Die Entscheidung der Tourenwagen-Weltmeisterschaft fällt in der Sardinenbüchse. Nicht weniger als sechs Piloten haben noch rechnerische Chancen auf den Titelgewinn. Das große Highlight wird jedoch der Kampf zwischen Andy Priaulx und Yvan Muller. Die beiden Kontrahenten kommen punktgleich zum Finale nach Macau. Auf den ersten Blick scheint die Ausgangslage total ausgeglichen. Denn auch bei den Zusatzgewichten tut sich nicht viel. Alle Meisterschaftskandidaten starten mit 60 Kilogramm Blei an Bord.
Doch wenn man genau hinschaut, sieht man, wer wirklich ein Ass im Ärmel hat. So bekommt Muller auf alle Fälle Rückendeckung aus dem eigenen Lager. Gleich fünf Teamkollegen werden auf der über sechs Kilometer langen Strecke für den Franzosen fahren. Für das Saisonfinale hat Seat noch einmal aufgestockt. Neben Jordi Gene wird Gabriele Tarquini einen Diesel-Leon fahren, der sich in den letzten Rennen klar zum besten Auto im WM-Feld herauskristallisiert hat. Daneben werden Tiago Monteiro und Michel Jourdain für Muller fahren. Großes kann man von Rickard Rydell erwarten. Der Schwede war schon beim Heimspiel in Anderstorp mit von der Partie und gewann dort für Chevrolet. Mit 30 kg Zusatzgewicht muss Rydell nur die Hälfte des Gewichtes durch die Leitplanken schleppen, wie alle anderen Favoriten.
Nur Ekblom fährt für Priaulx
Andy Priaulx bekommt viel weniger Rückendeckung vom eigenen Hersteller. Augusto Farfus und Jörg Müller wollen zuerst ihren eigenen WM-Chancen wahren und werden sicherlich anderes im Kopf haben, als dem schnellen Briten zu helfen. Lediglich auf den rekrutierten Fredrik Ekblom kann der amtierende Meister zählen. Doch auch das nicht voll. Erstmals ist die Startreihenfolge zum Verlassen der Boxengasse im Qualifying vorgeschrieben. Als Führender der Weltmeisterschaft darf Priaulx zwar als Erster auf die Strecke und hat damit freie Fahrt, muss aber auf den so wichtigen Windschatten eines Teamkollegen verzichten. Ekblom darf die Boxengasse erst als 24. verlassen.
Erst im zweiten Anlauf wird Priaulx auf die Hilfe seines Teamkollegen bauen können. Dann kann es aber schon zu spät sein: Die Qualifyings in Macau sind berühmt-berüchtigt für ihre vielen Abbrüche. Die Regeländerung spielt Schnitzer in die Karten. Farfus und Müller können ein Windschattengespann bilden, welches mit Sicherheit gut funktionieren wird. Auch wenn es im Zeittraining keine Punkte gibt, wäre eine gute Ausgangslage für das Schnitzer-Duo nicht schlecht. Schließlich muss man in den beiden Rennen am Sonntag zehn, respektive 15 Punkte aufholen.
Farfus ist verliebt in Macau
"Ich bin verliebt in Macau", verrät Augusto Farfus vor dem Saisonfinale. "Die Gegensätze auf dieser Strecke sind extrem. In der Melco-Haarnadel sind wir mit dem geringsten Tempo der Saison unterwegs. In der Mandarin-Kurve erreichen wir hingegen Geschwindigkeiten wie in keiner anderen Kurve. Der Kurs ist deshalb eine große Herausforderung, die man als Rennfahrer einfach faszinierend finden muss."
"Die Herausforderung ist immens, die Mauer kommt im Verlauf der Runde mehr als einmal bedrohlich nahe. Man braucht eine Menge Entschlossenheit, um dort schnell zu sein", erklärt der WM-Spitzenreiter Priaulx. "Der beste Fahrer mit dem besten und zuverlässigsten Auto setzt sich an einem Rennwochenende in Macau durch. In den vergangenen Jahren hat es für mich dort immer perfekt gepasst. Ich hoffe, dass es auch diesmal so sein wird."
Yvan Muller verspürt derweil keinen besonderen Druck. "Für mich ist es ein Rennen wie jedes andere und ich habe mich ganz normal darauf vorbereitet. Wir haben uns im letzten Jahr in Macau gut geschlagen, aber auf dieser Strecke kann alles passieren."

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