Krimi in Fuji! Toyota hat völlig überraschend das drittletzte Rennen der WEC-Saison 2026 in Japan gewonnen. Ryo Hirakawa führte den #8 Toyota TR010 Hybrid (Buemi, Hartley, Hirakawa) nach einer irren Schlussphase unerwartet zum Sieg beim Heimspiel. Für Toyota war es der zehnte Sieg seit 2012 und der erste seit 2022 auf dem Fuji Speedway.

Hirakawa überquerte die Ziellinie nach sechs Stunden und 204 Runden mit nur 0,591 Sekunden Vorsprung auf Alpine-Pilot Victor Martins. Der #15 BMW M Hybrid V8 (Marciello, Magnussen, D. Vanthoor) mit Schlussmann Dries Vanthoor komplettierte das Podium als Dritter nach einem dramatischen Finish auf leicht feuchter Strecke vor 72.000 Zuschauern.

WEC-Krimi in Fuji: Safety Car wirbelt alles durcheinander

Eine späte Safety-Car-Phase knapp eine Stunde vor Schluss, ausgelöst durch einen Unfall des deutschen McLaren-GT3-Fahrers Finn Gehrsitz, ermöglichte den Schluss-Krimi und am Ende einen völlig unerwarteten Sieger. Der #8 Toyota hatte in den fünf Stunden zuvor praktisch keine Rolle gespielt und belegte kurz vor dem Safety Car nur den sechsten Platz im Feld der 17 Hypercars.

Die Vorentscheidung fiel in der Boxengasse, als alle Autos für einen letzten Stopp reinkamen. Die clevere Toyota-Mannschaft entschied sich beim #8 Auto für einen Short-Fuel-Service in nur 50,7 Sekunden. Alpine ließ hingegen zwei neue Reifen bei Martins' #36 aufziehen, tankte etwas mehr nach und benötige dafür 1:07 Minuten. Die mutige Toyota-Taktik zahlte sich aus, Hirakawa gewann in der Box effektiv fünf Positionen auf einen Schlag und führte das Feld nach dem Re-Start an.

"Wir wussten, dass es etwas länger dauern würde, bis der Vorfall (Gehrsitz-Unfall nach Kollision) geklärt ist", jubelte der Schweizer Sebastien Buemi. "Deshalb haben wir etwas weniger getankt und alle anderen überholt. Was für eine Mega-Strategie!"

Alpine vergeigt Sieg - Martins-Aufholjagd kommt zu spät

Martins war zum Re-Start vom ersten bis auf den fünften Platz zurückgefallen, genoss aber einen Reifen-Vorteil gegenüber BMW-Pilot Vanthoor und Hirakawa, die sich mit kurzen Tank-Stopps für die Track Position entschieden hatten. Bei einer Restdauer von 21 Minuten - die Aufräumarbeiten nach dem Crash dauerten gut eine halbe Stunde - kassierte Martins zügig den zu diesem Zeitpunkt Viertplatzierten Marco Sörensen im #009 Aston Martin Valkyrie (P10 am Ende).

Noch in der gleichen Runde wurde Martins an Alpine-Markenkollege Charles Milesi vorbeigewinkt, der mit älteren Reifen fuhr. Sieben Runden später gelang Martins das Überholmanöver gegen Vanthoor, während Hirakawa einen Vorsprung von 2,2 Sekunden herausgefahren hatte. Martins kam bis auf eine Sekunde an den Toyota heran, für ein Überholmanöver reichte es allerdings nicht.

"Ein bittersüßes Gefühl", sagte Alpine-Sportdirektor Nicolas Lapierre. "Zwar hatten wir eines der Autos auf dem Podium. Wenn man das Rennen aber so lange anführt, ist es enttäuschend, nicht zu gewinnen. Der Schlüssel war das letzte Safety Car: Wir wollten keines der Autos opfern, deshalb haben wir mit beiden Autos gleichzeitig gestoppt. Dadurch haben wir Zeit verloren und wurden von einigen Autos überholt. Ich denke, wir hätten das Rennen mit einem Auto gewinnen können und wären mit dem anderen weiter hinten gelandet. Am Ende haben wir uns für den Team-Spirit entschieden. Die Entscheidung habe ich getroffen."

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Alpine vergeigt möglichen Doppelsieg in Fuji, Foto: IMAGO/PsnewZ

Alpine verpasst greifbaren Doppelsieg in Fuji

Ein unversöhnliches Ende für Alpine, nachdem das Team von der Doppel-Pole auf bestem Wege zu einem Doppelsieg war. Es wäre der erste Sieg in der laufenden Saison gewesen und der zweite in der WEC nach dem Vorjahressieg an gleicher Stelle.

Die beiden Alpine führten das Rennen fast durchgängig an und verfügten im Schnitt über die beste Pace. Die blauen LMDh-Prototypen wechselten sich aufgrund unterschiedlicher Reifen-Strategien mehrfach an der Spitze ab, bis die #36 um Martins die Oberhand behielt - dann zerstörten das Safety-Car und der Toyota-Coup alle Sieghoffnungen. Die #35 um die Vorjahressieger Milesi und Habsburg musste sich mit Platz vier begnügen.

Das durchweg unterhaltsame Rennen wurde durch insgesamt vier Safety-Car-Phasen unterbrochen. Auslöser waren eine Start-Karambolage im GT3-Feld, wenig später ein in die Mauern eingeschlagener GT3-Aston-Martin, gefolgt vom Ausfall des #50 Ferrari 499P und zuletzt dem Unfall von McLaren-Pilot Finn Gehrsitz.

BMW verliert geteilte Führung in Fahrer-WM

Hirakawa, Buemi und Hartley übernahmen hingegen die Führung in der Fahrer-Meisterschaft von der zweiten Toyota-Crew und den BMW-Piloten Rene Rast/Robin Frijns, die sich zuvor punktgleich die Spitze geteilt hatten. Der #7 Toyota (Conway, Kobayashi, De Vries) belegte nur den achten Platz nach einer späten Durchfahrtstrafe.

Der #20 BMW um Rene Rast, Robin Frijns und Sheldon van der Linde mischte nach einer Aufholjagd von Startplatz 17 zunächst um die Top-10 mit, bis sich Rast nach zwei Stunden zunächst drehte (GT3-Kollision) und wenig später einen Reifenschaden Infolge eines Ferrari-Kontakts erlitt. Teamkollege van der Linde geriet in seinem Stint mit einem GT3-Porsche aneinander und handelte sich einen Rundenrückstand ein. Das Trio musste sich am Ende mit Platz 13 außerhalb der Punkteränge begnügen und ist auf den dritten Rang in der Meisterschaft zurückgefallen.

Auf den Plätzen fünf, sechs und sieben nach dem turbulenten Finish: der #38 Cadillac (Bourdais, Bamber, Aitken), der #94 Peugeot (Duval, Jakobsen, Pourchaire) sowie der zweite Jota-Cadillac (Stevens, Nato).

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Reifenschaden am #20 BMW M Hybrid V8 um Rene Rast, Foto: IMAGO/PsnewZ

Ferrari floppt in Fuji

Für Ferrari gab es in Fuji einmal mehr nichts zu holen, nicht zuletzt wegen der Startpositionen 11, 12 und 16: Der bestplatzierte der drei italienischen Prototypen - das #51 Weltmeister-Auto (Pier Guidi, Giovinazzi, Calado) - kam inklusive einer 10-Sekunden-Strafe beim Boxenstopp (Rast-Kollision) nicht über den zehnten Platz hinaus.

Besonders bitter erwischte es den #50 Schwester-Ferrari, der das vorangegangene Rennen in Austin gewonnen hatte: Miguel Molina, Antonio Fuoco und Nicklas Nielsen verloren zunächst wegen eines defekten Wagenheber-Systems viel Zeit, später sorgte ein Elektrik-Problem für den technischen K.o in Runde 149. Dem AF-Corse-Ferrari um Robert Kubica fehlte von Beginn an die nötige Pace - Platz zwölf beim Zieleinlauf.

Das vorletzte Rennen der WEC-Saison 2026 steigt in Barcelona (18. Oktober), bevor das Finale in Monza (08. November) ausgetragen wird. Die beiden europäischen Rennen ersetzten die abgesagten Läufe in Katar und Bahrain.

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