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WEC / Interview

Austin das Highlight, Brasilien der Tiefpunkt - Bruno Senna über seine Debütsaison

Bruno Senna spricht mit Motorsport-Magazin.com über seine Lernkurve, Fred Makowiecki sowie den Unterschied zwischen WEC und Formel 1.
von Karin Sturm

Motorsport-Magazin.com - Wenn Du auf Deine erste WEC-Saison zurückblickst - wie sieht die Bilanz aus?
Bruno Senna: Es war ein sehr gutes Jahr. Das Beste für mich persönlich ist, dass ich sehe, dass ich mich vom Beginn der Saison an bis jetzt noch einmal deutlich steigern konnte. Ich kenne jetzt das Auto viel besser, dadurch ist auch die Performance besser. Am Anfang des Jahres war ich gerade so an Stefan und den anderen mit der viel größeren Erfahrung dran, jetzt bin ich doch des Öfteren mal der Schnellste - wenn ich nicht gerade wie gestern einen Fehler in meiner ersten Qualifyingrunde habe und in der zweiten dann noch ein bisschen Verkehr ist (lacht)...

Das Beste für mich persönlich ist, dass ich sehe, dass ich mich vom Beginn der Saison an bis jetzt noch einmal deutlich steigern konnte.
Bruno Senna

In welchem Bereich hast Du am meisten dazu gelernt?
Bruno Senna: Ich glaube, es ist vor allem das Verständnis von Auto, Rennstrategie, Streckenveränderungen - dieser ganze technische Teil. Ich weiß genau, was ich mit dem Set-up machen muss, auch so, dass es als Kompromiss mit den Teamkollegen passt, wie ich mit den Michelin-Reifen umgehen muss...

Was war der schönste Moment des Jahres?
Senna: Ich denke, unser Sieg in Austin. Fred Makowiecki war ja eigentlich mein Stammpartner dieses Jahr, aber wir hatten es bis dahin noch nicht geschafft, zusammen ein Rennen zu gewinnen. In Spa hat uns eine halbe Sekunde gefehlt, in Le Mans hatten wir dann zwar die Pole, auch die deutlich beste Performance, aber dann halt diesen Ausrutscher - und in Austin hat es dann endlich geklappt, erst die Pole, dann auch der Sieg, obwohl wir ja ein paar Bremsprobleme hatten.

Enttäuschung in der Heimat

Fred und Du, ihr versteht euch wirklich gut, auch neben der Strecke, oder?
Bruno Senna: Ja, das passt wirklich gut, persönlich, aber auch technisch, wir haben zum Beispiel abstimmungsmäßig fast immer die gleichen Vorstellungen, das Auto passt dann richtig gut für beide, er weiß sehr detailliert über die Technik und die Reifen Bescheid, ich habe da auch viel von ihm gelernt. Ich glaube, wenn wir zwei weiter zusammen fahren könnten, wären wir schon eine sehr starke Paarung.

Auf die Pole Position sollte in Le Mans nicht der Sieg folgen. - Foto: Sutton

Hätte Le Mans funktioniert, wärt ihr wohl schon dieses Jahr Weltmeister geworden - war der Ausfall für Dich der Tiefpunkt des Jahres?
Bruno Senna: Klar, mit einem Le Mans-Sieg hätten wir von da an einen deutlichen Vorsprung gehabt, das hätte dann gut reichen können. Aber trotzdem, für mich persönlich war das enttäuschendste Rennen eigentlich Brasilien. Ich bin zum ersten Mal in meiner Karriere mit wirklich guten Aussichten zu einem Rennen in meiner Heimat gekommen, mit der Chance, ganz vorne mitzufahren. Und dann hat da von Anfang an nicht viel gepasst, wir haben auch selbst ein paar Fehler gemacht, ich hatte da dann ja Rob Bell als Teamkollegen, wir sind mit dem Set-Up nicht so ganz in eine einheitliche Richtung gekommen... Trotzdem wäre zumindest noch ein Podium drin gewesen, aber dann hatte ich ja diese Kollision mit dem Ferrari, der sich da plötzlich vor uns gedreht hat, wo dann als Folgeschaden kurz darauf die Aufhängung gebrochen ist. Ich hatte mich so auf dieses Rennen zu Hause gefreut - und dann ging nur alles schief...

Wenn Du das Jahr jetzt mit deinen Formel-1-Erfahrungen vergleichst - fühlst Du Dich hier wohler?
Bruno Senna: Es ist einfach eine ganz andere Umgebung, alles ist viel ruhiger, die Leute viel gelassener, der ganze Wettbewerb läuft auf einer irgendwie viel freundschaftlicheren Ebene ab. Unter den Fahrern herrscht ein freundschaftliches Klima, man redet miteinander... Am Ende hängt natürlich immer viel von deiner eigenen Position und deinen eigenen Erfahrungen ab. Ein Sebastian Vettel findet es wahrscheinlich in der Formel 1 auch toll und fühlt sich da sehr wohl. Aber für die meisten anderen ist es halt anders... Das einzige, was man ein bisschen vermisst, ist das reine Fahren. Wenn man einmal ein Formel-1-Auto gefahren ist, dann ist das etwas, was man nie vergisst. Schnelle Formel-Autos generell sind halt etwas Besonderes...

WEC, IndyCar oder Formel E?

Was heißt das jetzt alles für Deine Zukunftspläne? Zwischendurch klang es ja nicht mehr unbedingt so, als ob Du in der WEC bei Aston unbedingt weitermachen wolltest...
Bruno Senna: Da ist noch nichts entschieden, wir reden auf jeden Fall. Ich habe ja immer gesagt, dass das Weitermachen vor allem auch von den Bedingungen abhängt... Im Moment sind einige Dinge an verschiedenen Stellen in der Schwebe, man muss einfach abwarten, was sich wie entwickelt...

Im Moment sind einige Dinge an verschiedenen Stellen in der Schwebe.
Bruno Senna

Du hattest ja auch Indy mal im Blick, mit Foyt - auch immer noch ein Thema?
Bruno Senna: Ja, sicher - ich habe auch inzwischen festgestellt, dass es vom Terminplan her gehen würde, WEC und die Indy-Straßenrennen zu fahren, da gibt es keinerlei Überschneidungen. Das wäre so schon auch eine interessante Sache, um darüber nachzudenken. Ein paar Formel-Rennen wären schon schön, das ist auch gut für die eigene Fitness, um den absoluten Top-Speed zu behalten...

Formel E war doch auch mal ein Thema - dein Landsmann Lucas di Grassi erzählt ja immer, dass er Dich dahin holen will?
Bruno Senna: Da bin ich auch durchaus offen dafür, ja. Aber da muss man auch erst Mal noch ein bisschen abwarten, im Moment sind da zunächst die Teams dabei, sich zu formieren, über Fahrer redet da im Moment noch niemand wirklich. Da ist ja auch noch ein bisschen Zeit, die haben da alle noch keine so große Eile. Aber ich glaube, die Serie hat für die Zukunft wirklich gutes Potenzial, auch das wäre sicher interessant, um verschiedene Programme zu kombinieren.


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