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Formel 1 - Belgien GP: Die Longrun-Analyse

Wer jagt Mercedes?

Die Freien Trainings am Freitag in Spa sind geschlagen. Motorsport-Magazin.com präsentiert die Longrun-Analyse.
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Motorsport-Magazin.com - Auch nach der Sommerpause offenbart der Blick auf die Zeitenliste nichts neues: Mercedes hatte in Spa sowohl im ersten als auch im zweiten Freien Training die Nase vorne und hängte die Konkurrenz deutlich ab. Damit sind die Silberpfeile für das Qualifying naturgemäß die großen Favoriten, doch wie sieht es im Grand Prix aus? Motorsport-Magazin.com nimmt die Longruns unter die Lupe.

Enges Mercedes-Duell

Pirelli bringt wie schon beim letzten Rennwochenende in Ungarn die weichen und mittleren Reifen an die Strecke. Mercedes konzentrierte sich bei den Longruns interessanterweise nahezu ausschließlich auf die weiche Mischung und fuhr die Medium-Pneus nur für wenige Runden am Ende des zweiten Trainings mit vollen Tanks.

Elf Punkte trennen Nico Rosberg und Lewis Hamilton derzeit in der Weltmeisterschaft. Ebenso eng wie im Gesamtklassement ging es auch bei der Zeitenjagd auf der Strecke zu, wobei es dem Briten offenbar gelang, seine Reifen ein wenig länger im idealen Arbeitsfenster zu halten als Rosberg, dessen Pneus gegen Ende des Stints stärker abbauten.

"Unsere Fahrer waren zum Beginn des Tages nicht ganz zufrieden. Am Nachmittag haben sie hart gearbeitet, um die Balance auf den Long Runs zu verbessern. Die Bestzeiten sahen gut aus", resümierte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zufrieden, wenngleich er einräumte: "Einige der anderen Teams scheinen näher an uns dran zu sein."

Ricciardo überrascht

Daniel Ricciardo fuhr wenig, aber schnell - Foto: Sutton

Für Red Bull verlief der Auftakt in Spa denkbar schlecht. Sebastian Vettel konnte aufgrund eines Motorproblems gar nicht erst am zweiten Training teilnehmen und musste daher gänzlich auf Longruns verzichten, und auch Daniel Ricciardo musste sich am Nachmittag mit lediglich 16 Runden begnügen - die Bremsen streikten.

Dennoch gelangen dem Australier in seinen wenigen Umläufen durchaus gute Zeiten, die zwar nicht an die Mercedes-Werte heranreichten, jedoch Mut für das Rennen machen. "Unsere Long-Run-Pace ist besser als unsere Short-Run-Pace", so Ricciardo. Ob es Red Bull allerdings gelingen wird, Williams hinter sich zu halten, ist fraglich, ist der Motorennachteil doch weiterhin markant, wenngleich das Weltmeisterteam auf den Geraden schneller als erwartet war.

Dass Motorleistung aber nicht alles ist, sondern auch in Spa die Aerodynamik eine gewichtige Rolle spielt, demonstrierte McLaren. Trotz der Mercedes-Power-Unit brachte Jenson Button auf den weichen Reifen lediglich enttäuschende Rundenzeiten zustande - es ist für das britische Team zu hoffen, dass der MP4-29 besonders schwer betankt war.

Keine aussagekräftigen Longruns liegen von Ferrari vor, jedoch sollte man sich bei der Scuderia vom dritten Rang Fernando Alonsos nicht blenden lassen, denn dieser kam offenbar durch viel Luft im Tank zustande. "Ferrari ist heute besonders leicht gefahren", meinte Wolff mit einem Blick auf die italienische Konkurrenz, deren schwacher Motor als große Hypothek gilt.

Große Unterschiede zwischen den Mischungen

Die weichen Reifen sind deutlich schneller - Foto: Sutton

Gut geht aus dem Diagramm hervor, dass es Hamilton mit Abstand am besten gelang, seine Reifen zu schonen, während die Gummis bei allen anderen Piloten sukzessive abbauten, was zu einem deutlichen Anstieg der Rundenzeiten führte. Im Rennen könnte dies ein entscheidender Faktor sein, um mit lediglich einem Boxenstopp auszukommen, denn gemeinhin werden zwei Stopps erwartet.

Da der Circuit Spa-Francorchamps sieben Kilometer misst, die sind die Unterschiede zwischen den beiden Reifenmischungen besonders groß und betragen laut Pirelli 1,8 bis zwei Sekunden pro Umlauf. Wie die Daten der Williams-Piloten Felipe Massa und Valtteri Bottas zeigen, steigen die Rundenzeiten mit dem weichen Reifen bald an, wohingegen sich der Medium-Pneus länger auf einheitlichem Niveau bewegt (Massa dürfte hier allerdings auch in Verkehr geraten sein, was den Anstieg etwas relativiert).

Fazit: Mercedes befindet sich auch im zwölften Saisonrennen eindeutig in der Favoritenrolle und sollte in der Lage sein, den Grand Prix zu gewinnen, sofern nicht wieder der Defektteufel zuschlägt oder das Wetter Kapriolen schlägt. Dahinter deutet sich ein Zweikampf zwischen Williams und Red Bull an, was doch überrascht, da das Weltmeisterteam in puncto Top-Speed nicht so schwach aufgestellt scheint, wie man es befürchten musste.


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