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Formel 1 - Interview - Jacques Villeneuve: Verstehe den Kimi-Bonus nicht

Rundumschlag in 350 Worten

Jacques Villeneuve ist bekannt für seine harte Kritik. Diesmal im Fadenkreuz: Kimi Räikkönen, Sam Michael, die Auslaufzonen und Paydriver.
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Motorsport-Magazin.com - In Q1 mussten wir alle ganz schön den Atem anhalten, als Lewis Hamilton verunfallt ist.
Jacques Villeneuve: Man kann es sehen wie es vorne rechts explodiert - das ist einfach Pech. Da man vor dem Qualifying neue Bremsen montiert, denke ich, dass es sich um ein schlecht konstruiertes Teil handelt. Es ist einfach Pech.

Das Problem sind diese Asphaltauslaufzonen, die bringen uns den ganzen Ärger ein.
Villeneuve über Track Limits

Nico und Lewis fahren ja verschiedene Bremstypen...
Jacques Villeneuve: Ja, das ist absolut möglich. Es geht dabei um die persönlichen Vorlieben des einzelnen Fahrers, mit welchem Material er das bessere Gefühl hat. Irgendwie ist es dann bei Lewis kaputt gegangen - das hat nichts mit dem Fahrstil zu tun.

Wir haben mehrfach Fahrzeuge in Kurve 18 außerhalb der Streckenlimits gesehen. Was ist deine Meinung dazu?
Jacques Villeneuve: Sie haben in der Fahrerbesprechung gesagt, dass es keine Untersuchungen wegen Track Limits geben würde, weil man keine Zeit gewinnt. Man kann die Strecke überall verlassen. Das Problem der Strecken ist aber: Warum überprüfen wir, ob jemand mit allen vier Reifen außerhalb der weißen Linien ist? Man sollte erst Gras oder Sand legen und dann den Asphalt. Wenn es keine Begrenzungen gibt, werden die Fahrer alles ausnutzen, und dann fängt man an: War er draußen? Wenn ja, war er zu weit draußen. Das Problem sind diese Asphaltauslaufzonen, die bringen uns den ganzen Ärger ein. Es sollte immer so sein: Die Strecke, ein Kerb - und zwar ein richtiger Kerb, nicht diese Alibi-Dinger von heute - und dann die Auslaufzone. Ein dicker Kerb hält das Auto auf Kurs, heute fährt man da einfach drüber. Das brauchen wir: Große, dicke Kerbs. Dann sollte da ein bisschen Wiese sein, und dann der Asphalt. Wenn heute jemand einen Fehler macht, dann passiert nichts. Aber wenn es Sand oder Gras ist, dann kommen die Fahrer nichtmal auf die Idee Fehler zu machen und halten sich davon fern. Ein guter Fahrer kann einschätzen wie weit er gehen kann und diese Auslaufzonen, wie wir sie jetzt haben, machen eben diese Fähigkeit zunichte.

Kein Kimi-Fan: Villeneuve fragt sich, woher Räikkönens Bonus kommt - Foto: Sutton

Kimi Räikkönen war wieder nicht gerade berauschend unterwegs.
Jacques Villeneuve: Ja, aber mal ehrlich, ist das eine Überraschung? Ich weiß nicht, warum die Leute alle sagen: "Oh, wartet bis er sich an das Fahrzeug gewöhnt hat, dann wird er schon richtig gut." Er ist ein Weltmeister und hat viel Erfahrung. Da gibt es keine Entschuldigungen. Man kann nicht ständig unterperformen wie er es tut und immer noch gedeckt werden. Er hat einen Bonus, den ich nicht verstehe. Die Leute lieben ihn einfach und verteidigen ihn deshalb und das ist gut für ihn. Er hat da sehr viel Glück.

Williams ist das Team der Stunde...
Jacques Villeneuve: Ja, sie haben all das Geld ausgegeben und das Auto wird immer besser, was mich überrascht. Das bedeutet, dass das Team besser arbeitet. Es sieht wirklich so aus, dass sie genau dann besser geworden sind, seit sie Sam Michael über Bord geworfen haben.

Er ist ein Weltmeister und hat viel Erfahrung. Da gibt es keine Entschuldigungen.
Villeneuve über Räikkönen

Hängt das wirklich mit Sam Michael zusammen?
Jacques Villeneuve: Als Sam Michael zum Team gestoßen ist, sind sie abgestürzt, dann ist Sam Michael zu McLaren gegangen und mit McLaren geht es bergab. Also, vielleicht besteht da ein Zusammenhang.

Denkst du, dass Williams diese gute Pace von heute über den Rest des Jahres halten kann?
Jacques Villeneuve: Ja, das denke ich schon. Letztes Jahr hatten sie einen Paydriver und einen Rookie. Jetzt hat der Rookie mehr Erfahrung und er hat mit Felipe einen erfahrenen Teamkollegen. Valtteri lernt von Felipe, und das gesamte Team bewegt sich vorwärts, das ist logisch. Wann immer man einen Bezahlfahrer hat, geht es bergab mit einem Team. Man sieht das überall.


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