Formel 1 - Reifen-Analyse: Pirellis Prototyp in Brasilien

Die Farbe Orange

Die F1-Teams testeten in Interlagos einen neuen Reifen, der 2013 zum Einsatz kommt. Motorsport-Magazin.com hat sich im Fahrerlager schlau gemacht.
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Motorsport-Magazin.com - Für das Saisonfinale der Formel 1 hatte Pirelli ein besonderes Präsent im Gepäck: Der Reifenhersteller stellte den Teams zwei Sätze der Prototypen zur Verfügung, die in der neuen Saison zum Einsatz kommen. Hierbei handelt es sich um eine harte Mischung mit einer neuen Struktur, die das Aufwärmen der Reifen erleichtern soll. Gleichzeitig soll der neue Pneu nicht mehr so lange halten wie sein aktuelles Pendant, damit die die Strategie kommendes Jahr auch mit der härtesten Mischung im Pirelli-Portfolio variabel bleibt, statt sich auf eine Ein-Stopp-Taktik zu beschränken.

So machten sich die Piloten am Freitag zum 1. Training auf, die Performance der Prototypen zu erkundschaften. Die 2013er Modelle waren farblich orange markiert und kamen vornehmlich am Morgen zum Einsatz. Motorsport-Magazin.com hörte sich anschließend im Fahrerlager nach Meinungen zu den neuen Reifen um und stellte fest, dass sich Überraschungen arg in Grenzen hielten. "Ich habe keinen großen Unterschied in Sachen Stabilität oder Konstanz bemerkt", sagte Nico Hülkenberg stellvertretend für viele seiner Fahrerkollegen.

Sie fühlten sich ein wenig anders an, aber nicht dramatisch.
Daniel Ricciardo

Der neue harte Reifen soll zwei bis drei Zehntelsekunden schneller sein als die derzeitige Spezifikation, doch Interlagos ist nicht unbedingt die richtige Strecke für Aha-Erlebnisse, gilt der 4,309 km lange Kurs in der Nähe von Sao Paulo doch eher als Reifen schonend. "Sie fühlten sich ein wenig anders an, aber nicht dramatisch", gab Daniel Ricciardo zu Protokoll. Zumindest habe es bei Toro Rosso nichts Negatives zu berichten gegeben. Das Schwester-Team von Red Bull hatte extra zusätzliche Sensoren an den Autos angebracht, um zusätzliche Rückschlüsse für die Entwicklung des kommenden Autos ziehen zu können.

Die Teams haben erst im Februar 2013 die Möglichkeit, ihre neuen Autos zu testen und das Zusammenspiel mit den neuen Mischungen zu evaluieren. Jegliche Mehr-Information ist deshalb äußerst wertvoll. "Viele Teams - uns eingeschlossen - nutzten heute die Gelegenheit, das Verhalten der neuen Reifen auszuprobieren, bevor sie kommendes Jahr eingeführt werden", erklärte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. Bei den Trainings am Freitag erkannten die Fahrer zwar keine weltbewegenden Unterschiede, doch über eine Renndistanz dürfte das Verhalten größeren Einfluss auf die Einstellungen der Autos haben. Ob die neue Mischung auch 2013 in orange markiert wird, wollte Pirelli noch nicht verraten.

Ich bin sie heute nicht gefahren, glaube aber eh nicht, dass es besonders hilfreich ist.
Kimi Räikkönen

Die gesammelten Daten fließen unmittelbar in die Entwicklungszyklen der 2013er Autos ein. "Das erste Feedback zu den Reifen war sehr positiv", sagte Pirelli-Motorportchef Paul Hembery. "Der neue Reifen hat eine andere Struktur mit schnellerem Warmup. Das bietet bessere Performance innerhalb eines größeren Arbeitsfensters wegen des erhöhten Kurven-Grips." Lewis Hamilton erzielte am Vormittag die Bestzeit auf dem Prototyp-Reifen in 1:14.131 Minuten. Auf den gewohnten Mediums war er am Nachmittag nur knapp ein Zehntel schneller. Allerdings spielte das Wetter in Sao Paulo am Freitag nicht unbedingt mit.

Niemand hatte mit derart hohen Temperaturen gerechnet, am Nachmittag kletterte die Anzeige auf bis zu 48 Grad Streckentemperatur. So ziemlich alle Fahrer hatten Probleme mit dem Grip auf der Hinterachse, was die Evaluierung der neuen Reifen nicht unbedingt erleichterte. Wichtiger war, überhaupt das richtige Temperaturfenster zu treffen. "Die Reifen bauten extrem stark ab", berichtete Timo Glock. "Es machte keinen Unterschied, ob ich die neuen oder die alten Reifen drauf hatte."

Im Allgemeinen sei die Performance auf den Prototypen etwas besser gewesen, wenn auch marginal. "Zumindest an unserem Auto waren sie schneller", sagte Michael Schumacher an seinem letzten F1-Wochenende. Und was meinte Kimi Räikkönen, der allgemein nicht als größter Fan der Entwicklungsarbeit gilt? "Ich bin sie heute nicht gefahren, glaube aber eh nicht, dass es besonders hilfreich ist."


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