Es gibt Siege, die wecken besonders viele Emotionen. Wenn auf den Tag genau 15 Jahre nach dem letzten von insgesamt sechs Siegen von Ayrton Senna 1993 in Monaco wieder ein Senna auf dem Podium steht, dann ist das so einer. Bei Bruno Sennas Triumph im Fürstentum war es als erste seine Mutter Viviane, die ihren Gefühlen freien Lauf ließ: "Wieder hier, in Monaco, das ist unglaublich - dieser Sieg ist für die Leute in Brasilien, damit sie wieder glücklich sein können", freute sie sich unter Tränen - aber dann erzählte auch Bruno motorsport-magazin.com selbst über den bisher größten Erfolg in seiner erst vierjährigen Karriere.

Ein Sieg in Monaco ist der Traum für jeden Rennfahrer - wie fühlst du dich jetzt?
Bruno Senna: Ich habe keine Worte, um mein Glück auszudrücken, ich bin so zufrieden, so happy. Das Team hat einen tollen Job gemacht, mir so ein tolles Auto gegeben, es war perfekt. Ich hatte vielleicht gehofft, dass das Rennen ein bisschen normaler verlaufen würde, aber durch all die Zwischenfälle mit den vielen gelben Flaggen, vor allem durch den einen großen natürlich, konnte ich den Vorsprung, den ich auf Maldonado schon herausgefahren hatte, nicht behalten. Ohne das wäre er sicher nicht mehr herangekommen. Meine Strategie war, von Anfang an einen so großen Vorsprung wie möglich herauszufahren, um beim Boxenstopp ein gewisses Polster zu haben. So habe ich den Vorsprung dann halt verloren, musste dann ziemlich pushen und habe dabei auch meine Reifen ziemlich beansprucht - aber ich bin mir sicher, dass seine auch in keinem besseren Zustand waren. Und hier hätte es ihm auch nichts genutzt, wenn er noch näher herangekommen wäre. An mir vorbei gekommen wäre er sicher nicht.

In der Meisterschaft bist Du jetzt schon Zweiter - wird am Ende die Konstanz entscheidend?
Bruno Senna: Sicher, und wenn ich nicht dieses unglückliche Wochenende in der Türkei gehabt hätte, dann würde ich jetzt ja auch schon in der Meisterschaft führen. Aber jeder hat mal ein schlechtes Wochenende, hier haben jetzt weder Grosjean noch Pantano gepunktet, Zuber auch nicht... Dadurch konnte ich den Abstand wieder deutlich verringern. Morgen, wenn ich als Achter starte, wird es zwar schwierig, aber das Auto ist sehr, sehr gut und ich werde sicher alles versuchen, um wenigstens wieder ein paar Punkte zu holen.

Bruno Senna war ein paar Mal an der Grenze, Foto: Moy/Sutton
Bruno Senna war ein paar Mal an der Grenze, Foto: Moy/Sutton

Und wenn es morgen regnet?
Bruno Senna: Dann soll es mir recht sein, ich fühle mich ja im Regen sehr wohl. Monaco im Regen ist zwar sicher sehr, sehr schwierig, aber das gilt ja für alle, und unser Auto ist im Regen auf jeden Fall besonders gut...

Gab es kritische Momente im Rennen?
Bruno Senna: Ich war schon ein paar mal an der Grenze, wo mir das Auto ein bisschen wegging, aber vor allem, weil ich doch ziemlich gepusht habe. Die Strecke verändert sich auch sehr schnell, manchmal bremst man an genau der gleichen Stelle wie vorher, aber die Strecke ist ein bisschen wärmer geworden, und der Punkt passt nicht mehr ganz. Aber einen gewissen Sicherheitsspielraum habe ich immer gelassen, ich bin nicht gefahren wie in einem Qualifying, vielleicht 98 Prozent davon... Außerdem habe ich das Gefühl, dass sich an meinem vorderen Stabilisator irgendwas verstellt hat, das Lenkrad war ab Mitte des Rennens nicht mehr ganz gerade, aber viel hat es für die Balance nicht ausgemacht.

Wie war die Situation, als es in der Mirabeau diesen Stau gab, und die gelben Flaggen?
Bruno Senna: Ich habe den Stau schon auf der Videowand gesehen, das Team hat mir gesagt, dass der linke Teil der Strecke frei sei, Pantano war innen... Ich dachte erst, dass die Autos, die da stehen, alle in den Unfall verwickelt waren, habe erst dann gemerkt, dass die da nur standen. Ich habe zwar nur Autos passiert, die hinter mir lagen, aber ich habe mir auch Sorgen gemacht. Ich habe Gavin gesagt, sie sollen bei der Rennleitung nachfragen, ob ich die wieder vorbeilassen soll. Aber Charlie hat wohl gesagt, es gebe kein Problem, weil die Autos gestanden hätten.

War dieser Sieg noch schöner, noch wichtiger als dein erster letztes Jahr in Barcelona?
Bruno Senna: Vielleicht schon ja, denn es war ein echter, richtig durch den Speed herausgefahrener, ich war immer richtig schnell...

War es ein entscheidender Schritt in Richtung Formel 1, ausgerechnet hier zu gewinnen?
Bruno Senna: Ich muss nicht nur hier gewinnen, sondern überall. Ein einziger Sieg bringt mich nicht in die Formel 1, ich muss noch viel beweisen. Wenn ich so weit bin, wenn die Resultate da sind, dann können wir über die Formel 1 reden.

Die Familie freute sich mit, Foto: Sutton
Die Familie freute sich mit, Foto: Sutton

Es gibt ja auch eine sehr emotionale Seite bei diesem Sieg - dein Onkel hat hier sechsmal gewonnen, jetzt wieder ein Senna hier ganz oben auf dem Podium?
Bruno Senna: Ich hoffe, einer von noch vielen weiteren, die noch folgen werden - hier und überall anders auch. Jeder möchte gerne in Monaco gewinnen, weil es eine besondere Herausforderung ist, man kann hier als Fahrer vielleicht ein bisschen mehr zeigen, auch ein bisschen mehr Aggressivität...

Hast du hier irgendwann heute an die Rennen von Ayrton gedacht, die du als Kind gesehen hast?
Bruno Senna: Um ehrlich zu sein, gestern vor dem einschlafen habe ich daran gedacht, wie Ayrton immer in der ersten Kurve gefahren ist, wie aggressiv er da war. Ich musste das dann heute gar nicht, ich hatte einen sehr guten Start, deshalb musste ich nur meine Position verteidigen. Ich habe sicher versucht, so viel wie möglich von Ayrton zu lernen, habe keinen Fehler im Rennen gemacht...

Was halt viele Leute immer wieder wissen wollen, gerade jetzt und hier - wie siehst du Ayrton, was bedeutet er für Dich?
Bruno Senna: In erster Linie sehe ich ihn einfach als meinen Onkel. Aber ich sehe ihn auch als Inspiration, als Referenzpunkt. Davon, wie er den Rennsport betrieben hat, wie er seine Karriere aufgebaut hat, habe ich sehr viel gelernt. Ich glaube zwar nicht, dass ich mich dadurch sehr stark verändert habe, vieles davon liegt einfach auch bei uns in der ganzen Familie, ist da verankert - und funktioniert zum Glück auch für mich...

Ist es deshalb, mit all der Historie, hier doch ein besonderer Sieg?
Bruno Senna: Ja, er ist schon speziell. Aber immer, wenn ich an einem GP-Wochenende gewinne, gibt es einige Leute, die das sehr berührt... Ich als Fahrer schaue natürlich in erster Linie auf mich selbst, auf meine eigene Karriere, aber ich habe eine Familientradition, die ich nicht verleugnen kann und will. Aber ich will Ayrton auch nicht kopieren, ich will nicht er sein - ich verfolge meinen eigenen Weg, weil ich das liebe, was ich tue und das habe ich auch selbst erreicht, auch wenn ich die Liebe zum Rennsport vielleicht schon von ihm bekommen habe. Aber hoffentlich ist er dort, wo auch immer er jetzt ist, stolz auf mich, dass ich hier gewonnen habe, wo er immer so gut war...

Möchtest du diesen Sieg, deinen bisher größten, jemanden widmen?
Bruno Senna: Ich möchte ihn Gott widmen, er hat ihn mir gegeben, er gehört ihm...