Mit welchem Gefühl, welcher Zielsetzung gehst Du in die neue GP2-Saison?
Bruno Senna: Es ist das bisher wichtigste Jahr in meiner Karriere, mein zweites Jahr in der GP2, ich bin in einem Top-Team. Das heißt: Eigentlich muss der Titel her, der zweite Platz ist das Minimum, aber an sich schon fast zu wenig. Ich weiß natürlich, dass das nicht einfach wird, die Konkurrenz ist sehr ausgeglichen und sehr stark, und im Rennsport kann immer sehr viel Unvorhergesehenes passieren, also warten wir mal ab...
Bedeutet diese hohe Zielsetzung nicht einen enormen Druck?
Bruno Senna: Nein, überhaupt nicht, ich habe immer nur Druck in der Form gespürt, dass ich selbst immer besser werden und lernen will, und damit kann ich gut umgehen. Denn ich weiß, dass ich alles getan habe, um perfekt vorbereitet in die Saison zu gehen. Ich glaube, in Sachen Fitness kann man kaum noch mehr machen, ich habe den ganzen Winter über viel gearbeitet, jetzt noch einmal eine harte Trainingswoche in den Alpen hinter mir. Und die Rennen der GP2 Asien Serie waren auch eine sehr gute und wichtige Vorbereitung.
Der Start in der Asien-Serie war nur Vorbereitung für die Hauptserie?
Bruno Senna: Sicher hätte ich auch da gerne den Titel geholt, aber das sollte wohl nicht sein, da ist so viel schief gegangen, was außerhalb meiner Kontrolle lag. Aber das Team und ich haben in diesen Rennen sehr viel gelernt, in der Zusammenarbeit, im gegenseitigen Verständnis. Wir sind jetzt viel besser aufeinander eingespielt und das wollen wir in Europa umsetzen. Außerdem - auch wenn es sich nicht immer in zählbaren Erfolgen niedergeschlagen hat: Dass wir absolut den Speed hatten, um immer ganz vorne mitzufahren, das haben wir schon gesehen und das gibt schon auch ein bisschen Sicherheit und Zuversicht.

iSport ist Titelverteidiger, stellte mit Timo Glock 2007 den Meister - aber in diesem Jahr gibt es jetzt in Europa neue Autos. Gilt da die Favoritenstellung noch?
Bruno Senna: Ich bin überzeugt, dass iSport alles in allem das beste Team in der GP2 ist, was sich dann auch im Laufe der Saison in der Weiterentwicklung des Autos auswirken wird. Jetzt am Anfang liegt da durch das neue Auto alles noch ziemlich eng zusammen, da haben wir sicher nicht den Vorsprung, den iSport letztes Jahr teilweise hatte. Aber das wird sich im Laufe des Jahres hoffentlich wieder etwas zu unseren Gunsten verändern...
Zuletzt musste sich iSport nach der Reifenwechsel-Panne in Dubai, die dich einen sicheren Sieg gekostet hat, aber viel Spott anhören. Gab es da Konsequenzen?
Bruno Senna: Sicher. Da musste ich auch überhaupt nicht viel reden oder Druck machen. Da waren die Jungs schon ganz alleine heiß drauf, dass so was auf keinen Fall wieder passiert. Mein Renningenieur Gavin Jones hat mich letzte Woche schon angerufen, mir gesagt, dass es jetzt völlig neue Ablaufpläne für die Boxenstopps gibt, die das Team zu Hause auch schon eifrig trainiert. So etwas darf natürlich nicht mehr vorkommen. Ich hoffe einfach mal, dass wir mit dem Pech und den Pannen in Asien alle Missgeschicke hinter uns gelassen haben und jetzt in Europa dafür alles einigermaßen glatt geht.
In Barcelona hast Du letztes Jahr deinen ersten GP2-Sieg gefeiert - gibt das besondere Erinnerungen jetzt beim Saisonauftakt?
Bruno Senna: Das spielt für mich keine so besonders große Rolle. Ich schaue nach vorn, auf das, was ich in diesem Jahr erreichen will. Auch wenn der Sieg letztes Jahr natürlich sehr schön war.
Was erwartest Du Dir jetzt vom Auftakt?
Bruno Senna: Wenn ich von den Testergebnissen in Barcelona ausgehe, haben wir da vor allem über die Distanz, aber auch im Qualifyingtrim sehr gut ausgesehen. Wir sollten also eigentlich in der Lage sein, um die Pole-Position und um den Sieg mitzufahren, wenn alles normal läuft. Aber genau das, dass es normal läuft, ist halt nicht immer das Normale. Wichtig ist auf jeden Fall, sehr konstant zu sein, immer zu punkten. Das wird am Ende im Titelkampf entscheidend sein. Aber natürlich will ich auch Rennen gewinnen.

Wer werden deine Hauptgegner sein?
Bruno Senna: Sicher wieder ART mit Grosjean und Filippi, aber auch Piquet, die mit Andreas Zuber und Pastor Maldonado eine sehr erfahrene Fahrerpaarung haben, und dann auch Karun Chandhok, mein Teamkollege. Der ist gerade im Qualifying manchmal sehr schnell - und wenn der Teamkollege vor einem steht, dann ist das nie besonders hilfreich...
Die ersten drei GP2-Champions, Nico Rosberg, Lewis Hamilton und Timo Glock, kamen direkt in die Formel 1. Natürlich fragen alle - wann sitzt du zum ersten Mal in einem Formel-1-Auto?
Bruno Senna: Sicher sind die Leute neugierig. Aber ganz ehrlich: Im Moment denke ich selbst noch nicht darüber nach. Über die Formel 1 mache ich mir Gedanken, wenn der richtige Zeitpunkt dafür da ist. Jetzt muss ich erst einmal meine Leistung in der GP2 bringen. Dann ergeben sich die nächsten Schritte schon.

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