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Formel 1 - Interview - Jacques Villeneuve: F1-Autos sind zu langsam!

Fahrer sitzen wie auf dem Sofa

Langsame Autos, keine Herausforderung am Lenkrad: Jacques Villeneuve kritisiert bei Motorsport-Magazin.com die neuen Formel-1-Boliden. Viel zu langsam!
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Motorsport-Magazin.com - Jacques Villeneuve: Beginnen wir doch gleich mit den Nachrichten zu Michael Schumacher - das wollen doch alle deutschen Leser hören, oder nicht? Es ist gut, dass es wenigstens etwas positive Kunde gibt. Dadurch hören die Leute vielleicht auf, Dinge zu erfinden. Dann gibt es weniger Gerüchte mehr, die sicherlich das Schlimmste für die Familie sind. Es ist noch ein langer Weg, aber wenigstens scheint es in die richtige Richtung zu gehen.

Mercedes ist einfach überlegen und so wird es auch für eine lange Zeit bleiben.
Jacques Villeneuve

Dann zurück zum Sportlichen. Mercedes war heute wahnsinnig überlegen...
Jacques Villeneuve: Absolut, aber nicht nur heute. Das Auto ist einfach überlegen und so wird es auch für eine lange Zeit bleiben.

Wen siehst du als ersten Verfolger an?
Jacques Villeneuve: Ich denke, es sind Red Bull und Ferrari. Die Italiener haben einen leicht besseren Motor, der Red Bull ist dafür das etwas bessere Auto. Jetzt hängt es vom Streckentyp ab. Aber es gibt auch noch Überraschungen wie Nico Hülkenberg, der mit ihnen kämpfen kann. Auch er hat einen guten Motor und ist ein guter Fahrer. Wir dürfen aber auch McLaren nicht vergessen...

Villeneuve sieht für die Konkurrenz gegen Mercedes schwarz - Foto: Sutton

Der Rückstand der Verfolger auf Mercedes scheint hier viel größer zu sein als bei den ersten beiden Rennen. Liegt das an einer Kombination aus Motorpower und den vier langen Geraden hier?
Jacques Villeneuve: Da bin ich mir nicht sicher, aber ich glaube auch nicht, dass Mercedes bei den ersten Rennen wirklich am Limit war. Jetzt ist es ein offener Kampf zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton.

Es wird viel über das Gewicht der Fahrer gesprochen. Adrian Sutil sagte sogar, dass er keine Trinkflasche im Auto hatte, um Gewicht zu sparen...
Jacques Villeneuve: Das ist lächerlich! So etwas sollte nicht vorkommen. Im Rennen wäre das ein Fehler, denn es ist besser, zwei Kilo mehr Gewicht zu haben, als zur Rennmitte schon dehydriert zu sein. Denn dann fällt auch die Leistungsfähigkeit ab. Zwei Kilo an Gewicht sind vielleicht ein Zehntel pro Runde. Vielleicht ist ihr Trinksystem zu schwer, dann sollten sie einfach wieder eine Flasche und einen Strohhalm haben... Aber es ist superwichtig, Flüssigkeiten zu sich zu nehmen. Das zeigt, dass das neue Reglement falsch ist.

Im 1. Training war der GP2-Caterham schneller als der F1-Caterham - das darf nicht sein.
Jacques Villeneuve

Du warst einer der ersten Kritiker der neuen Regeln.
Jacques Villeneuve: Viele Leute denken es sich, aber sie sagen es nicht laut. Ich mag zum Beispiel den neuen Formel-1-Sound. Der Lärm ist nicht für die Show verantwortlich. Das Racing könnte gut sein. Es hat mich sogar gestört, dass die GP2 hier so superlaut ist. Ich konnte mich mit niemandem unterhalten und es hat in meinen Ohren geschmerzt. Deshalb bevorzuge ich sogar den F1-Sound. Aber die Autos sehen einfach langsam aus. Im 1. Training war der GP2-Caterham schneller als der F1-Caterham - das darf nicht sein. Die F1-Teams haben 50 Mal mehr Budget, aber die Racepace in der GP2 wird die gleiche sein wie die von Mercedes. Das ist einfach falsch.

Caterham fuhr langsamer als die GP2 - Foto: Sutton

Mit Kevin Magnussen und Daniil Kvyat haben wir zwei Super-Rookies, die sehr gut mit diesen Autos zurechtkommen.
Jacques Villeneuve: Sie sind gut und reif, aber diese Autos sind auch super leicht zu fahren. Man muss sich ja nur mal Giedo van der Garde ansehen: Er ist seit dem Saisonfinale 2013 nicht mehr gefahren, ist heute Morgen ins Auto gesprungen und war nur zwei Zehntel langsamer als Esteban Gutierrez im gleichen Auto. Diese Autos müssen sehr einfach zu fahren sein und die Fahrer haben nicht viel zu tun. Sie müssen nur auf ihre Reifen achten. Man kann es förmlich sehen: Es sieht aus, als ob sie auf einem Sofa sitzen. Es sieht nicht aggressiv aus, das ist sehr seltsam.


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