Motorsport-Deutschland war in den vergangenen Jahren nicht unbedingt gesegnet mit Formel-Nachwuchstalenten. Jetzt sorgt ein junger Mann für neue Hoffnung: Elia Luis Weiss. Dem 17-Jährigen gelang vor gut einer Woche ein geradezu historischer Erfolg. Weiss gewann die Meisterschaft in der Formel 4 CEZ, dem zentraleuropäischen Ableger im großen F4-Kosmos.
Damit ist der gebürtige Münchner der erste deutsche Nachwuchspilot seit 2018, der sich in einer internationalen Formel-4-Meisterschaft durchsetzen konnte. Dieses Kunststück war zuletzt Lirim Zendeli vor geschlagenen acht Jahren in der längst eingestellten ADAC Formel 4 gelungen. Alle Infos zur deutschen Nachfolgeserie ab 2027 erfahrt ihr in diesem Artikel:
Elia Luis Weiss: Mit zehn Siegen zum Formel-4-Titelgewinn
Weiss und sein Team Jenzer Motorsport dominierten die F4 CEZ geradezu nach Belieben: Der Sohn von Rennfahrerin Claudia Hürtgen (u.a. P2 bei 24h Spa 2011 mit BMW) gewann zehn der 24 Saisonrennen, unter anderem auf dem Salzburgring, dem Red Bull Ring sowie beim Saisonfinale auf dem Hungaroring. Weiss fuhr 15 Mal aufs Podium und sicherte sich zudem sieben Pole Positions auf seinem Weg zum vorzeitigen Titel-Triumph.
"Es war eine unglaubliche Saison für mich und das gesamte Team", jubelte Weiss. "Wir haben uns von Rennen zu Rennen verbessert und alle haben unglaublich hart gearbeitet." Der Schweizer Rennstall Jenzer Motorsport errang den vierten Fahrer-Titel in Folge und gewann mit seinen Nachwuchsfahrern insgesamt 19 Rennen in einem Starterfeld von durchschnittlich mehr als 30 Piloten.

Weiss: Formel-E-Testfahrten im Weltmeister-Porsche
Motorsport-Kenner haben Weiss, der seine zweite Saison in der Formel 4 bestritten hat, längst auf dem Zettel. Er durfte bereits zweimal für das Porsche-Werksteam Testfahrten in der Formel E bestreiten, 2025 in Berlin-Tempelhof als jüngster Fahrer in der Geschichte der Elektro-WM, sowie ein weiteres Mal in diesem Jahr auf dem spanischen Kurs Jarama. Dabei erhielt Weiss Unterstützung vom Motorsport Team Germany, einer durch die ADAC Stiftung Sport und vom DMSB unterstützten Förderung für deutsche Nachwuchstalente.
"Wenn ich immer höre, wir haben keinen Motorsportnachwuchs in Deutschland...", sagte ADAC-Motorsportchef Thomas Voss. "Ja, wir haben keinen jungen deutschen Formel-1-Fahrer, den wir uns alle wünschen. Aber ich glaube, uns ist allen klar, dass das keine Arbeit von ein, zwei Jahren ist, sondern ein langfristiges Ziel, das man auch langfristig verfolgen muss. Wir sind auf dem besten Weg."

Erster Rennsieg in stärkster Formel-4-Meisterschaft der Welt
Weiss genoss dieses Jahr ein weiteres Privileg neben der heimischen Förderung: Er konnte zusätzlich zur F4 CEZ auch die komplette Saison in der Italienischen Formel-4-Meisterschaft bestreiten. Es gilt: Wer im Formelsport etwas erreichen will, muss so viel wie nur irgendwie möglich und finanziell abbildbar testen und fahren.
Die komplette heutige Generation der jungen Formel-1-Fahrer wie Weltmeister Kimi Antonelli oder Lando Norris spulte in jungen Jahren Doppel- und Winterprogramme ab, um möglichst viel Streckenzeit - bestenfalls auf F1-Kursen - zu erhalten.

Wer einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und die Talentspäher der Formel-1-Teams auf sich aufmerksam machen will, muss in Italien abliefern. Eine Saison bei einem Top-Team samt zig' Testfahrten kann hier locker eine Million Euro kosten. Bei Teilnehmerzahlen von rund 50 Autos samt Ausscheidungs-Heats trennt sich die Spreu vom Weizen.
Weiss belegte in seiner zweiten Saison in Italien den 14. Gesamtplatz, hinterließ beim Saisonfinale in Mugello aber einen nachhaltigen Eindruck. Nur eine Woche nach seiner F4-CEZ-Meisterschaft avancierte er auf der italienischen Strecke zum Mann des Wochenendes: Weiss feierte seinen ersten Sieg in Italien und stand in allen drei Rennen auf dem Podium.

Es waren seine ersten Podestplätze in der wichtigsten Formel-4-Serie der Welt, wo er ebenfalls für Jenzer Motorsport an den Start ging. Der 18-jährige Finne Luka Sammalisto gewann die Meisterschaft mit dem deutschen Rennstall US Racing überlegen in seiner dritten Saison.
Wie es für Weiss in der Saison 2027 weitergeht, ist öffentlich noch nicht bekannt. Der konsequente Schritt wäre der Aufstieg in die FIA Formel 3, die im Rahmenprogramm der großen Formel 1 gastiert. Hier werden die Kosten mit rund zwei Millionen Euro pro Saison taxiert. 2026 fuhr kein einziger Fahrer aus Deutschland in der Formel-3-Meisterschaft, die der US-Amerikaner Ugo Ugochukwu vor dem britischen Audi-Junior Freddie Slater gewann.
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