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Formel 1 - Interview - Villeneuve: Hamilton-Wechsel wäre überraschend

Ruhe bewahren

Jacques Villeneuve erklärt Motorsport-Magazin.com Lewis Hamiltons Pechsträhne und verrät, warum er nicht glaubt, dass der Brite Mercedes verlassen wird.
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Motorsport-Magazin.com - Seit dem letzten Interview weiß ich, dass mich die Leistung von Kimi Räikkönen nicht überraschen muss...
Jacques Villeneuve: Ja, aber das heute war nicht seine Schuld.

Es ist seltsam, so ein Risiko einzugehen, wenn man am Limit ist.
Villeneuve über Ferrari

War es Ferraris Schuld oder waren beide schuld?
Jacques Villeneuve: Ich habe gehört, dass Kimi immer wieder darum gebeten hat, rausfahren zu dürfen. Es ist seltsam, so ein Risiko einzugehen, wenn man am Limit ist. Wenn man Reifen sparen will, kann man ihn auf Mediums rausschicken. Er war etwas langsamer als Fernando, aber besser als andere Fahrer, deswegen war das schlecht.

Also hatte heute Ferrari Schuld und nicht Kimi...
Jacques Villeneuve: Na ja, er hätte auf dem Medium-Satz schneller sein sollen, er hat keine gute Runde erwischt. Aber wenn die Lage so ist, kann man nichts riskieren.

Lewis Hamilton hatte wieder technische Probleme - ist das nur Pech? Warum trifft es immer ihn?
Jacques Villeneuve: Es ist Pech und wenn man einmal Pech hat, dann trägt man eine schlechte Energie mit sich rum. Man bringt sich unabsichtlich in die Lage, Pech zu haben. Man fährt und fragt sich: Was kann jetzt passieren? Ich bin sicher, dass etwas passieren wird. Und dann passiert es. Man konnte es sehen, er war nicht einmal sauer, sondern vollkommen verloren. Als würde er sich fragen: Was geht hier vor sich? Und das ist hart, denn dieses Jahr kämpft er sich immer zurück und dann passiert etwas, was ihn zurückwirft. Das ist wie wenn man im Wasser ist, versucht, sich an die Oberfläche zu arbeiten und dann sinkt man wieder. Irgendwann hat man dann keine Energie mehr.

Lewis Hamiltons Hoffnungen gingen in Rauch auf. - Foto: Sutton

Kann ihn das mental brechen?
Jacques Villeneuve: Nein, noch nicht. Es gibt noch viele Rennen. Und wenn man bedenkt, dass es beim letzten Rennen doppelte Punkte gibt, dann ist es so, als ob man noch ein Rennen hätte. Es ist noch nichts verloren, es ist noch viel Zeit.

Was erwartest du am Sonntag von Lewis? Wird er sehr aggressiv sein?
Jacques Villeneuve: Er hat keine Wahl. Das Problem wird der Regen sein, alles kann passieren, vielleicht hat auch Nico ein Problem, wer weiß...

Magnussen hat so gebremst, als wenn es trocken wäre.
Villeneuve über Magnussen

Dann haben wir noch den Fehler von Magnussen gesehen...
Jacques Villeneuve: Ein Mangel an Urteilsvermögen, würde ich sagen. Jeder andere Fahrer wusste, dass es feucht ist. Nico hat zu spät, aber immer noch früher als er gebremst. Er hatte noch etwas Platz. Magnussen hat so gebremst, als wenn es trocken wäre. Was ich erstaunlich fand war, dass - sobald er anfing zu rutschen - er sofort die Hände vom Lenkrad genommen hat. Er hat nichts versucht, hat auch nicht heruntergeschalten. Ich habe meine Hände bis zur letzten Sekunde nicht vom Lenkrad genommen. Ich verstehe dieses Konzept nicht.

War es gut, dass Nico etwas vorsichtiger war? Hat er alles richtig gemacht?
Jacques Villeneuve: Nein, denn er ist von der Strecke abgekommen und hatte Glück. Eine feuchte Strecke fühlt sich an wie eine trockene bis zu dem Moment, wo es zu viel ist und du es nicht weißt. Man muss sich selbst etwas Platz geben. Seine Runde wäre nicht gut gewesen, aber er wäre immerhin nicht von der Strecke abgekommen. Für diese Situationen braucht man etwas Luft.

Massa tritt auf der Stelle

Wir haben eine weitere tolle Fahrt von Valtteri Bottas gesehen...
Jacques Villeneuve: Er verbessert sich weiter. Es ist dieses Jahr ein großer Schritt für ihn.

Und im Vergleich zu Felipe?
Jacques Villeneuve: Er ist noch an gleicher Stelle wie vorher, aber Valtteri wird besser. Felipe hat schon die Erfahrung, wir haben das Beste von ihm schon gesehen. Aber sein Bestes ist im Moment nicht gut genug, denn Valtteri wird immer besser. Er hat viel von Felipe gelernt.

Wir befinden uns mitten in der Silly Season. Was erwartest du? Wechselt Sebastian Vettel von Red Bull zu Mercedes?
Jacques Villeneuve: Lewis hat einen Vertrag, das würde bedeuten, Lewis abzulösen. Vettel hat einen Vertrag, also sollten wir uns alle entspannen.

Man bricht nicht einfach einen Vertrag und verlässt ein Team wie Mercedes.
Villeneuve über Hamilton

Manche meinen, dass Lewis nach all dem Pech Mercedes über haben könnte...
Jacques Villeneuve: Aber ihr tut so, als wäre er ein Fahrer, der sich immer aussuchen kann, was er macht. Nein, man braucht ein Team, das einem ein Angebot macht. Ihr denkt: Er hat das Team satt und wird wechseln, aber hat er eine Option woanders hinzugehen? Wissen wir das? Er kann auch nicht einfach den Vertrag brechen, denn das würde eine hohe Strafe nach sich ziehen. Will er eine Strafe zahlen? Nein, natürlich nicht.

Was ist mit McLaren Honda nächstes Jahr?
Jacques Villeneuve: Dafür wäre ein hohes Gehalt und eine hohe Strafzahlung nötig... Come on... Das wäre überraschend und es könnte auch nicht nur eine Strafzahlung sein, sondern, dass er sechs Monate nicht fahren darf. Man bricht nicht einfach einen Vertrag und verlässt ein Team wie Mercedes. Man will Mercedes nicht verärgern, denn man weiß nie, was in der Zukunft passieren wird. Es könnte passieren, aber wir müssen ruhig bleiben.


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