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DTM - Audi 2017: Wer muss gehen - wer kommt?

Reizvolle Alternativen

Theoretisch steht Audis DTM-Kader für 2017. Es gibt allerdings ein paar spannende Kandidaten, die für frischen Wind sorgen könnten. Auch aus dem WEC-Aufgebot?
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DTM 2016: Die Highlights von Audi: (03:04 Min.)

Audi steht in der DTM seit Jahren für Kontinuität. Der Kader veränderte sich in den vergangenen Saisons nur marginal. Durch die Verkleinerung des Starterfeldes für 2017 kommt theoretisch Schwung rein bei den Ingolstädtern - doch selbst jetzt könnte schon alles klar sein. Edoardo Mortara wechselt zu Mercedes, Timo Scheider wurde ausgeworfen. Damit stünde das Sechser-Aufgebot. Aber: Es gibt einige reizvolle Alternativen zu Fahrern, die zuletzt nicht überzeugen konnten. Motorsport-Magazin.com nimmt den Audi-Kader unter die Lupe.

Die aktuellen Piloten

Jamie Green: Er galt vor der Saison als Titelfavorit und wurde dieser Rolle lange Zeit gerecht. Doch seit dem Moskau-Wochenende ging es stetig abwärts für Jamie Green, während Stallrivale Edoardo Mortara groß auftrumpfte. Nicht das beste Szenario für Audi, stand der Abgang des Italieners doch schon länger fest. Green konnte im Schlussspurt jedoch nicht mithalten und musste sich letztendlich mit Platz drei begnügen. Er wird 2017 bei Audi bleiben und erneut um den Titel kämpfen. Nicht wenige sagen, dass es Green mehr als verdient hätte.

Mattias Ekström: Die wohl spannendste Personalie bei Audis DTM-Plänen. Motorsport-Magazin.com hat sich schon vor langer Zeit festgelegt, dass Mattias Ekström noch eine weitere Saison im Tourenwagen dranhängt - WRX-Weltmeisterschaft hin oder her. Sportlich muss sich der 38-Jährige nicht verstecken, sorgte auch dieses Jahr für Highlights. Noch mehr bestimmte der Schwede das Geschehen abseits der Strecke, brachte damit frischen Wind in die DTM. Zuletzt sprach sich Ekström selbst für einen Verbleib in der DTM aus - so wird es kommen, Ekström ist auch nach 16 Jahren unumstritten.

Wir glauben: Ekström wird auch 2017 DTM für Audi fahren - Foto: Audi

Nico Müller: Der Schweizer zählt zu den positiven Überraschungen bei Audi, wird auch intern hoch gelobt. Der Sieg am Norisring war das große Highlight für Nico Müller, der schon beim Saisonauftakt mit Pole und Podium überzeugte. In seinem dritten DTM-Jahr konnte er sich deutlich steigern. Der Wechsel von Rosberg zu Abt samt altbekanntem Renningenieur aus GP3-Zeiten hat perfekt funktioniert. Kann Müller diesen Trend fortsetzen, könnte er zu einer der Audi-Speerspitzen avancieren. 2017 dürfte ein entscheidendes DTM-Jahr für den 24-Jährigen werden.

Miguel Molina: Der Spanier galt in so ziemlich jedem seiner bislang sieben DTM-Jahre als Wackelkandidat. Im Zuge der Auto-Reduzierung für 2017 war es eigentlich klar, dass 2016 seine letzte Saison werden würde. Doch tatsächlich lieferte der Spanier diesmal einige Argumente für eine Weiterbeschäftigung. In der Lausitz und am Hockenheim gewann Molina, P13 war sein bestes Ergebnis in der Gesamtwertung. Sollte es bei Audi 2017 höchstens einen Neuzugang geben, dürfte der erfahrene Molina ein achtes Jahr in der DTM dranhängen.

Rettet sich Miguel Molina wieder und bleibt in der DTM? - Foto: Audi

Adrien Tambay: Tambay stand in den letzten Jahren neben Molina weit oben auf der potenziellen Abschussliste. Doch im Gegensatz zum Spanier konnte er sich 2016 nicht entscheidend verbessern. Außer einem Podestplatz in Ungarn konnte Tambay kaum Highlights setzen, hatte allerdings auch einige Male Rennpech. Der Wechsel von Abt zu Rosberg vor dem Saisonbeginn brachte keinen deutlichen Fortschritt. Sollte sich Audi dazu entscheiden, nach vielen Jahren den eigenen DTM-Kader aufzufrischen, dürfte für Tambay Feierabend sein.

Mike Rockenfeller: Der Champion von 2013 erlebte mit Phoenix ein echtes Horror-Jahr in der DTM. Schon 2015 konnte Rocky nicht mehr an seine vergangenen Erfolge anknüpfen. Beim Finale in Hockenheim machten Gerüchte die Runde, dass es Rockenfeller zurück nach Le Mans ziehen könnte. Solche Spekulationen gab es schon vorher, doch zuletzt war die Rede von einer Rückkehr zu Porsche. Direkt nach Hockenheim wurde Rockenfeller beim Porsche-Sichtungslehrgang gesehen - ein Hinweis mit Blick auf die Zukunft? Andererseits saß er zuletzt beim 2017er Test im DTM-Boliden von Audi. In Sachen Rockenfeller scheint es also einige Möglichkeiten zu geben.

Sie sind schon weg

Edoardo Mortara: Sein Wechsel zu Mercedes stand schon viel länger fest, wurde aber erst nach dem Finale öffentlich bekanntgegeben - durch Mercedes, von Audi war bislang kein offizielles Wort zu lesen. Sportlich schmerzt Mortaras Abgang, der Italiener hat sich in den vergangenen Jahren zu einem absoluten Spitzenfahrer entwickelt. An seiner Stelle wird wohl jetzt vor allem Green gefordert sein, die Lücke zu schließen.

Timo Scheider:Sein Rauswurf aus der DTM überschattete das Geschehen beim Finale in Hockenheim. Eines verdienten und langjährigen Piloten absolut unwürdig, für die Aktion prasselte harte Kritik auf Arbeitgeber Audi herab. Inzwischen scheinen sich beide Parteien wieder etwas angenähert zu haben, eine weitere Zusammenarbeit liegt im Bereich des Möglichen. Für Scheider dürfte nach 16 Jahren Schluss sein in der DTM. Einzige Möglichkeit, weiterzumachen: BMW überrascht mit einem Angebot. Unwahrscheinlich zwar, aber zumindest nicht völlig ausgeschlossen.

Danke, Timo! Scheiders beste DTM-Momente: (05:17 Min.)

Die potenziellen Kandidaten

Rene Rast: Der Motorsport-Tausendsassa kam in Zandvoort mehr als überraschend zu seinem späten Debüt in der DTM. In Hockenheim durfte Rene Rast als Ekström-Vertreter sogar noch einmal ran. Immer wieder stand der 30-Jährige kurz vor dem Einstieg in die DTM - klappt es etwa 2017? In den Überlegungen von Dieter Gass spielt er jedenfalls eine Rolle. Rast selbst wäre nicht abgeneigt. "Ich habe mit Sicherheit Lust bekommen, das ist eine große Herausforderung", sagte er zu Motorsport-Magazin.com. "Wenn ich die Möglichkeit bekomme, DTM zu fahren, würde ich nicht nein sagen."

Antonio Giovinazzi: Der eine oder andere wird sich an den Namen noch erinnern können. Im Zuge der Schieb-Ihn-Raus-Affäre 2015 ersetzte Giovinazzi den gesperrten Timo Scheider in Moskau. In der DTM war es seitdem ruhig um den 22-Jährigen. Stattdessen machte er in der GP2 Schlagzeilen. Vor dem Finale in Abu Dhabi führt Giovinazzi die Meisterschaft knapp vor Teamkollege Pierre Gasly an. Seit Formel-3-Zeiten ist er eng mit Audi verbandelt, wurde schon als Kandidat für das Le-Mans-Programm gehandelt. Nachdem diese Tür nun verschlossen ist, wäre er einer für die DTM. Audi hält intern große Stücke auf den Italiener, der sich auch schon im LMP2-Sportwagen bewiesen hat. Definitiv ein Mann für die Zukunft.

Antonio Giovinazzi gilt als Mega-Talent - bald in der DTM? - Foto: GP2 Series

Christopher Mies: Er räumt seit Jahren im GT3-Audi ab - und dieses Jahr richtig: Meister im GT Masters, Vize-Meister in der Blancpain Sprint Series, drei VLN-Siege auf der Nordschleife, dazu Podestplätze in der Australischen GT-Serie. Christopher Mies hat sich in Audis Kundensport-Programm kontinuierlich zu einem der Spitzenfahrer gemausert. Wäre ein DTM-Cockpit die passende Belohnung? Mies selbst soll sich im R8-Rennwagen zwar sehr wohlfühlen, doch ein DTM-Angebot würde er wohl nicht ablehnen.

Fahrer aus dem WEC-Programm: Nach dem WEC-Ausstieg von Audi müssen sich einige Fahrer nach neuen Jobs umschauen. Das Problem: Fahrer wie Benoit Treluyer oder Marcel Fässler sind um die 40 Jahre alt und kommen für die DTM langfristig wohl nicht mehr in Frage. Lucas Di Grassi ist mit der Formel E beschäftigt, Ex-DTM-Pilot Oliver Jarvis würde gern im LMP-Bereich bleiben. Die spannendste Personalie wäre neben Di Grassi wohl Andre Lotterer, der heimliche Audi-Star in Le Mans. Der lebt aber seit einiger Zeit in Japan und ist dort noch immer erfolgreich in der Super Formula. Dieses Jahr wurde er Vize-Meister. Fraglich, ob einer der WEC-Haudegen 2017 in die DTM wechselt.


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