Formel 1 - Vergne zittert: Hilfe, der Russe kommt!

Kvyat will den ganzen Kuchen

Daniil Kvyat liegt seinem Teamkollegen Jean-Eric Vergne schwer im Magen. Der Russe kämpft sich unbekümmert durch die F1 - keine Zeit für Bullshit-Gedanken.
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Motorsport-Magazin.com - Die 1. Regel der Formel 1 lautet: Besiege zuerst deinen Teamkollegen. Möglicherweise hatte sich Jean-Eric Vergne diesen Fight etwas einfacher vorgestellt, als er zu Saisonbeginn mit Daniil Kvyat einen neuen Partner an seine Seite bekam. Da war plötzlich dieser weitestgehend unbekannte Russe, von manch Ahnungslosem sogar als Paydriver abgestempelt. 19 Jahre jung, keinerlei Vorerfahrung mit der Formel 1. Was eigentlich als gefundenes Fressen für den erfahreneren Vergne galt, stellte sich nach zwei Rennen als harte Nuss heraus.

Kvyat war nicht nur der jüngste Pilot in der Geschichte der F1, der in die Punkteränge fahren konnte. Dem Rookie gelang das Kunststück, auch beim zweiten Rennen in Malaysia einen WM-Zähler abzustauben. Nach zwei achten Plätzen in den Bahrain-Trainings an diesem Freitag deutet vieles darauf hin, dass der Red-Bull-Protegé seine beeindruckende Serie fortsetzen kann.

Sutils Sauber steht - Kvyat fährt fleißig weiter - Foto: Sutton

Angst vorm Russen?

Bei Vergne ist diese Serie nach seinem Sepang-Ausfall bereits gerissen; auch wenn der Franzose einen WM-Punkt mehr auf dem Konto hat als sein junger Teamkollege. Angst vor dem Russen, Jean-Eric? "Das ist für mich keine harte Zeit", antwortete Vergne selbstbewusst. "Er macht seinen Job und ich meinen. Ich hatte ihn schon so erwartet, er war in der Vergangenheit ja auch ein schneller Fahrer."

Daniil hat guten Speed, weil er offensichtlich leichter ist als ich. Ich habe Übergewicht und glaube, dass er zehn Kilo weniger.
Vergne über Kvyat

Während Kvyat in Bahrain wieder Anlauf in Richtung Punkteränge nahm, hinkte Vergne etwas hinterher: zweimal Platz zwölf zum Auftakt des Wüsten-Wochenendes. "Wir haben unterschiedliche Autos", suchte Vergne nach guten Gründen. "Und er hat guten Speed, weil er offensichtlich leichter ist als ich. Ich habe Übergewicht und glaube, dass er zehn Kilo weniger wiegt als ich. Da gibt es schon einen Unterschied zwischen uns."

Toro Rosso sieht in Bahrain konkurrenzfähig aus - Foto: Sutton

Gewicht als Vorteil

Kvyat wirkt in der Tat etwas schmächtiger als Vergne. "Ich habe jetzt kein Problem mit dem Gewicht", so Kvyat. "Wenn ich zwei, drei Jahre später in die Formel 1 gekommen wäre, sähe das wahrscheinlich anders aus. Für mich ist es einfacher, mein Gewicht unten zu halten." Seit dieser Saison spielt das Gewicht der Fahrer eine gewichtige Rolle - viele Autos haben wegen der engen Regulierungen Übergewicht. Lieber wird beim Fahrer als am Chassis abgespeckt.

Jetzt kann ich mich auf die richtigen Sachen konzentrieren statt auf irgendeinen Bullshit.
Daniil Kvyat

Auf jeden Fall liegt Vergne der unbekümmerte Kvyat schwer im Magen - der Russe hat sich als gleichwertiger Gegner entpuppt. Gleichzeitig machte er kein Geheimnis daraus, dass der gute Start für seine Psyche enorm wichtig gewesen ist. "Jetzt bin ich klarer im Kopf und kann mich auf die richtigen Sachen konzentrieren statt auf irgendeinen Bullshit", verriet Kvyat. "Mein Kopf ist jetzt viel freier." Heißt: Er muss sich nicht mehr selber unter Druck setzen, in die Punkte zu fahren - er hat sich selbst bereits bewiesen, dass er mit den Etablierten mithalten kann.

Kvyat hat keine Angst vor Vergne - Foto: Sutton

Punkte reichen nicht

Während der eine oder andere Rookie vielleicht schon froh gewesen wäre, überhaupt einmal in den Genuss von WM-Punkten zu kommen, will Kvyat gleich den ganzen Kuchen. Er hat bemerkt, dass Toro Rosso dieses Jahr weitaus konkurrenzfähiger ist als erwartet. "Ich hoffe, dass wir noch mehr Pace finden und es in den kommenden Rennen etwas einfacher wird, in die Punkte zu fahren", sagte er gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Hoffentlich können wir pünktlich zum Europa-Auftakt um noch Größeres kämpfen."

In dieser Hinsicht ging Vergne mit seinem Teampartner konform. Nach zwei schwierigen Jahren bei Toro Rosso schnuppert der 23-Jährige Morgenluft - auch, um seine Daseinsberechtigung in der Formel zu rechtfertigen. "Es ist normal, dass wir da sind, wo wir stehen", so Vergne mit den Top-10 im Blick. "Wir wollen aber noch weiter nach vorn. Ich denke, dass sich unsere harte Arbeit schon ausgezahlt hat, das Beste aber noch kommt."


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