Maximilian Buhk ist schon lange kein Geheimtipp der GT-Szene mehr: Der letzte GT3-Europameister von 2012 fuhr bislang immer Mercedes, doch in diesem Jahr wurde er Werksfahre bei Bentley und pilotiert nun den Continental. In der Blancpain-Sprint-Serie (BSS) fährt er bei HTP Motorsport und in der Blancpain-Endurance-Serie (BES) bei M-Sport, die den bulligen GT3-Continental entwickelt haben. In Spa-Francorchamps tritt der 22-jährige aus Reinbek mit Maxime Soulet und Andy Soucek an – und ist damit auch in den Ardennen mehr als nur ein Geheimtipp.

Auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (sehr gut): Wie lief die Saison bislang?
Bis Zolder würde ich der Saison eine 6+ geben. Ich bin noch neu auf dem Auto und muss mich noch etwas zurechtfinden. Aber wir machen beim Set-Up große Schritte von Rennen zu Rennen und sind noch lange nicht am Ende der Entwicklung für Qualifikation und Rennen. Allerdings war gerade bei den BES-Rennen einiges Pech dabei: Durch Kleinigkeiten haben wir zum Beispiel in Silverstone ein Podium liegen lassen. Ich schätze mich lieber etwas schlechter ein – dann ist noch mehr Luft nach oben [lacht].

Was ist der größte Unterschied zwischen dem Bentley Continental und dem Mercedes SLS?
Der größte Unterschied für mich ist der Antrieb bzw. der Motor: Der Bentley hat einen Turbo-Motor. Vorher bin ich noch nie mit einem solchen Motor Rennen gefahren. Allerdings verhalten sich Continental und SLS ähnlich in langsamen Kurven, da sich bei beiden der Motor vorne befindet und beide über einen langen Radstand verfügen. Der Continental hat seine Stärken dafür auch in mittleren und schnellen Kurven, da er über eine sehr gute Aerodynamik verfügt. Allerdings muss ich auch fairerweise sagen, dass der Bentley etwas leichter als der Mercedes ist. Den Continental zu fahren macht aber richtig Spaß.

Mit viel Rückenwind nach Spa: Buhk gewann das BSS-Hauptrennen in Moskau -
Mit viel Rückenwind nach Spa: Buhk gewann das BSS-Hauptrennen in Moskau -Foto: SRO

Wie ist es mit zwei verschiedenen Teams, die das gleiche Auto einsetzten, zu fahren?
M-Sport und HTP Motorsport gehen Hand in Hand. HTP ist zwar ein erfahrenes GT-Team, aber nun mal auch eine Kundenmannschaft. Aber man tauscht sich aus: Die einen wissen, was die anderen machen und umgekehrt. Das ist eine Supersache. Ich möchte aber nicht unangenehm auffallen und sagen: "Die machen das so, lasst uns das unbedingt hier so machen." Bei Bentley wurde ich sehr herzlich aufgenommen und die Engländer haben einfach einen coolen Humor. Das kannte ich so noch nicht. Und wenn du gesehen hast, wie die Mechaniker am Nürburgring den Wagen nach dem Unfall in drei Stunden wieder umgekrempelt haben, dann weißt du wie professionell Bentley an die Sache geht.

Wären die beiden Stadtkurse, die ursprünglich im BSS-Kalender waren, eine Bereicherung gewesen?
Ich mag Stadtkurse, deshalb wäre es schon schön gewesen in Moskau und Baku zu fahren – Baku ist allerdings schon ziemlich weit weg… An das Rennen in Moskau wäre ich ohne besondere Erwartungen gegangen, um einfach nicht enttäuscht zu sein. Bei einem neuen Kurs weißt du nie, ob du dich in der ersten oder der letzten Reihe einsortieren wirst, weil du keine Erfahrungswerte hast. Moskau als Stadt hat eine sehr spezielle Atmosphäre, aber solange es dort nicht schneit, kann man ein cooles Event dort abhalten [lacht].

Wie ist der Vorbereitungsstand für das 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps?
Wir starten in Spa in der gleichen Konstellation wie auch schon bei den ersten drei BES-Rennen. Wir hatten ja auch noch den Test dort, aber es ist wie bei anderen Langstreckenrennen auch: Du musst auch Glück haben, sonst reicht es nicht für den Platz ganz oben auf dem Podest. Wir werden 24 Stunden volle Attacke fahren und dann schauen, wo wir am Ende landen.

Wer ist der Favorit auf den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Spa?
Wenn ich ganz ehrlich bin: alle Pro-Cup-Autos. Natürlich gibt es auch den engeren Favoritenkreis mit den WRT, Marc VDS mit dem BMW oder auch die Mercedes, die allein wegen der Zuverlässigkeit gut aufgestellt sind. Wenn du auf die Meldeliste für die Pro-Wertung schaust, gibt´s da kaum ein Auto, das nicht durchweg mit Pros besetzt ist. Da kannst Du nicht sagen, dass da jemand in einem Trio langsamer ist – [lacht ] außer vielleicht bei Bentley, weil ich auf einem der Autos sitze. Du musst mit jedem rechnen, weil du sonst eine böse Überraschung erleben wirst. Es würde mich natürlich freuen, wenn einige der Konkurrenten uns auf dem Zettel haben würden.