Die GP2 ist gut. Die GP2 ist schnell. Die GP2 wird überall gelobt. Lewis Hamilton, Heikki Kovalainen, Nelson Piquet jnr und Nico Rosberg haben die Nachwuchsklasse schlechthin durchlaufen und mischen jetzt erfolgreich in der Königsklasse mit. Doch in einem Punkt lässt die GP2 manchmal zu wünschen übrig; ausgerechnet bei der medizinischen Betreuung der Jungstars patzten die Ärzte schon mehrmals.
Das jüngste Negativbeispiel ist die Behandlung von Michael Ammermüllers Verletzung beim Saisonauftakt in Bahrain. Am Samstag kollidierte der Deutsche mit dem Auto von Kazuki Nakajima. Seine Hand schmerzte, er wurde untersucht und für einsatzfähig befunden. Ammermüller nahm sogar noch am Sprintrennen am Sonntag teil - und erkämpfte sich Platz 7. "Hätte ich da bereits gewusst, dass die Verletzung ein Bruch und nicht wie angenommen eine Verstauchung ist, wäre ich gar nicht erst gestartet", sagte er uns im Nachhinein.

Statt einer Verstauchung hatte Ammermüller sich nämlich einen Kahnbeinbruch zugezogen. Das wurde aber erst einige Tage nach dem Rennwochenende nach seiner Rückkehr in die Heimat festgestellt. Jetzt hält eine Herbert-Schraube die Knochen zusammen. Das Rennen bestritt er noch unter höllischen Schmerzen und mit nur einer Hand. "Aufgrund der Schmerzen bin ich das halbe Rennen mit der linken Hand gefahren", so Ammermüller. "Ich konnte meine Reifen noch nicht einmal gescheit aufwärmen, da ich nicht hin und herlenken konnte."
Timo Glock zog vor dieser Leistung die Sponsorenkappe. "Mich wundert es sowieso, wie man mit einem Kahnbeinbruch ein Rennen fahren kann", sagte der iSport-Pilot im Gespräch mit motorsport-magazin.com. "Davor ziehe ich den Hut." Über die so genannte medizinische Versorgung kann er nur den Kopf schütteln. "Normalerweise ist das Medical Centre der GP2 ja das gleiche wie bei der F1", sagte er. "Sehr seltsam..."

Dabei kennt er diese Problematik aus eigener Erfahrung. Beim GP2-Saisonfinale 2006 in Monza war Timo selbst mit einer Handverletzung zu den Ärzten gegangen. Nach einer 08/15-Untersuchung wurde er aber wieder entlassen. Er ließ zwar das abschließende Sprintrennen aus, bekam nach der Heimreise aber genauso wie Ammermüller eine böse Überraschung präsentiert: "Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass relativ viel 'kaputt' ist", klagte Timo damals sein Leid im Gespräch mit motorsport-magazin.com. "Die Kapsel ist ziemlich stark beschädigt, zwei Mittelhandknochen sind stark geprellt und der Muskel in der Innenhand ist ziemlich stark gezerrt." Einige seiner Schmerzen hätten verhindert werden können. "Wenn die Erstbehandlung in Italien besser gewesen wäre, könnte es jetzt besser sein", gestand Timo.
Umso unverständlicher ist für ihn der Fall Ammermüller. "Das habe ich absolut Null Komma Null verstanden", sagte er uns. "Normalerweise wird ja wenigstens ein Röntgenbild gemacht und dann würde man ja sehen, dass etwas gebrochen ist." Laut Ammermüller wurden zwar Röntgenbilder angefertigt, aber nicht von allen Seiten, so dass man seine Verletzung nicht erkennen konnte. Aber egal wie, diesen Fall könne man laut Glock so nicht stehen lassen. "Da sollte man sich schon einmal Gedanken machen. Es kann ja nicht sein, dass jemand mit einem Kahnbeinbruch ein Rennen fährt und die Ärzte nur sagen, es wäre besser, wenn du nicht fährst, aber das ist alles. Das kann absolut nicht sein." Außer der Fahrer würde darauf bestehen und sich über die Ärzte hinwegsetzen. Aber Timo hat in einem weiteren Punkt Recht: Es kann absolut nicht sein, dass die deutschen Fahrer nach den GP2-Rennen immer kaputte Hände haben...



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