Seit dem Start zum ersten Rennen in Barcelona weiß ich, wie viele Schimpfwörter ich kenne. Der Getriebeschaden beim Start vom zweiten Platz war einfach mehr als nur ärgerlich. Schon vor dem Start habe ich bei einem Probeboxenstopp gemerkt, dass hinten irgendwas gebrochen war. Schuld war ein elektronisches Problem, dass ich schon in Bahrain hatte. Beim runterschalten spielt die Elektronik einfach nicht mit und deswegen gehen dann die Gänge nur sehr unsauber rein. Der Ausfall war dann einfach ein Folgeschaden davon. In Bahrain konnte ich deswegen schon nicht so pushen und in Spanien war es in den Trainings und im Qualifying auch schon wieder so. Wir dachten eigentlich, wir hätten es ausgemerzt, aber dem war nicht so.
Das Team kann aber gar nichts dafür, denn die Elektronik wird von Renault und Mecachrome vorgegeben. Da ist alles genau festgelegt: welches Programm man drin hat und welche Zahnräder für die Gänge verwendet werden. Wenn da jetzt in der Elektronik ein Wurm drinnen ist, dann können wir das nicht finden und das Team kann da gar nichts machen. Es wurde alles upgedatet und neu programmiert und wir dachten, das gehöre der Vergangenheit an. Aber im freien Training habe ich dann gleich gemerkt, dass schon wieder beim Runterschalten nicht alles sauber war.
Also haben wir auch zusammen mit den Leuten von Mecachrome für das Qualifying wieder alles neu programmiert und geschaut, was wir sonst noch tun können. Wir haben wirklich alles ausgetauscht, was es zum Austauschen gab. Das Problem war aber wieder da. Wenn das Auto nun nicht richtig herunterschaltet, dann kann man auf der Bremse nicht gescheit attackieren. Ich habe deswegen auf der Bremse im Qualifying im Vergleich zu Timo eine halbe Sekunde verloren. Er hat ja auch selber gesagt, dass ich dadurch einen Nachteil habe. Im Endeffekt war er dann vier Zehntel vorne, ich aber trotzdem noch Zweiter.

Vor dem Rennen haben wir dann noch einmal alles durchgecheckt, alle Zahnräder und alles und es hat auch jedes Teil gut ausgesehen. Nur in die Elektronik kann man eben nicht so hineinschauen und in der Einführungsrunde habe ich dann schon gemerkt, dass beim ersten Gang etwas nicht stimmt und irgendwas schon wieder gebrochen ist. Ich bin dann in die Startaufstellung und auch noch einmal weggekommen. Ich habe aber beim langsamer werden immer schon gehört, dass im ersten Gang etwas klappert. Beim Start ist schließlich gar nichts mehr gegangen und es hat sich dann herausgestellt, dass sich der Zahn eines Zahnrades selbstständig gemacht hatte und einen Getriebesalat verursachte. Es hat einfach einen Schnalzer gemacht und der erste Gang hat aus dem Getriebegehäuse rausgeschaut.
Dass ich mit Timo mithalten kann, weiß ich mittlerweile ja - nicht nur im Qualifying, sondern auch im Rennen. Am Sonntag hatte ich zum Beispiel nur eine freie Runde, konnte auf der aber fast gleichschnell fahren wie Timo. Im Endeffekt habe ich zehn Autos überholt. Das Problem hat mich leider ein ganzes Wochenende gekostet, dass auch noch gut laufen hätte können. Denn im Training und im Qualifying konnten wir ja auch nicht richtig am Setup arbeiten, weil ich nicht vernünftig bremsen konnte. Man hat dann immer Übersteuern, weil das Auto blockiert oder anschiebt, weil es einfach nicht sauber herunterschaltet. Dennoch war ich Zweiter in der Quali, woran es auch nichts auszusetzen gibt, aber ich weiß, dass ich noch schneller sein kann.
Ich bin deswegen ziemlich sauer, denn im Winter haben wir alle super zusammengearbeitet und das Auto bis zum Gehtnichtmehr entwickelt - wirklich alle im Team haben da viel rein gesteckt. Und man sieht ja auch, dass das Auto sauschnell ist und das nicht nur im Qualifying. Der Timo hat im Rennen gezeigt, dass wir da ziemlich locker vorne mitfahren können. Es ist eben einfach nur schade, dass der Timo jetzt die Früchte ernten darf und ich nicht. Alles nur wegen so eines blöden Ausfalls, für den weder das Team noch ich etwas kann.
Nachdem wir für das Rennen am Sonntag wieder alles neu programmiert und das komplette Getriebe ersetzt hatten, hat das Auto dann etwas sauberer runter geschalten. Noch immer nicht ganz sauber, aber besser und ich denke, wir haben den Wurm im System jetzt gefunden. Deswegen konnte ich dann auch die gute Zeit fahren, auch wenn ich da nur eine freie Runde hatte und sonst immer im Verkehr gesteckt bin. Die Punkte sind sich halt leider nicht mehr ausgegangen, aber am Start habe ich zunächst auch einmal aufgepasst, dass ich nicht gleich in eine Kollision komme oder im Kiesbett lande. Dann habe ich voll angegriffen und eben zehn Leute überholt, was im überholfeindlichen Barcelona nicht ganz so schlecht war.
Das Auto hat also gut funktioniert, wenn es funktioniert hat, jetzt müssen wir nur schauen, dass wir alles tiptop hinbekommen und wir diesen Elektronik-Wurm bis Monaco endgültig vernichten. Denn wenn das Auto in Monaco nicht sauber runterschaltet, dann hängt man gleich einmal in der Leitplanke. Außerdem ist Monaco ja nicht irgendein Rennen und da möchte ich dann schon das volle Potential des Autos ausschöpfen können.

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