Superleague / Interview - Robin Webb

Die globale Ausbreitung erweitern

Kurz vor Beginn der vierten Saison in der Superleague Formula sprachen wir mit Wettbewerbsdirektor Robin Webb über alle wichtigen Fakten zur Serie.

Kurz vor Beginn der vierten Saison in der Superleague Formula schnappten wir uns den Wettbewerbsdirektor Robin Webb, um alle wichtigen Fakten über die Meisterschaft zu erhalten.

Wie ist der gegenwärtige Stand in der Superleague Formula?
Robin Webb: Die SF ist im Moment in einer interessanten Phase. Wir kamen aus einem sehr erfolgreichen Jahr 2010, unserer dritten Saison, und einige würden behaupten, dass es unser erstes 'richtiges' Jahr mit Meisterschaftsstatus war. Wir trugen 12 Runden mit 36 Rennen aus (eigentlich nur 35, wegen dem schlechten Wetter in Beijing) und wir hatten den größten Preisfonds im Nicht-F1-Motorsport. Wir ermittelten unseren ersten Millionärs-Champion, in einer Meisterschaftssaison, die bis zum allerletzten Rennen noch nicht entschieden war und letztlich mit nur zwei Punkten Unterschiedendete. Wir hatten außerdem unsere wahrscheinlich beste Aufstellung an Fahrern und unser erstes Überseerennen in China. Es gibt viele Fußballclubs, Rennstrecken, Rennteams und Fahrer, die alle ein Teil der SF sein wollen. Also aus meiner Sicht ist die SF momentan ein exzellenter Ort.

Es ist dasselbe Prinzip, wie wenn Tiger Woods eine Tag Heuer trägt.
Robin Webb

Stärkte oder schwächte das traurige Ableben der A1GP die SF?
Robin Webb: Als die Gerüchte über Schwierigkeiten der A1GP zu ihrem Höhepunkt kamen, sagte ich, dass es schlecht wäre, wenn die A1 scheitert. Zunächst dachte jeder, die SF würde denselben Weg einschlagen. Es war schon traurig mit anzusehen, aber wenn man zurückblickt, hat es uns schon geholfen. Dies geschah, indem sie die Verwirrungen beseitigten und außerdem war damit ein Mitbewerber vom Markt verschwunden, auf dem wir beide versuchten uns zu positionieren. Von meiner Position aus kann ich beurteilen, dass es auf dem Markt keine Verwirrung oder Zweifel über die SF mehr gibt. Wir hatten einen Besitzwechsel, bei dem ein Gesellschafter 99% des Geschäfts übernahm und auch unser Sponsor, Sonangol, ist über diese Entwicklung sehr erfreut. Also muss ich sagen, dass die SF davon profitiert hat. Neben der F1 sind wir nun die einzige Einsitzer-Alternative der Welt.

Hilft der 5.000.000 € Preisfond dabei, bessere Rennfahrer und Teams anzulocken?
Robin Webb: Der Preisfond ist ausschlaggebend. Er gibt unseren Fahrern, Managern, Sponsoren und Rennteams die Möglichkeit, ihr komplettes oder zumindest einen Teil ihres Budgets wieder einzufahren. Zum Beispiel der Sieger 2010 verdiente über 1,8 Millionen € für sein Team und sein Management. Ich sprach mit John Martin und Craig Dolby und beim Letztgenannten nahmen die Mentoren/Sponsoren im letzten Jahr ein großes Risiko auf sich und profitierten am Ende. Wo sonst im Motorsport kann so etwas passieren und dann haben wir noch die PR-Maschinen eines großen Fußballclubs hinter uns. John Martin wurde von seiner Familie unterstützt und er konnte immer nach einem Sieg etwas zurückzahlen. Das war eine außergewöhnliche Erfahrung für seinen Vater. Auch die Budgets in der SF sind sinnvoll. Du hast eine Menge Rennaction (36 Rennen), spannende Qualifikationen (die Knock Outs) und das Budget ist zweieinhalb Mal weniger als in der GP2. Also ist das für mich ein ausschlaggebender Teil unserer Meisterschaft.

Die Superleague macht eigentlich immer eine gute Figur - das gefällt auch Ex-Formel-1-Pilot Robert Doornbos - Foto: Superleague Formula

Hat sich der Betrieb in der SF seit der ersten Saison in der Serie verändert?
Robin Webb: Ja, das hat er. Ich denke wir haben den Nutzen der Marken alle unterschätzt, die wir glücklicherweise in die SF bringen konnten. Dabei meine ich auch die Fahrer, die Marken mit eigenem Recht sind. Ich traf mich letzte Woche mit dem Marketingdirektor eines Fußballclubs und er sagte, dass der Nutzen für ihn darin bestand, die Fahrer als Zusatz für eine Marke zu gewinnen. Er erklärte, dass es dasselbe Prinzip ist, wenn Tiger Woods eine Tag Heuer trägt. Er nutzte die Fahrer bei allen möglichen Veranstaltungen, um die Fußballclub-Marke zu stärken. Dafür bekamen sie zusätzliche Spalten in der nationalen und übergeordneten Presse, die sie normal nicht erhalten hätten. Jeder sagte, dass wir das Fahrerfeld für das zweite Rennen nicht zu 100% umstellen könnten. Aber wir haben es gemacht und alles war großartig. Und wir führen die Rennen jetzt in drei aufeinanderfolgenden Touren in sehr kurzem Zeitrahmen aus. Viel Stress für die Teams, aber besser für TV und Zuschauer, so werden wir auch 2011 fortfahren. Wir brauchen über allem anderen die Unterhaltung.

Können wir 2011 Änderungen erwarten?
Robin Webb: 2011 wollen wir unsere globale Ausbreitung erweitern. Das ist, was die Fußballclubs wollen und wo die SF sein will. Außerhalb Europas gibt es immer mehr Möglichkeiten für ein Rennen von uns. Es gibt Rennstrecken, die mit zunehmender Geschwindigkeit gebaut wurden, in Gebieten, in denen du sie normal nicht einmal vermuten würdest. Uns gefällt das und wir wollen die ersten in diesen Regionen mit Langzeitverträgen und der Chance zur Entwicklung dieses Vorteils sein. Unser Plan für 2011 besteht also aus 7 europäischen und 5 Überseerennen. Bisher sind die Verträge noch nicht alle zu 100% unterzeichnet, aber wir glauben, dass wir das alles schaffen. Wir wollen außerdem 20 Autos in der Startaufstellung und einige neue Fußballclubs aus ein paar neuen Ländern anlocken. In den nächsten Wochen wird sich mehr zeigen.

Jeder neue Wettbewerb braucht Zeit, um sich zu etablieren.
Robin Webb

Was sind Ihrer Meinung nach die bisher größten Errungenschaften der SF?
Robin Webb: Bei der Bildung der Meisterschaft gab es viele Schlüsselmomente. Ich wachte eines Tages auf und entschied, es einfach zu machen! Jeder sagte mir, dass es unmöglich ist und ich verrückt bin. Ich bin glücklich, dass ich ihnen beweisen konnte, dass sie falsch lagen, aber es hat viel länger gedauert als erwartet. Weitere Momente schließen unsere spanischen Investoren mit ein, als sie entschieden das Projekt zu unterstützen, stimmten sie auch dem Design der Autos zu, den Motor-Spezifikationen und dann bekamen sie den ersten Prototyp. Was für ein Moment! Seitdem hatten wir einen Top Sponsor mit anhaltender Stabilität. Und schließlich gehört auch die Akzeptanz der SF als Originalprodukt auf dem Markt dazu. Sicher gibt es immer Leute, die sich daran stören, aber ich habe die Schlange von Rennteams, Fahrern oder Fußballclubs nicht erkannt, die uns gegen Ende jedes Jahres verlassen wollen. Und diese EX-F1-Piloten und zukünftige F1-Fahrer sind sehr zufrieden damit, in der SF zu fahren – wir geben ihnen einen großartigen Rennwagen – das war eigentlich die Beobachtung, die mich am meisten zufrieden stellte.

Wo sehen Sie die SF in 5 Jahren?
Robin Webb: In 5 Jahren wir die SF eine 'Einrichtung' sein. Das ist wichtig. Jede Veranstaltung, jeder Wettbewerb oder jedes neue Produkt braucht Zeit, um sich zu etablieren. In kommerziellen Kreisen nennen sie das Erbgut und das kannst du nicht kaufen, diese immaterielle Sache, die dir Glaubwürdigkeit und Wert gibt. Wenn wir schlau sind und nicht zu viele Fehler machen (aber trotzdem auf einige Risiken hier und da vorbereitet sind), dann denke ich, dass die SF ihre eigene Identität haben wird, rentabel und erfolgreich sein wird. Dann kann ich vielleicht in den Ruhestand gehen!


Weitere Inhalte:
Mehr Motorsport
Wir suchen Mitarbeiter