Formel 1 - Red Bull-Anhörung erst in drei Wochen

Keine Eile

Der Termin für Red Bulls Anhörung vor dem FIA-Gericht steht fest. Wie erwartet, zieht sich die endgültige Entscheidung im Fall Daniel Ricciardo in die Länge.
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Motorsport-Magazin.com - Am Freitagabend veröffentlichte die FIA den Termin für die Anhörung in Red Bulls Protest gegen die Disqualifikation von Daniel Ricciardo. Wie Motorsport-Magazin.com bereits berichtet hatte, erfolgt die Anhörung zu einem recht späten Zeitpunkt: Am Montag, 14. April tagt das Berufungsgericht der FIA in Paris darüber, ob Ricciardo seinen Podiumsplatz beim Australien Grand Prix zurückbekommt. Die endgültige Entscheidung fällt also erst in gut drei Wochen, nach dem dritten Saisonrennen in Bahrain.

In der offiziellen Mitteilung der FIA heißt es: "Eingereichter Einspruch des Österreichischer Automobil-Motorrad und Touring Club - Oberste Nationale Sportkommission für den Motorsport (ÖAMTC-OSK) im Auftrag seines Lizenznehmers Infiniti Red Bull Racing gegen die Entscheidung Nummer 56 der FIA Stewards datierend auf den 20. März beim Australien Grand Prix." Die Verhandlung beginnt um 09:30 Uhr, eine Entscheidung soll so schnell wie möglich nach der Anhörung veröffentlich werden.

Die Entscheidung im Fuel Flow Gate zieht sich hin - Foto: Sutton

Machtwort der FIA erwartet

Experten rechnen Red Bull keine allzu hohen Chancen aus, mit dem Protest Erfolg zu haben. Die Sorge: Sollte das Team Recht bekommen, würde das die Tür für sämtliche Formel-1-Teams öffnen, in Zukunft die Vorgaben der FIA zu ignorieren. Im konkreten Fall Ricciardo hatte Red Bull darauf gepocht, dass die vom FIA Fuel Flow Meter ausgelesenen Werte fehlerhaft gewesen seien und man deshalb auf die eigenen Werte vertraut habe. Dies hatte die FIA als einen Verstoß gegen das Reglement bewertet.

Die neuen Power Units sind noch lange nicht komplett erschlossen und nicht wenige glauben, dass es in dieser Saison noch weitere Kontroversen zwischen den Teams und der FIA geben wird. Die große Angst: Auch in Zukunft könnten viele Ergebnisse nachträglich am grünen Tisch verändert werden. Es wird erwartet, dass die FIA im Fall Ricciardo ein Machtwort spricht, um weitere Proteste hinsichtlich der Power Unit-Messwerte zu vermeiden. Noch während des Rennens hatte ein FIA-Delegierter Red Bull auf die abweichenden Messwerte aufmerksam gemacht, doch Red Bull ignorierte die Hinweise.

Erhält Ricciardo sein Australien-Podium zurück? - Foto: Sutton

Jordan: Red Bull arrogant

"Es scheint mir ein bisschen arrogant zu sein von Red Bull", sagte der frühere F1-Teamchef Eddie Jordan dazu. "Regeln sind Regeln. Entweder man richtet sich danach, oder man geht heim und fährt seine eigenen Rennen. Sie haben weitergemacht und auf das falsche System gesetzt - das ist zumindest die Annahme. Wenn das der Fall ist, sehe ich nicht, wie Christian Horner mit einer Berufung bei der FIA durchkommen will."

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Kaum vorstellbar, dass die FIA Red Bull Recht geben und Ricciardos Disqualifikation rückgängig machen wird. Gleich zu Beginn der Saison ist ein Machtwort des Weltverbandes Gold wert, um weiteren Technik- und Mess-Protesten vorzubeugen. Was aber wirklich interessant sein wird: Was macht Red Bull bei den nächsten Rennen in Malaysia und Bahrain? Verlässt sich das Team weiter auf die eigenen Messwerte, wie es in Melbourne der Fall war? Oder richten sich Horner und Co. diesmal nach den FIA-Vorgaben, und wir wirkt sich das gegebenenfalls auf die Performance des RB10 aus? Ohne populistisch klingen zu wollen: Hoffentlich werden wir in dieser Saison nicht noch einmal von derartigen Vorfällen heimgesucht. Flagge fällt, Ergebnis steht, Feierabend, Dankeschön! (Robert Seiwert)

Erklärt: Darum geht es bei Ricciardos Disqualifikation

Darum ging es beim Fuel-Flow-Gate konkret: Ricciardos Bolide soll konstant die maximale Benzindurchflussmenge von 100kg/Stunde überschritten und damit Artikel 5.1.4 des technischen Reglements und 3.2 des sportlichen Reglements verstoßen haben.

Der Wert von 100 Kilogramm pro Stunde gilt nur in einem bestimmten Drehzahlbereich. Maximal dürfen pro Stunde 100 Kilogramm Treibstoff in den Motor injiziert werden. Unterhalb von 10.500 Umdrehungen gibt es eine Formel, die den Durchfluss regelt. Ein höherer Benzinfluss kann die Leistung des Verbrennungsmotors erhöhen.

Ungereimtheiten im Training

Während des Freien Trainings lieferte das FIA-Fuel-Flow-Meter am RB10 von Ricciardo abweichende Daten. Deshalb entschied sich Red Bull dazu, am Samstag ein neues FIA-Fuel-Flow-Meter einzubauen. Der neue Sensor lieferte aber weder für die FIA, noch für Red Bull ausreichend genaue Daten. Die FIA wies Red Bull an, wieder das ursprüngliche Exemplar einzubauen, nachdem es zuvor gecheckt und für ausreichend genau befunden wurde.

FIA-Entscheidung fiel 5 Stunden nach Rennende - Foto: Sutton

Red Bull folgte der Anweisung der FIA und baute das ursprüngliche FIA-Fuel-Flow-Meter wieder ein. Gleichzeitig wurde Red Bull darauf hingewiesen, die eigenen, nicht mit dem FIA-Fuel-Flow-Meter zusammenhängenden Berechnungen anzupassen. Red Bull wollte sich aber nicht auf die Messungen des FIA-Fuel-Flow-Meters verlassen und fuhr im Rennen nach den eigenen - nicht angepassten - Berechnungen.

Whiting gibt Red Bull die Schuld

Dabei schreiben die Regularien eindeutig vor, dass nur die FIA darüber entscheiden darf, ob die Werte eines Fuel-Flow-Meters ausreichend genau sind. Die FIA registrierte während des Rennens einen zu hohen Benzindurchfluss bei Ricciardo und wies Red Bull daraufhin, den Durchfluss zu senken. Red Bull entschied sich allerdings dafür, den Durchfluss nicht anzupassen.

Werte bei den Ungereimtheiten: Wer hat Recht? - Foto: Sutton

"Wir haben ihnen zweimal nach dem Qualifying und nach der fünften Rennrunde mitgeteilt, die nötigen Schritte zu unternehmen, um den Regeln zu entsprechen", sagte FIA-Renndirektor Charlie Whiting. "Sie haben sich dazu entschieden, ihre eigenen Kalkulationen zu verwenden um zu zeigen, dass sie den Auflagen entsprechen."

Horner wehrt sich gegen Urteil

Whiting weiter: "Wenn sie den Hinweisen gefolgt wären, die wir ihnen zu dieser Zeit gegeben haben, hätten wir kein Problem gehabt und sie wären nicht bestraft worden. Wenn ihr Sensor kaputt gewesen wäre, hätte die Sache anders ausgesehen. Hier handelt es sich um eine menschliche Sache, weil sie die Fähigkeit besaßen, etwas zu tun um die Auflagen zu erfüllen."

Als das Urteil der FIA feststand, teilte Red Bull mit, Einspruch dagegen einzulegen. Begründung für den Einspruch war die Inkonstanz des Einheits-Flow-Meters der FIA über das gesamte Wochenende hinweg. "Das Team und Renault sind überzeugt, dass die Benzinmenge, die in den Motor injiziert wurde, vollständig dem Reglement entspricht", hieß es in einem Statement. "Ich glaube, dass wir immer regelkonform gehandelt haben und die Untersuchungen und Dokumente, die wir für den Protest einreichen werden, belegen das", so Teamchef Christian Horner.


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