Vier Rennen und unzählige Reise-Kilometer innerhalb einer Woche: Meine GP2-Karriere macht mich derzeit wahrlich zum Vielreisenden.
Zunächst war da ein Test in Silverstone am Mittwoch vor dem Europa-Rennwochenende. Von dort ging es direkt zu meinem ersten Heimrennen auf dem Nürburgring. Als deutscher Rennfahrer ist es ein riesiges Privileg auf so einem historischen Boden Rennen fahren zu dürfen - auch wenn ich ehrlich gesagt vorher nur die Hälfte der Strecke kannte. Schließlich bin ich vor dem Rennwochenende nur auf der Kurzanbindung und nie auf dem gesamten GP-Kurs gefahren.
Dafür kenne ich aber die legendäre Nordschleife: Dort durfte ich einmal eine Runde in meinem Privatauto drehen. Allein der Gedanke in einem Formel 1-Auto dort zu fahren, ließ mir Schauer über den Rücken laufen. Diese Leute müssen damals völlig verrückt gewesen sein! Andererseits: Wenn man uns GP2-Fahrer fragen würde, ob wir da fahren möchten, würden wir sicherlich auch alle antreten!
Richtig berühmt
Es ist immer etwas Besonderes zuhause zu fahren und die Unterstützung der Fans zu spüren - man merkt förmlich wie sie einem dadurch Kraft geben. Das ist einfach toll!
Ich war richtig überrascht, wie viele Fans mich erkannt haben und ein Autogramm von mir haben wollten. Normalerweise läuft man als GP2-Fahrer relativ unerkannt durch die Gegend, aber am Nürburgring war das ganz anders - und es war wirklich ein schönes Gefühl.
Durch meine Strafversetzung war es natürlich umso schwieriger den vielen Fans ein gutes Ergebnis zu bieten. Dennoch versprach ich schon am Donnerstag: Ich möchte bei meinem Heimrennen einen Punkt holen. Als kleines Hindernis erwies sich der für mich neue Streckenverlauf: Ich hatte etwas Probleme mit dem mir unbekannten Mittelteil der Strecke. Der erste und der letzte Sektor waren okay, aber in der Mitte habe ich einiges an Zeit liegen lassen.
Dennoch hatte ich im 1. Lauf am Samstag einen tollen Start, machte fünf Platze gut und fuhr von 22 auf 17 nach vorne. Danach wurde ich zu meinem geplanten Boxenstopp hereingerufen, verlor aber leider einige Zeit, da ich mich hinter meinem Teamkollegen anstellen musste. Die Marge war zu gering kalkuliert worden - ich hatte mir sogar kurz überlegt eine Runde länger draußen zu bleiben, aber letztlich folgte ich der Aufforderung des Teams in die Box zu kommen. Schließlich widersetzt man sich nicht einfach einer Entscheidung des Teams. Aber auch aus solchen Fehlern lernt man: Beim nächsten Mal folge ich vielleicht meinem Rennfahrer-Instinkt.
Das zweite Rennen lief nicht schlecht. Ich hatte einen guten Start und das Setup war besser als am Samstag. Obwohl ich als Sechster den versprochenen Punkt einfahren konnte, ist es schade, dass ich am Samstag nicht doch einen möglichen achten Platz eingefahren habe. Denn aus der ersten Startreihe hätte ich es zumindest auf das Podium schaffen können.
On the road again
Vom Nürburgring ging es direkt weiter nach Budapest. Ich fuhr am Montagmorgen um 6:00 Uhr los, um rund 20 Runden mit einem Nissan World Series Boliden den Hungaroring kennen zu lernen. Danach ging es die gesamten 500 Kilometer zurück in die Heimat.
Gezwungen werde ich zu diesen Tests in Silverstone oder Budapest nicht: Es ist mein Wunsch die Strecken so gut wie möglich außerhalb der Rennwochenenden kennen zu lernen. Denn in den 30 Minuten Training am GP2-Wochenende muss man den Kurs bereits kennen - sonst steckt man wirklich in Schwierigkeiten. Momentan versuche ich noch einen Test in Istanbul zu organisieren, aber das hängt noch von den Kosten ab...
Die nächste Station auf meiner kleinen Europa-Rundreise war der Circuit de Catalunya. Diesen kannte ich immerhin schon von den offiziellen GP2-Testfahrten dort.
Das erste Rennen begann jedoch mit gemischten Gefühlen: Ich hatte einen guten Start, wurde dann aber in der ersten Kurve angeschoben und musste meine Linie freigeben. Dadurch rutschte ich vom vierten auf den sechsten Platz zurück. Ein perfekter Boxenstopp brachte mich zurück ins Rennen - der Stopp verlief sogar so schnell, dass ich gar nicht glauben konnte, dass der Lollipop schon wieder nach oben sauste.
Danach fand ich mich auf Rang 3 wieder, den ich auch bis zum Ende halten konnte. Aber das war ein hartes Stück Arbeit: Clivio Piccione kam immer näher und die letzten zehn Runden erschienen mir wie eine Ewigkeit. Am Ende hatte ich doppelt Glück: Piccione drehte sich in der letzten Runde ins Aus und verfehlte mich nur knapp. Eine ähnliche Aktion zwischen den beiden Führenden hätte mir beinahe auch noch den Sieg eingebracht - schade, aber man soll den Kollegen ja nichts Böses wünschen...
Am Sonntag lief es für mich nicht so gut: Ich fiel schon am Start auf Platz 8 zurück und das war es auch schon. Selbst mit einem guten Auto ist es in Barcelona verdammt schwierig zu überholen. Allerdings entpuppte sich eine Setup-Änderung an meinem Auto als nicht gerade hilfreich, womit ich wohl ohnehin nicht mehr hätte erreichen können.
Bevor es nächste Woche nach Monaco geht, setzte ich meine kleine Reise-Route auf der grünen Insel fort: Dort besuchte ich die Red Bull Racing F1-Fabrik in Milton Keynes für ein Seat Fitting. Denn ich darf im Juni beim Goodwood Festival of Speed wieder mit einem F1-Auto fahren! Diesmal aber nicht nur wie in Abu Dhabi auf einer langen Geraden, sondern richtig mit Lenken! Ich kann es kaum noch erwarten...

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