabei scheint es nur schwer vorstellbar, dass Grand-Prix-Wochenenden tatsächlich superbowlesque Ausmaße annehmen könnten.

Aufpeppen statt Super Bowlen

"Die Sache ist ja die, dass 21 Super Bowls im Jahr auch nicht so attraktiv wären wie eben dieses Einzelevent", gab Toto Wolff kürzlich im Interview mit dem Wirtschaftsblatt Trend zu bedenken. Der Mercedes-Motorsportchef weiter: "Was Carey eigentlich damit gemeint hat, ist, dass man die Formel-1-Rennen rundherum aufpeppen muss. Es muss rund um die Rennen ein attraktives Rahmenprogramm geboten werden."

Entertainment non-stop, Musik-Konzerte und Party in der Stadt - so stellt sich der US-Amerikaner Carey seine neue Vision der Formel 1 vor. Verkommt der Grand Prix selbst nur noch zum Beiwerk? Ein Beispiel: 2016 beim US Grand Prix warben die Veranstalter vorrangig mit einem Konzert von Superstar Taylor Swift an der Rennstrecke. Wie ein Blick durchs Publikum zeigte, waren die Zielgruppen beider Veranstaltungen nicht unbedingt deckungsgleich...

Taylor Swift rockt die Formel 1 in Austin: (01:19 Min.)

Tickets für 20.000 Dollar

Während eines Formel-1-Wochenendes steht der Sport üblicherweise deutlich im Vordergrund. Ob der Fan dabei wirklich auf seine Kosten kommt, wird allerdings seit Jahren hinterfragt. Sind die teilweise hohen Eintrittspreise - deren Erlöse oftmals den Fortbestand des Rennens sichern - gerechtfertigt? Fragen Sie mal Besucher des Super Bowls; im Schnitt kosteten die Karten für den Eintritt ins NRG Stadium in Houston, Texas 6.000 Dollar. Die teuersten Tickets gingen für knapp 20.000 Dollar über den Ladentisch...

Ist der Superbowl denn wirklich so gut?
Max Mosley

Ein Super Bowl namens Formel 1 soll es also laut Carey in Zukunft sein. Es gibt Zweifler an diesem Konzept, das kaum amerikanischer klingen könnte. "Ist der Superbowl denn wirklich so gut", fragte jüngst der frühere FIA-Präsident Max Mosley im Interview mit ITV. "Ich will nicht unhöflich sein, aber die Amerikaner glauben immer, dass sie alles besser als alle anderen machen können." Die Kompetenz der neuen F1-Besitzer wollte Mosley nicht in Frage stellen, doch die Geschichte habe gezeigt, dass die Amerikaner nicht immer richtig gelegen hätten.

Nico Rosberg und Jean Todt blicken in die Zukunft der F1: (02:01 Min.)

Milliarden Hühnerflügel

Größer, besser, teurer. Der Super Bowl setzt jährlich neue Bestmarken in allen Bereichen. Ein paar verrückte Zahlen: Weltweit schauen sich 800 Millionen Zuschauer das Endspiel der NFL im Fernsehen an, davon rund 150 Millionen in US-amerikanischen Haushalten. 1,3 Milliarden Chicken Wings und 4.000 Tonnen Popcorn vertilgen die Amerikaner durchschnittlich am Super Sunday, der einem Nationalfeiertag gleichkommt.

Wer dabei sein will, muss tief in die Tasche greifen. Unternehmen zahlten dieses Jahr für einen 30-sekündigen Werbespot während der Live-Übertagung knapp fünf Millionen Dollar. Zahlen, von denen Formel 1 und Co. nur träumen können, obwohl das Leben der Serie gerade durch die von Bernie Ecclestone ausgehandelten TV-Gelder gesichert ist. Kann Liberty Media noch einen drauf setzen? Super Grands Prix, die den allgemeinen Wert der Formel 1 weiter steigern?

Tom Brady: Kein Plan von Motorsport: (01:10 Min.)

Von Gaga zu Guetta

Beim Super Bowl sorgte Lady Gaga mit ihrem Halbzeit-Auftritt für Unterhaltung auch bei Zuschauern, die vielleicht nicht so sport-affin sind. Hier muss sich die Formel 1 allerdings nicht verstecken. Stars wie Rihanna, David Guetta oder Enrique Iglesias spielten bereits am Rande eines GP-Wochenendes für Zuschauer, die ein F1-Ticket gekauft hatten.

Es wäre sicherlich noch mehr möglich, doch in der Formel 1 müssen Veranstalter die Acts selber zahlen. Einfache Rechnung: Wie viele Tickets für ein Autorennen können zusätzlich verkauft werden, wenn zeitgleich ein Konzert stattfindet. Aus diesem Grund verzichten vor allem europäische Rennen wie Hockenheim, Monza oder Spa auf solche Veranstaltungen, die den sowieso schon knappen Geldbeutel weiter belasten. Liberty Media hat angekündigt, in den Sport investieren zu wollen - zahlen sie künftig Konzerte an Rennwochenenden aus der eigenen Tasche?

Schon jetzt ein Klassiker: Die Cheerleader beim US Grand Prix in Austin - Foto: Sutton

Die Amerikaner kennen sich aus...

"Bei Entertainment und Vermarktung von Sportevents kennen sich die Amerikaner aus", glaubte Toto Wolff. Der Super Bowl wurde von 70 TV-Kameras begleitet. Zum Vergleich: In der Formel 1 sind mehr als 50 Kameras bei jedem Rennen im Einsatz, innovative Ideen wie Helmkameras beim Reifenwechsel oder auch eine Wärmebildkamera wurden immer wieder neu eingeführt. In den Übertragungen selbst steckt sicher noch Potenzial - doch reicht das aus, damit sich Sport-Fans an den Sonntagen in Scharen um den Fernseher versammeln?

Bei Entertainment und Vermarktung von Sportevents kennen sich die Amerikaner aus.
Toto Wolff

Neue Ansätze wie etwa die Podiums-Party mitten im Stadion beim Mexiko Grand Prix zeigen, dass die Formel 1 in Sachen Emotionalität weiter zulegen kann. Selbst ein vor Freude singender Nico Rosberg auf dem Monza-Podest trug seinen Teil zur allgemeinen Unterhaltung bei. Letztendlich lebt die Formel 1 - und jeder andere Sport auch - wegen Helden und menschlichen Geschichten. Es wird Aufgabe der neuen Besitzer um Carey sein, diese Emotionen noch besser zu transportieren.

"Er hat sich seine Sporen in der Sportvermarktung wirklich schon verdient", sagte Wolff über Carey. "Er ist aber auch jemand, der genau weiß, wo seine Grenzen liegen." Ein kleiner Hinweis darauf, dass Formel 1 letztendlich immer noch Formel 1 bleiben soll? Auch beim Super Bowl geht es - auch, wenn es nicht immer ganz klar wird - am Ende doch um den Sport.


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