Das Wochenende in Silverstone war für mich wie eine Erlösung. Zuerst die Getriebeprobleme am Anfang der Saison, dann der Crash mit dem Timo in Magny Cours, das war nicht einfach. Ich war richtig froh, dass nach Frankreich nur vier Tage bis zum nächsten Rennen waren. Ich hatte aber natürlich auch ziemlich viel Druck auf meinen Schultern, denn irgendwann hat es ja endlich bei mir funktionieren müssen. Dass es dann gleich mit der Pole Position, der schnellsten Runde und dem Sieg klappt, war auch für mich überraschend. Dass ich Timo auch deutlich schlagen konnte, war auch super für mich, schließlich ist er ein starker Fahrer. Das hat mir wieder viel Selbstvertrauen gegeben.

Geschafft: Das Pech ist besiegt., Foto: GP2 Series
Geschafft: Das Pech ist besiegt., Foto: GP2 Series

In der Meisterschaft habe ich dank des Wochenendes auch wieder Boden gut gemacht. Jetzt bin ich 19 Punkte hinten und muss schauen, dass ich da Stück für Stück etwas vom Vorsprung wegnagen kann. Timo wird auch nicht immer Nuller schreiben und ich immer punkten. Deswegen muss ich einfach schauen, dass ich das von Rennen zu Rennen abknabbern kann. Irgendwie kann ich mich dann hoffentlich wieder in die Top Drei hinaufarbeiten.

Die Pole Position für den Samstag kam für mich überraschend. Denn im freien Training hatten wir einige Probleme mit den Reifen. Sie kamen einfach nicht auf Temperatur. Irgendwas hat da beim Setup nicht ganz gepasst und wir haben die harte Mischung, die es in Silverstone gab, nicht zum Arbeiten gebracht. Deswegen haben wir uns drei Stunden zusammengesetzt und am Setup gefeilt, damit wir die Reifentemperatur schneller in die Höhe bekommen. Das hat super funktioniert. Im Qualifying hatte ich zwei Runden die volle Temperatur und konnte deswegen auch zwei schnelle Runden fahren. Das hat perfekt funktioniert und deswegen bin ich am Ende ganz vorne gestanden. Das war das erste Erfolgserlebnis.

Vor dem Rennen habe ich aber trotzdem einigermaßen gezittert. Ich hatte die Getriebeschäden und den blöden Unfall mit Timo nicht vergessen. Es hatte irgendwie nie richtig funktioniert. Ich war sehr erleichtert, als ich nach der ersten Runde immer noch Erster war. Von da an habe ich gewusst, dass ich einfach nur Gas geben muss, weil aus dieser Position ein Podiumsplatz immer möglich ist. Dass ich gewinnen konnte, war natürlich umso besser. Conway und ich konnten dem Rest auch ziemlich davonfahren. Und Conway ist eigentlich in Silverstone zuhause. Einige sagen, wenn man ihn dort besiegen kann, dann muss man gut sein. Er hat mich aber das ganze Rennen unter Druck gesetzt und war immer recht knapp an mir dran. Nach dem Boxenstopp war es ja ganz knapp. Ich war mit kalten Reifen vorne und er hinter mir schon mit wärmeren. Ich musste mir dann wirklich überlegen, wie ich ihn hinter mir halte, habe das Kunststück aber vollbracht. In den Kurven habe ich einfach so viel runtergebremst, dass er nicht vorbei kam. Dann habe ich nur darauf geachtet, dass ich einen super Ausgang habe. Er ist mir also immer hinten etwas aufgefahren und ich habe dann gut raus beschleunigt. Mit den kalten Hinterreifen war das wirklich ein Horror in der ersten Runde.

Jetzt soll es weiter aufwärts gehen., Foto: GP2 Series
Jetzt soll es weiter aufwärts gehen., Foto: GP2 Series

Danach habe ich ihm ein bisschen weg fahren können und den Abstand so zwischen einer und zwei Sekunden gehalten. Wenn er näher kam, habe ich etwas gepusht, wenn er weiter weg war, habe ich etwas herausgenommen. Ich hab mir das Rennen etwas eingeteilt, denn sonst wären die Reifen zu schnell kaputt gewesen. Das hat super funktioniert, das Team hat auch einen super Job gemacht - man darf nie vergessen, was die alles leisten. Das Auto war wirklich 1A.

Im zweiten Rennen hatte ich dann leider ein Problem mit dem Kühler. Ich habe mit Conway und Filippi gekämpft und dabei leider einen Stein in den Kühler bekommen. Luca ist kurz in den Schmutz hinaus gekommen und hat dabei einen Stein bei mir in die Kühlung geschleudert. Danach war dann meine Wassertemperatur auf einmal bei 110 Grad und ich hatte im fünften und sechsten Gang keine Leistung mehr. Deswegen konnte ich dann noch so knapp an Conway hinfahren, auf der Geraden gab es kein Vorbeikommen. Überholen war unmöglich, deswegen war ich auch froh, dass ich überhaupt Sechster geworden bin. Schade war es trotzdem, denn das Auto ist gut gelegen und ich konnte trotz meiner Motorenprobleme im ersten Sektor gute Zeiten fahren.

Jetzt hoffe ich nur, dass der Motor nichts abbekommen hat, da ich ziemlich hohe Temperaturen hatte. Ich glaube aber nicht. Erfahren sollte ich es bald. Wenn iSport wieder im Werk ist, wird alles kontrolliert, damit dann auch alles passt, wenn wir an den Nürburgring kommen. Darauf freue ich mich schon - das wird ein halbes Heimrennen. Bis dahin werde ich wieder eifrig trainieren, damit es ordentlich funktioniert. Der Nürburgring ist eine super Strecke und macht mir viel Spaß. Ich hoffe, dass sich das auch wieder in den Ergebnissen zeigt.