Formel 1 - Rosberg: Mussten von Anfang an Bremsen schonen

Nicht unser Anspruch, gegen Red Bull zu verlieren

Nico Rosberg betrieb in Kanada Schadensbegrenzung par excellence. Trotzdem: Die Niederlage ausgerechnet gegen Red Bull wurmte ihn enorm.
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Motorsport-Magazin.com - Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Am Ende überwog bei Nico Rosberg die Freude darüber, es am Ende trotz technischen Defekts über die Ziellinie geschafft zu haben. Fast das halbe Rennen fehlten dem WM-Führenden 160 Zusatz-PS durch die MGU-K, zusätzlich musste er auch noch Bremsen schonen. Dass dabei noch ein zweiter Platz heraussprang, grenzt schon an ein Wunder.

Rosberg hatte Glück, dass hinter ihm Perez die Konkurrenten aufhielt. Perez verlor im ersten Sektor so viel Zeit auf Rosberg, dass er später in der Runde nicht im DRS-Fenster war - und somit auch nicht am Mercedes vorbeifahren konnte. Ein Glücksfall für Rosberg: "Ich wusste, wenn mich einer überholt, dann überholt mich die ganze Meute."

Ich habe keine Lust, dass Red Bull gewinnt. Das ist nichts!
Nico Rosberg

Am Ende des Tages verlor Rosberg zwar einen möglichen Sieg, baute aber gleichzeitig seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft auf Lewis Hamilton um 18 Punkte aus. Geht man davon aus, dass die beiden Teamkollegen den Titel unter sich ausmachen werden, müsste dem WM-Leader das Kanada-Ergebnis eigentlich lieber sein als ein Sieg vor Hamilton.

"Einen Doppelsieg hätte ich natürlich lieber genommen. Ich habe keine Lust, dass Red Bull gewinnt. Das ist nichts! Wir wollen sie und alle anderen Teams die ganze Zeit schlagen", stellte Rosberg aber schnell klar. Rosberg scheint die Rivalität mit dem Brausehersteller verinnerlicht zu haben.

Rosbergs Kanada-Videoblog: (01:21 Min.)

Beim Blick auf das nächste Rennen sprach er zunächst vom 'A1-Ring', korrigierte dann aber doch. Die Strecke heißt schließlich seit Jahren wie der Erzfeind, der die komplette Mercedes-Mannschaft aus dem Hotel in Spielberg geekelt haben soll. "Gegen Red Bull zu verlieren, das ist nicht unser Anspruch", legte er nach.

Ganz egal war ihm aber der nächste Schritt Richtung Weltmeisterschaft aber nicht. "Trotzdem kann ich auch Positives herausziehen: Zum Beispiel, dass ich den WM-Vorsprung jetzt gut ausgebaut habe." Wären nicht die technischen Defekte dazwischengekommen, wäre das Rennen ein Zweikampf zwischen den Teamkollegen geblieben.

Eine Zweikampf, der in der ersten Kurve spektakulär begann. Rosberg erwischte einen schlechten Start, verteidigte die Führung mit einem späten Bremsmanöver. Hamilton musste aufs Gras ausweichen, Vettel rutschte vorbei. Für Rosberg nicht der Rede wert: "Ich war innen, also ist es meine Kurve. Das war klar, dass das kein Problem wird."

Zweikampf mit Hamilton fair

Als Hamilton später an Vettel vorbeikam, setzte er Rosberg wieder unter Druck. In Runde 25 verbremst sich der Deutsche, nimmt eine Abkürzung durch die Schikane. Die Stewards ermittelten, Rosberg habe dadurch einen Vorteil erlangt, glauben viele. Die Kommissare bliesen es bei einer Verwarnung. Für Rosberg fast schon zu viel des Guten: "Ich hatte ja keinen Vorteil dadurch. Ich wusste gar nicht, dass es untersucht wird. Da gab es auch keinen Grund dafür. Ich habe es ja nicht dreimal hintereinander gemacht."

Als ich dann im Rhythmus war, war es eine coole Phase.
Nico Rosberg

Später im Rennen sollte er sich noch heftiger verbremsen - unverschuldet. Denn durch den Ausfall der MGU-K musste er die Bremsbalance künstlich nach vorne verstellen. "Das hat gedauert, bis ich den Rhythmus gefunden habe. Als ich dann im Rhythmus war, war es eine coole Phase, weil ich gesehen habe, dass ich es schaffen kann."

Dabei machten die Bremsen schon von Beginn an Probleme, nicht erst, als die MGU-K ausfiel. "Wir mussten schon früh Bremse schonen. Wir waren von Anfang an ein bisschen am Limit mit den hinteren Bremsen. Als wir dann KERS verloren haben, wurde es noch schlimmer."

Weiterhin keine Teamorder

Haben sich die beiden Mercedes gegenseitig in den technischen Defekt getrieben? Möglich. Doch eine Teamorder wird es weiterhin nicht geben. "Teamorder kommen, wenn Gefahr für das Team besteht, wenn sie sehen, dass wir die Autos riskieren. Nur dann schreiten sie ein - damit wir die Autos heimbringen."

Bleiben beide Fahrer vernünftig, gibt es keine Teamorder. "Es gibt eine Teamorder-Grenze und wir wissen, dass wir da nicht drüber wollen. Wir wollen bis zum Ende des Rennens kommen", erklärte Rosberg noch einmal, wie vernünftig er und Hamilton zu Werke gehen.


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