Formel 1 - Red Bull legt Berufung gegen FIA-Urteil ein

Kampf gegen Ricciardos Disqualifikation

Red Bull hat im letzten Moment Berufung gegen Daniel Ricciardos Disqualifikation beim Australien GP eingelegt. Wie stehen die Chancen des Teams auf Erfolg?
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Motorsport-Magazin.com - Red Bull hat am Donnerstag offiziell Berufung gegen die Disqualifikation von Daniel Ricciardo in Melbourne eingelegt. Dies geht aus einer Meldung auf der Homepage der Formel 1 hervor. Red Bull ließ die Bestätigung über eine Sprecherin am Donnerstagnachmittag mitteilen. Alle Dokumente und Unterlagen seien fristgerecht bei der FIA eingereicht worden. Zum Ende dieser Woche wird eine Datumsbekanntgabe für die Verhandlung vor dem FIA Gericht in Paris erwartet.

Wann mit einem endgültigen Urteil zu rechnen ist, steht noch nicht fest. Wahrscheinlich wird sich die Angelegenheit noch einige Wochen hinziehen und das nächste Rennen in Malaysia in eineinhalb Wochen überdauern. Red Bull hatte nach der Steward-Entscheidung am vergangenen Sonntag in Melbourne umgehend angekündigt, gegen das Urteil, das Ricciardo den zweiten Platz kostete, Protest einzulegen.

Einspruch kurz vor Frist-Ende

Laut Reglement hatte das Team nach der Bekanntgabe, die rund fünf Stunden nach Rennende erfolgte, 96 Stunden Zeit für einen formalen Protest. Red Bull soll erst kurz vor Ende der Frist am Donnerstag bei der FIA vorstellig geworden sein, um das Urteil offiziell anzufechten.

Daniel Ricciardo war erstmals aufs Podium gefahren - Foto: Sutton

Experten gehen davon aus, dass Red Bull keine allzu großen Chancen auf eine Ergebnisänderung hat. Konkret handelte es sich bei dem kontroversen Vorfall im Albert Park um das Fuel Flow Meter in Ricciardos RB10-Boliden. Am Mittwoch hatte Motorsport-Magazin.com beim Hersteller des Messgeräts, Gill Sensors, nachgehakt. "Nach dem letzten Rennwochenende in Australien gab die FIA Gill Sensors positives Feedback zur Performance des Fuel-Flow-Meters", lautete die Antwort.

Darum geht es beim Fuel-Flow-Gate

Darum ging es beim Fuel-Flow-Gate konkret: Ricciardos Bolide soll konstant die maximale Benzindurchflussmenge von 100kg/Stunde überschritten und damit Artikel 5.1.4 des technischen Reglements und 3.2 des sportlichen Reglements verstoßen haben.

Der Wert von 100 Kilogramm pro Stunde gilt nur in einem bestimmten Drehzahlbereich. Maximal dürfen pro Stunde 100 Kilogramm Treibstoff in den Motor injiziert werden. Unterhalb von 10.500 Umdrehungen gibt es eine Formel, die den Durchfluss regelt. Ein höherer Benzinfluss kann die Leistung des Verbrennungsmotors erhöhen.

Ungereimtheiten im Training

Während des Freien Trainings lieferte das FIA-Fuel-Flow-Meter am RB10 von Ricciardo abweichende Daten. Deshalb entschied sich Red Bull dazu, am Samstag ein neues FIA-Fuel-Flow-Meter einzubauen. Der neue Sensor lieferte aber weder für die FIA, noch für Red Bull ausreichend genaue Daten. Die FIA wies Red Bull an, wieder das ursprüngliche Exemplar einzubauen, nachdem es zuvor gecheckt und für ausreichend genau befunden wurde.

FIA-Entscheidung fiel 5 Stunden nach Rennende - Foto: Sutton

Red Bull folgte der Anweisung der FIA und baute das ursprüngliche FIA-Fuel-Flow-Meter wieder ein. Gleichzeitig wurde Red Bull darauf hingewiesen, die eigenen, nicht mit dem FIA-Fuel-Flow-Meter zusammenhängenden Berechnungen anzupassen. Red Bull wollte sich aber nicht auf die Messungen des FIA-Fuel-Flow-Meters verlassen und fuhr im Rennen nach den eigenen - nicht angepassten - Berechnungen.

Whiting gibt Red Bull die Schuld

Dabei schreiben die Regularien eindeutig vor, dass nur die FIA darüber entscheiden darf, ob die Werte eines Fuel-Flow-Meters ausreichend genau sind. Die FIA registrierte während des Rennens einen zu hohen Benzindurchfluss bei Ricciardo und wies Red Bull daraufhin, den Durchfluss zu senken. Red Bull entschied sich allerdings dafür, den Durchfluss nicht anzupassen.

Werte bei den Ungereimtheiten: Wer hat Recht? - Foto: Sutton

"Wir haben ihnen zweimal nach dem Qualifying und nach der fünften Rennrunde mitgeteilt, die nötigen Schritte zu unternehmen, um den Regeln zu entsprechen", sagte FIA-Renndirektor Charlie Whiting. "Sie haben sich dazu entschieden, ihre eigenen Kalkulationen zu verwenden um zu zeigen, dass sie den Auflagen entsprechen."

Horner wehrt sich gegen Urteil

Whiting weiter: "Wenn sie den Hinweisen gefolgt wären, die wir ihnen zu dieser Zeit gegeben haben, hätten wir kein Problem gehabt und sie wären nicht bestraft worden. Wenn ihr Sensor kaputt gewesen wäre, hätte die Sache anders ausgesehen. Hier handelt es sich um eine menschliche Sache, weil sie die Fähigkeit besaßen, etwas zu tun um die Auflagen zu erfüllen."

Als das Urteil der FIA feststand, teilte Red Bull mit, Einspruch dagegen einzulegen. Begründung für den Einspruch war die Inkonstanz des Einheits-Flow-Meters der FIA über das gesamte Wochenende hinweg. "Das Team und Renault sind überzeugt, dass die Benzinmenge, die in den Motor injiziert wurde, vollständig dem Reglement entspricht", hieß es in einem Statement. "Ich glaube, dass wir immer regelkonform gehandelt haben und die Untersuchungen und Dokumente, die wir für den Protest einreichen werden, belegen das", so Teamchef Christian Horner.


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