Für uns Formel 3-Fahrer steht am kommenden Wochenende das Highlight der Saison an. Im Rahmen der Tourenwagen-WM startet die EuroSerie auf dem engen und schnellen Stadtkurs von Pau, einer ohnehin sehr schönen Stadt. Ich selbst bin in Pau schon drei Mal gefahren und kann den Kurs daher sehr gut mit anderen Strecken vergleichen - eines kann ich mit Sicherheit behaupten: im Vergleich zu Pau ist Monaco eine Autobahn und lange nicht so anspruchsvoll.

Im letzten Jahr konnte ich sogar die Pole-Position holen und das Rennen der Formel Master als Zweiter beenden, ich habe also gute Erfahrungen machen können. Die meisten anderen Fahrer haben gar keine Erfahrung, denn die Formel 3 ist zum letzten Mal 2005 dort gefahren. Aber klar ist: auch sie werden in Pau ihren Spaß haben, denn die Strecke einfach einmalig. Für mich ist es sogar die Lieblingsstrecke im Kalender, da sie schnelle Kurven, tolle Kombinationen und einen sehr hohen Anspruch bietet.

Pau ist eine schöne Stadt, Foto: Hartley/Sutton
Pau ist eine schöne Stadt, Foto: Hartley/Sutton

Richtig schnell ist sie auf jeden Fall: am Ende der langen Geraden erreichen wir Höchstgeschwindigkeiten von 230 km/h, direkt danach bremsen wir auf 60 Sachen in den zweiten Gang hinunter. In der ersten Haarnadel kann man wirklich gut überholen und ich bin mir sicher, dass wir dort eine Menge Manöver sehen werden, denn die Kurven davor sind sehr langsam und man kann nah am Vordermann bleiben, ohne den Anpressdruck zu verlieren.

Gleich nach der ersten Kurve folgt eine weitere lange Geraden, die ebenfalls in eine Haarnadel mündet - diesmal geht es allerdings links herum. Dort bin ich schon abgeflogen und habe großen Respekt vor der Kurve: man kommt schnell an und irgendwann wird die Kurve so eng, dass nur ein Auto durch passt. Trotzdem kann man dort versuchen zu überholen, weil die Strecke am Beginn der Kurve noch breit genug ist.

Wenig später folgt die Schlüsselstelle der Strecke, der letzte Sektor. Es geht durch eine lange, schnelle Rechts um das Casino herum in ein echtes Karussell. Durch einen Kreisverkehr geht es rechts und links herum - hier passieren viele Unfälle und es gibt eine Menge Schrott. Direkt danach geht es um einen kleinen Weiher, auch hier ist höchste Konzentration gefragt...

Trotzdem werden wir das ganze Rennen am Limit fahren. Klar, wenn man einen Fehler macht ist man in Pau schneller draußen als auf anderen Strecken. Fehler werden ganz bestimmt passieren, vor allem in den beiden Rennen. Aber es muss immer alles im Rahmen bleiben - man kann zwar anecken und die Leitplanke oder die Randsteine berühren, macht man das aber zu fest, dann verbiegt man sich schnell die Aufhängung.

Anders als im normalen Kalender wird das Training in zwei Sessions über je 30 Minuten aufgeteilt, dazwischen haben wir eine längere Pause. Dadurch ergeben sich für uns neue Möglichkeiten, denn wir können die Pause nutzen, um uns die Daten aus dem ersten Training anzusehen und größere Änderungen am Auto zu machen. Bei den anderen Rennen kann man in der Boxengasse nur Kleinigkeiten verändern, wie etwa die Flügelpositionen.

2007 holte sich Maximilian einen Pokal, Foto: IFM
2007 holte sich Maximilian einen Pokal, Foto: IFM

Eine besondere Herausforderung wird das Qualifying, bei dem wir nur eine Viertelstunde Zeit haben. Zwar teilt man das Zeittraining nach den Startnummern in zwei Gruppen auf, aber auch bei 15 Autos wird es richtig heftig und enorm schwer, überhaupt eine freie Runde zu erwischen. Ich hoffe ich habe dieses Glück und kann meine Pole aus dem letzten Jahr wiederholen. Ich rechne mir für das Wochenende einiges aus und würde gerne unter die ersten Drei kommen...

Weitaus leichter als im Qualifying eine gute Runde zu erwischen, ist die Anreise nach Pau. Da es außerhalb der Stadt einen kleinen Flughafen gibt, können wir Fahrer die Strecke leicht erreichen und müssen nur einmal umsteigen. Die Mechaniker können mit den Autos und Trucks natürlich nicht so einfach anreisen. Besonderen Spaß werden bestimmt die Jungs von Mücke Motorsport aus Berlin haben: sie müssen einmal quer durch Deutschland und Frankreich - das wird kein Zuckerschlecken.