Die Saison in der Formel 3 EuroSerie ist schon lange vorbei, trotzdem durfte ich noch einmal in einen Formel 3-Boliden steigen. Mit dem Macau Grand Prix stand gleichzeitig der Höhepunkt der Saison an. In der ehemaligen britischen Kolonie bin ich allerdings nicht für mein langjähriges Team Mücke Motorsport an den Start gegangen, sondern für Räikkönen Robertson Racing aus England. Peter Mücke verzichtet schon seit jeher auf einen Start in Asien.

Macau ist besonders eng, Foto: Laenen/Sutton
Macau ist besonders eng, Foto: Laenen/Sutton

Macau ist eine sehr besondere Strecke, zu vergleichen mit Monta Carlo, vielleicht sogar noch ein wenig extremer. Es ist noch enger und wenn man keinen guten Rhythmus findet, hat man keine Chance. Um schnell zu sein, muss man immer am Limit fahren. Oben, auf dem Berg in der Stadt, gibt es einige besondere Kurven. Wenn man dort einen Fehler macht, verliert man sofort viel Zeit. Ganz wichtig ist eine Passage von mehreren, aufeinander folgenden Kurven. Man muss alles richtig machen, sonst passt es vorne und hinten nicht. Einmalig ist die Malco-Hairpin. Diese Kurve ist so eng, dass zwei Autos nicht durch passen würden. Daher ist es dort immer verboten, zu überholen.

Aber auch unten am Hafen gibt es bedeutende Stellen. Die letzten zwei Kurven sehen zwar einfach aus und sind auch einfach zu fahren, aber wenn man dort einen Fehler macht, verliert man viel Schwung für die folgende lange Gerade. Teil dieser Geraden ist die Mandarin-Kurve. Alleine ist sie kein Problem und geht mit Vollgas, wenn man direkt hinter einem Auto im Windschatten hängt bekommt man jedoch Schwierigkeiten und muss vom Gas. Das ist schon eine komische Kurve.

Auf der langen Geraden braucht man natürlich wenig Flügel. Aber im zweiten Sektor, der mehr als eine Minute lang ist, braucht man viel Flügel. Das Setup ist also ein Kompromiss. Wenn man auf dem Berg schnell ist, kann man etwas weniger Flügel einstellen und so Zeit auf der Geraden gewinnen. Aber irgendwann erreicht man einen Punkt, an dem man trotz weniger Flügel auf der Geraden nicht mehr schneller wird. Zudem verliert man auch immer mehr Zeit im zweiten Sektor. Stellt man zu viel Flügel ein, ist man auf den Geraden zu langsam und kann leicht überholt werden.

Mein Wochenende in Macau begann sehr gut. Ich war Zweiter im freien Training und im Qualifying lag ich immer auf den Plätzen eins bis vier. Am Ende bin ich auf dem vierten Rang gelandet, musste aber wegen einer Strafe fünf Plätze weiter hinten starten, da ich unter gelber Flagge zu schnell gefahren bin. Vom neunten Startplatz bin ich wirklich gut weggekommen und vor der ersten Kurve schon auf dem dritten Platz, doch dann hat Mortara zu spät gebremst und ist voll in mich rein. Es war einfach alles kaputt und ich konnte nicht weiter fahren. Das Rennen war schon in der Lisboa-Kurve beendet.

2007 fährt Sébastien Buemi GP2 - bloß wo?, Foto: GP2 Series
2007 fährt Sébastien Buemi GP2 - bloß wo?, Foto: GP2 Series

Das zweite Rennen war keine leichte Aufgabe, denn ich musste von Position 28 starten. Hatte also keine richtige Chance mehr. Immerhin habe ich es bis auf Platz elf nach vorne geschafft, das ist nicht schlecht. Aber was will man machen? Es gab keine Gelbphase, die mir bei der Aufholjagd hätte helfen können.

Mein Programm für den Winter steht noch nicht fest. Ich würde gerne in der GP2 Asia fahren, habe aber noch kein Cockpit sicher. Vielleicht fahre ich auch noch ein A1 Grand Prix Rennen oder nehme an Testfahrten teil. Sicher ist auf jeden Fall, dass ich in der kommenden Saison in der GP2 Serie fahren werden. Die Frage ist nur, für welches Team...