Eine halbe Stunde nach dem Rennen hatte Bruno Senna den ersten Schreck und Ärger bereits so weit überwunden, dass er erst seine doch ziemlich geschockte Mutter Viviane beruhigen und dann zumindest äußerlich recht gelassen über sein Horrorerlebnis in der elften Runde des zweiten Istanbul-Rennens berichten konnte, als er bei Tempo 280 mit einem Hund kollidierte.
Wie hast du die Situation erlebt?
Bruno Senna: Es ist schon unglaublich, mit so etwas rechnet man doch nicht, wir sind doch hier nicht irgendwo in der Wildnis, sondern bei einem Formel-1-Rennen. Man kommt da mit 280 an, kann aber nicht über die Kuppe schauen... Da war nur eine einzige gelbe Flagge, nicht mal zwei, um besondere Gefahr anzuzeigen - ein Hund ist offenbar keine besondere Gefahr, wo man deutlich langsamer werden müsste... Ich dachte, da ist vielleicht ein langsames Auto oder ein Teil auf der Stecke, ich sah Conway ausweichen, bin ihm nachgefahren. Das ist eine blinde Stelle, man sieht nichts - aber als ich über die Kuppe kam, war der Hund plötzlich da, ich hatte etwa drei Zehntelsekunden zum Reagieren... Er schien nach rechts zu laufen, ich bin nach links - aber dann hat er sich leider entschieden, auch nach links zu rennen. Ich hab ihn mit dem rechten Vorderrad erwischt, dass ich ihn so mit dem Reifen getroffen habe, war noch mein Glück - wenn ich ihn mit der Nase treffe und er hochfliegt, dann kann das auch anders enden... Zum Glück sind die Autos so stabil, dass ich keinen Unfall hatte, ich an die Box kommen konnte und mir nichts passiert ist.

Du warst verständlicherweise unglaublich sauer, als Du aus dem Auto gestiegen bist. Was spielt sich da alles ab im Kopf eines Fahrers ab, nach so einer Schrecksekunde?
Bruno Senna: Ich war aus verschiedenen Gründen wütend, man erwartet ja nun wirklich nicht, dass man auf einen Hund trifft, wenn man mit Tempo 280 unterwegs ist. So was ist ja auch unglaublich gefährlich... Das Bild von dem Hund, wie er da über die Strecke rennt, habe ich noch im Kopf!
Enttäuschung ist sicher auch dabei - schließlich war es bis dahin ein tolles Rennen von Dir?
Bruno Senna: Ja, ich denke, wir alle hatten einen sehr guten Job gemacht, eine gute Lösung für das Auto gefunden, ich war gut unterwegs. Wenn man von 15 auf sechs vorfährt, zeigt das, dass man eine gute Pace hat. Ich habe zu der Zeit ziemlich gepusht, um noch ein paar Plätze gut zu machen, bin auch ein paar Mal schnellste Rennrunde gefahren, da war noch einiges drin... Aber wie gesagt, du erwartest nicht, auf einen Hund zu treffen, wenn du mit Tempo 280 unterwegs bist. Zum Glück haben nur der Hund und das Auto Schaden genommen, und ich bin okay und wir haben 'nur' ein gutes Resultat verloren. Aber auch das ist schon übel, jetzt gehe ich ohne Punkte aus diesem Wochenende, in einer Meisterschaft, in der jeder Punkt zählt - wegen etwas, was völlig außerhalb meiner Kontrolle lag. Das alles ist schon nicht ganz leicht zu akzeptieren...

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