Zu Beginn des sechsten Saisonrennens der GP2 in Magny-Cours wurden Erinnerungen wach. Der Unfall von Ernesto Viso erinnerte stark an das Drama von Marco Campos, der 1995 in einem Formel 3000-Rennen tödlich verunglückte. Auch Campos fuhr damals über das Hinterrad des Vordermanns und stieg in die Luft auf. Viso kollidierte nur wenige Meter von der damaligen Unfallstelle entfernt mit Michael Ammermüller und überschlug sich. Beim Venezolaner ging die Sache glücklicherweise glimpflicher aus. Ernesto Viso zog sich bei dem Unfall nur eine leichte Gehirnerschütterung und eine Prellung am Arm zu.
Michael Ammermüller, der von Viso über den Haufen gefahren wurde, war nach dem Unfall schockiert, aber körperlich okay. Der Deutsche bremste ab, weil gelbe Flaggen und die Safety-Car-Schilder gezeigt wurden. "Meine Hand hat noch mal einen leichten Schlag bekommen und es tut etwas weh, aber das ist nicht so schlimm", so Ammermüller. Grund für die Gelbphase war eine Kollision zwischen Andreas Zuber und Timo Glock, die noch gestern hoch und heilig versprochen hatten, sich nicht in die Quere zu kommen. Schon nach zehn Meter berührten sich die beiden iSport-Boliden. Zuber stieg auf und traf Glock am Helm. Glücklicherweise ging auch dieser Zwischenfall glimpflich aus. Nach der langen Unterbrechung hätten beide sogar noch am Neustart teilnehmen können - durften aber nicht.
"Ich habe keine Ahnung, wie es passiert ist. Ich kann noch nicht sagen, ob es meine Schuld war oder seine. Wenn es meine Schuld war, nehme ich sie auf mich. Aber irgendwie hat er der Linie gewechselt", erklärt Glock. Sein Teamkollege sah die Geschichte ganz anders. "Ich habe ihm doch extra vor dem Start gesagt, er soll nicht reinziehen, da es nichts bringt." Paul Jackson, der Teamchef der beiden, konnte das Desaster nicht mit ansehen. "Ich kann nicht verstehen, wie das passieren konnte."
Nach fast einer Stunde Pause ging es dann irgendwann weiter. Das Rennen wurde fliegend gestartet. Die Fahrer, die bis dahin noch nicht an der Box waren, mussten ihren Pflichtboxenstopp noch absolvieren. Kohei Hirate führte das Feld zunächst an, musste dann aber eine Durchfahrtsstrafe absitzen. Giorgio Pantano konnte die Führung übernehmen und sich schnell einen kleinen Vorsprung auf Luca di Grassi verschaffen, der ebenfalls schon die Reifen gewechselt hatte. Dahinter konnte Pastor Maldonado an Bruno Senna vorbeiziehen. Für Senna war der Abbruch und das Chaos an der Boxengasse ein großer Nachteil, denn nach der Kollision in der ersten Startreihe führte er das Feld kurze Zeit an.
Pantano konnte seinen Vorsprung mit schnellen Runden weiter ausbauen. 20 Runden vor dem Rennende betrug der Abstand zwischen dem Führenden und Lucas di Grassi auf Platz zwei schon mehr als drei Sekunden. Der Sieg war für den Italiener nur noch reine Formsache. Nach mehr als zwei Stunden Aufenthalt im engen Cockpit durfte Pantano zum ersten Mal in dieser Saison auf die oberste Stufe des Podests steigen. Dahinter trumpfte Luca Filippi groß auf, doch er freute sich zu früh. Zunächst zog der SuperNova-Pilot an Bruno Senna vorbei, später musste auch Pastor Maldonado dran glauben. In der letzte Runde konnte Senna, der zuvor schon am immer langsamer werdenden Maldonado vorbeiging, auch wieder an Filippi vorbeiziehen und den dritten Platz nach Hause fahren.
Die langsame Fahrweise von Maldonado wurde Nicolas Lapierre zum Verhängnis. Der konnte zuvor noch von einem Kontakt zwischen Adrian Zaugg und Xandi Negrao Profit schlagen und lag schon auf der sechsten Position, als er hinter dem Venezolaner so hart in die Eisen steigen musste, dass er sich drehte. Die Ränge fünf uns sechs belegte schließlich Vitaly Petrov und Adrian Zaugg. Die letzten Punkte holten sich Javier Villa und Nicolas Lapierre, der es im zweiten Anlauf doch noch schaffte, Maldonado zu überholen. Lapierre wird am Sonntag zusammen mit Villa aus der ersten Startreihe in das Sprintrennen gehen.

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